Samstag, 10. Oktober 2020

Meine 41. Kalenderwoche 2020

"In einer Krise 
musst du geduldig 
und diszipliniert bleiben, 
auch wenn sich die Lage bessert."
Marc Wallert, Entführungsüberlebender & Resilienztrainer

"Gegen erwachsene Menschen, 
die sich in Hass 
verrannt haben, 
darf man sich auch abgrenzen."
Michael Blume,  Antisemitismusbeauftragter

"Wut bietet 
kein gutes Instrumentarium
 für Veränderungsprozesse. 
Wut macht viel kaputt."
Canan Topçu, Journalistin & Autorin






Den verregneten Feiertag habe ich weitgehend internetfrei gemütlich mit dem Herrn K. verbracht, Erinnerungen herausgekramt an die Berliner Zeit damals während des Mauerbaus mit dem verstorbenen Freund, die politischen Entwicklungen diskutiert, uns über die jeweiligen Lektüren ausgetauscht...

... und auch viel genäht, während der Regen uns zehn Liter pro Quadratmeter für den Garten da gelassen hat.



Der Sonntag hatte lichte Momente, man hätte glatt auf  den Stühlen verweilen können.




Mit großem Interesse den "Zug der toten Bäume" am Montag in Berlin verfolgt und die erschütternden Vorkommnisse im Dannenröder Wald in Hessen. Da verliert gerade jemand bei mir an Glaubwürdigkeit...



Jetzt wird es wirklich früh dunkel und beim Abendbrot muss man das Licht anhaben. 

Die Nacht auf Dienstag war grauslig: Erst um kurz nach eins die ( gesteuerte, kontrollierte ) Sprengung einer Zehn-Zentner-Bombe aus dem 2. Weltkrieg, dann die halbe Nacht eine tönende Alarmanlage an einem Auto in der Nachbarschaft, um die sich keiner scherte - aber unser Schlaf!
Am nächsten Morgen in der Tageszeitung der Kommentar eines sehr jungen Politikberaters zu unserem Zusammenleben, das seiner Ansicht nach "so organisiert werden (sollte ), dass alle, die den eigenen Vorteil suchen, zugleich den Vorteil anderer erzielen müssen." Er zitiert eine Befragung, nach der neun von zehn Deutschen finden, dass der Egoismus in unserer Gesellschaft mehr zählt als der Zusammenhalt. Das passte gut zu meiner Stimmung, denn der Egoismus stört mich zuweilen auch empfindlich, besonders wenn man so dicht an der Straße wohnt wie wir. 


Am nächsten Tag dann auf der Titelseite der Abgesang auf die Eröffnung der nächsten Karnevalssession, einer immer wildereren Sause in den letzten Jahren mit viel Ballermann-Publikum von außerhalb. Dennoch irgendwie traurig.


Bei Temperaturen von 18° C am Donnerstagnachmittag hätte ich mir auch vorstellen können, noch draußen zu speisen.


Es ist wunderbar, mit welcher Freundlichkeit & Zuwendung mich die stillen Leserinnen meines Blogs umgeben! Ich kann nicht genug betonen, dass es mir gut tut und Ansporn ist weiterzumachen. Dieses Mal hat mich Ursula auf eine von ihr geschätzte "Great Women" aufmerksam gemacht und gleich mit Roman & Biografie versorgt. Und Sunni hat mir einen Band mit Lesehäppchen von 25 Autorinnen geschenkt, die ich sicherlich auch einfach mal zwischendurch lesen kann. Herzlichen Dank!


Erkenntnis der Woche: Diesmal nicht von mir, sondern von einem Forscherteam schon 2016 auf dem Gebiet der Politischen Psychologie anhand einer angemessen großen Gruppe von Probanden gewonnen:

Unzählige Skandale & Verfehlungen der eigenen Partei steigern die Ablehnung oder gar Hass auf die politische Gegenseite. Dahinter stecke der dringende Wunsch des Menschen, eine positive Identität aufrechtzuerhalten und sich als Teil einer wertvollen Gruppe zu begreifen. Wenn eine Führungsfigur der eigenen Seite Fehler macht oder sich daneben benimmt, dann wirkt dies als Angriff auf die moralische Integrität der ganzen Anhängerschaft und bedroht deren ( positives ) Selbstbild. Deshalb wird, statt den Übeltäter aus den eigenen Reihen zu werfen, die Gegenseite mit Dreck beschmissen, nach dem Motto: Die sind ja noch viel schlimmer! Das nennt man politisch-moralische Relativität. Man versichert sich seiner eigenen Tugend, indem man die anderen zu den viel übleren Missetätern macht. Der Vergleich lässt einen dann wieder richtig gut da stehen.
Den gleichen Mechanismus kann man momentan hierzulande auch beobachten. Da werden aus bestimmten Ecken dieser Gesellschaft, in denen gelogen wird, dass sich die Balken biegen, immer wieder die Öffentlich- Rechtlichen und andere Medien der Lüge bezichtigt und damit tatsächlich erreicht, dass immer mehr Menschen diese auf dem gleichen Lügen- Niveau angesiedelt sehen wie die Diffamierer. 
Klar: Üble Nachrichten erhalten eben mehr Aufmerksamkeit, werden besser erinnert und wirken letztendlich - leider - glaubwürdiger. Auch dazu gibt es Untersuchungen, über die ich schon mal berichtet habe. Und grade an diesem Missverhältnis sind sämtliche Medien auch schuld.

Lektüre der Woche: "Ich  hab nichts gegen Frauen, du Schlampe" von Sarah Bossetti ( mich sehr stabilisierend! ) 

Gehört in dieser Woche: Herbert Feuersteins Nachruf auf sich selbst im Radio, gar zuletzt mit einer Träne im Auge, erinnerte ich mich doch an seinen Auftritt als Frosch in der "Fledermaus" in der Kölner Oper...  und ja, gestern unbedingt zum 80. Geburtstag John Lennon, auch mit einer Träne, auch, weil es deutlich macht, wie viele Illusionen ich seitdem verloren habe.

Ärgernis  der Woche: dass ausgerechnet dieser amerikanische Schulhof-Bully mit einem wie Jesus von Nazareth als Heilsbringer auf eine Stufe gestellt wird, weil er "den Kampf gegen das Böse" für "uns"  führt, wie ich diese Woche in der Bloggerwelt gelesen habe - das geht selbst für eine Agnostikerin wie mich entschieden zu weit...

Wochenfreude: das erste Piano - Konzert des ehemals kleinen M.! Jetzt hat das vierte Enkelkind Klavierstunden, die ich mir als Kind so gewünscht hätte.







Verlinkt mit dem Samstagsplausch bei Andrea Karminrot und mit dem Herbstglück bei Loretta & Wolfgang 

Kommentare:

  1. "Dieser Schulhof-Bully" - Astrid, perfekt! Besser kann man es nicht sagen. Ich versuche, so wenig wie irgend möglich an Medienkonsum in bestimmten "Regionen" zu haben, es tut mir physisch und psychisch nicht gut. Wie schön, dass das ehemals kleine M nun Klavierspielen lernt. Prima! Und eure sonst auch schönen Momente sehe ich mir gern immer wieder an. Herzlich, Sunni

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  2. Gerade habe ich im Radio gehört, dass nun auch Köln wieder zum Hotspot erklärt wurde. Da musste ich gleich an Euch denken. Damit kann auch der Karneval gestrichen werden.
    Ein schönes Wochenende, vielleicht blinzelt ein bisschen die Sonne durch eure Fenster.
    Liebe Grüße
    Andrea

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    1. Ja, ich habe auch schon, wie empfohlen, meine Kontakte halbiert: Eine Hälfte des Herrn K. muss nun hinter der Glastür bleiben. 😂😂😂
      GLG

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  3. :D Schulhof-Bully - treffend tituliert!
    Grün-schwarz in BW zeigt meines Erachtens, welchen Geistes Politik sein kann. Die Auto-Industrie ist mächtig, bietet Arbeitsplätze und dazu muss sie bedient werden. Was momentan an Straßen gebaut wird ist unglaublich. Was auf ihnen rollt, wird dicker, fetter, nicht nur mit Stern, ... im Kreis BB werden auch Porsches gebaut. Es gab Zeiten, da demonstrierten die Grünen gegen S21.
    Herbert Feuersteins Nachruf hat mir etliche Schmunzler entlockt. Drei Mark kostete zu meiner Schulzeit ein MAD-Heft. Eines habe ich noch, auf deutsch, und eins aus den USA, aus den 1970ern.
    Die Jodelgrenze und die Verwandtschaft zum Erzählrausch, auch Wortdurchfall genannt - herrlich!
    Bevor ich dem auch verfalle, mache ich Schluss,
    mit herzlichen Grüßen,
    Karin

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  4. Der Regen hat gutgetan liebe Astrid, aber ich habe mich heute gefreut, dass mal wieder den ganzen Tag die Sonne schien.
    Wir haben heute sogar im Straßencafé einen Kakao trinken können, es war so schön warm.
    Dein Woche an sich hört sich doch relativ gut und friedlich an.
    Und nun pass auf Dich auf, ich drücke die Daumen, dass die Zahlen in Köln bald wieder sinken,
    ganz lieben Gruß
    Nicole

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  5. Ja, Deine Schulhof Bully Bezeichnung ist so zutreffend. Den Karneval hier hatte man schon abgesagt. Wird mir fehlen. Ich fühle mich aber jetzt schon manchmal als nun immer weniger sozial interagierender Mensch. Aber so ist das nun mal. Dann findet man andere Wege.
    Hab ein schönes Wochenende und liebe Grüße
    Nina

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  6. in diesen schön gedeckten tisch im freien habe ich mich glatt verguckt - ein schöner ort, um zu zweit etwas zu feiern und sich aneinander zu freuen!
    macht es euch sonntagsschön!
    liebe grüße
    mano

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  7. "so organisiert werden (sollte ), dass alle, die den eigenen Vorteil suchen, zugleich den Vorteil anderer erzielen müssen."
    Das wäre ein gesellschaftliches Zusammenleben nach meinem Geschmack und auch eine Vorgabe für die Politik. Hierfür müsste es Anreize oder gar Gesetze geben.
    Deine Woche war insgesamt recht schön:
    Regen, endlich!, Klaviermusik vom ehemals kleinen M, kleine Geschenke von Freund*innen und vieles mehr...

    Einen ebenso schönen Sonntag heute wünscht herzlichst, Sieglinde

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  8. Ich gehöre auch zur Risikogruppe! - So schlicht und ergreifend! Deine ausgesuchten Zitaten direkt am Anfang treffen sowas von zu, liebe Astrid. Ich wünschte, die Menschen würden langsam (eher schneller) schlauer werden. Gestern waren mein GG und ich noch auf der Laga (da der Herbstmarkt - nur aus einem Stand bestand.. kicher!) und haben dort draußen einen Kakao getrunken. Bleibt tapfer! Herzlichst, Nicole

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  9. Wie immer deine Gedanken gerne gelesen, liebe Astrid. Aber außer meiner einer scheinen alle zu wissen, wen du mit "dieser amerikanische Schulhof-Bully" meinst. Da ist wohl weas an mir vorbeigegangen. Wie krieg ich das nun raus?
    Herzliche Grüße und einen schönen Sonntag noch - Elke (Mainzauber)

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  10. Liebe Astrid,
    das tropfenbenetzte Grün ist klasse anzusehen und auch sonst zeigst du schöne Eindrücke von deiner letzten Woche. An den charmanten Tisch hätte ich mich auch gerne gesetzt...urig und gemütlich.
    Ich wünsche dir eine gute neue Woche - lieben Gruß, Marita

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  11. das klingt nach einer ruhigen beschaulichen Woche
    herbstlich .. gemütlich ..
    und du hast wieder so schöne Post erhalten ;)
    hier war es sehr nass erst gestern und heute wieder Sonne

    ja.. leider bekommen immer die negativen Schlagzeilen die meiste Aufmerksamkeit und verstärken sich so
    sie beherrschen dann das Empfinden
    auch wenn es gar nicht an dem ist
    wird z.B. ständig über Kriminalität berichtet meint man von Verbrechern umzingelt zu sein ..selbst wenn die Zahlen sinken
    und diesem großen ungezogenen Kind da im fernen Land gelingt es immer wieder bestens all seine Schlechtigkeiten anderen vor zu unterstellen
    wer mit Dreck wirft hat ihn ja erst mal selber an den Händen
    aber man sollte wirklich verstärkt die guten Dinge hervor heben damit sie nicht untergehen

    wie schön dass die Enkelinnen so musikalisch sind und Freude am Klavierspiel haben
    heute hat mir eine Frau geholfen den Rollator eine Treppe hoch zu tragen .. trotz Corona..
    und obwohl sie auch nicht mehr die Jüngste war .. sie hat ihn einfach geschnappt ..
    der Ehemann schaute etwas perplex zu :D

    liebe Grüße
    Rosi

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  12. Liebe Astrid,
    wir hatten auch viel Regen in den letzten Wochen. Aber Gestern pflanzte ich einen Baum im Garten, und war erstaunt, dass schon nach wenigen Zentimetern die Erde staubtrocken ist. Immer noch kein guter Boden für Bäume, aber lieber beschäftige ich mich mit Bäumen oder mit dem Garten als mit der Politik, ersteres tut wenigstens gut und macht Freude.
    Ich wünsche Dir einen schönen Start in die neue Woche.

    Viele liebe Grüße
    Wolfgang

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  13. Liebe Astrid,
    was für schöne Einblicke in deinen Alltag. Ich danke dir dafür.
    Ich wünsche dir einen guten Wochenstart und pass gut auf dich auf.
    Allerliebste Grüße aus Heidelberg
    Annette

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Ich freue mich eigentlich über Kommentare. Doch es gilt auch die uralte Spruchweisheit: "Wie man in den Wald hinein ruft, so schallt es heraus." Da wird dann schon mal der Freischaltknopf nicht gedrückt, wenn der Ton daneben ist...

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