Sonntag, 13. Mai 2018

Meine 19. Kalenderwoche 2018


Wenn das der erste Blick nach dem Aufstehen ist ( und dazu auch noch die erste Rosenblüte entdeckt wird - eine Kletterrose "Sorbet" ), sollte man meinen, dass ein schöner Montag im Frühling beginnt. Denkste!

Erst habe ich meine Lesebrille zerbrochen, dann feststellen müssen, dass die Spülmaschine defekt ist ( Kundendienst organisieren! ), dann sagt der Fensterputzer für den Wintergarten ab ( der schon eine gelbe, undurchsichtige Pecke auf dem Glas hat ), der Herr K. trödelt. Und als ich endlich um zwölf auf den Markt komme, ist der Stand mit den Gewürzen ( die ersetzt werden sollten, da schon Jahre, fast Jahrzehnte über das Haltbarkeitsdatum hinaus ) nicht mehr da. Schließlich und endlich meckert noch die Postfrau über die klebrigen Rückstände auf meinen recycelten Päckchen - Kartons. 
Dieser Tag konnte nicht mein Freund werden, wenn man sich dann zu Hause auch keinen Kapuziner machen kann, weil das Wasser abgestellt worden ist ( und ich nicht rechtzeitig Reserven geschaffen hatte ).


Abends dann auch mit einer gewissen Lustlosigkeit zum Konzert in der Philharmonie ( ja, Richard Wagner und sein teutonischer Furor ist so gar nicht meins ).
Was mich stutzig machte: Der Generalmusikdirektor trug eine rote Krawatte ( das ist sonst so gar nicht sein Stil ). Und als er zum Dirigeren von Bernd Alois Zimmermanns "Musique pour les soupers du Roi Ubu – Ballett noir" mit einer orangefarbenen Perücke und Hund auf die Bühne zurückkehrte, war klar: Der Franzose in Köln hat Sinn für Narretei! Sehr munter ging es weiter: Musikalisch hört sich das Werk eh wie eine "Collage" quer durch die europäische Musikgeschichte an und lässt einen immer wieder schmunzeln ( da war er dann auch wieder, der Walkürenritt! ).

Aber dazu kamen dann noch die ( vom Komponisten vorgesehenen ) "Couplets" ohne Musik zwischen den Sätzen mit - auch das ausdrücklich gefordert - politisch aktuellem Bezug: Diverse Orchestermusiker gestalteten diese durchaus kabarettistisch bzw. parodistisch. Mit einer Ausnahme: Die Erinnerung des ( jungen slowenischen & durchaus sehr beeindruckenden ) Klarinettisten Blaž Šparovec an die andauernde Inhaftierung & unmenschliche Behandlung des Theatermachers Kirill Serebrennikow, ausgerechnet am Tag der prunkvollen Wiedereinführung des russischen Präsidenten, hinterließ bei mir einen sehr bitteren Nachgeschmack.

Aber so ganz allgemein betrachtet, hat mich dieses Musikstück mit dem Tag wieder ausgesprochen versöhnt. Ich freue mich schon auf die nächste Spielzeit, in der ich für uns zwölf statt der bisher fünf Konzerte mit unserem "Hausorchester" plus  dem anregenden François-Xavier Roth gebucht habe.

Am Feiertag zog es uns in die Nachbarstadt ganz im Westen zum Karlspreisfest. Kalt war es, und wie: 12°C statt 28°C am Vortag!

Zum Glück gibt es in der Stadt viele Möglichkeiten sich aufzuwärmen.

Und der Dom wird auch immer besucht, hat er für mich doch seit Kindertagen einen großen symbolischen Wert...




.. und die byzantinische Pracht ( aus dem 19. Jahrhundert ), in großem Kontrast zur steinernen Klarheit der Kölner romanischen Kirchen, kann mich durchaus beeindrucken.


Abschließend haben wir uns am Elisenbrunnen noch Kaffee & Kuchen gegönnt. Und ich war fasziniert von dieser riesigen Hainbuche im Elisengarten hinter dem Brunnengebäude:


Meinen Samstag habe ich ja schon hier weitgehend dokumentiert. Und die übrigen Tage dieser Woche waren so zerfasert von Alltagsnotwendigkeiten, dass es meine Wünsche nach Zerstreuung in ihrer Erfüllung einfach nicht auf die SD - Karte des Fotoapparates geschafft haben...


Was DAS Thema der Woche anbelangt: "pacta sunt servanda" habe ich von kleinauf gelernt und fand es in unseren Rechtssystemen verankert. So habe ich es dann auch in meinem Beruf weitergegeben, wenn Konflikte aufgearbeitet und geschlichtet werden mussten. Mit dem Bruch dieses Prinzips durch diesen Herrn jenseits des Großen Teichs verbinde ich allerdings gleichzeitig den Griff nach der unangefochtenen, uneingeschränkten Hegemonie über unsere gesamte Erde. Ausgerechnet am 73. Jahrestag des Endes des 2. Weltkrieges wird das transatlantische Bündnis aufgekündigt, dem sogenannten Westen ein folgenreicher Stoß versetzt.
Wenn jemand bis jetzt immer noch nicht begriffen hat, was mit "America first" gemeint ist, dem ist nicht mehr zu helfen.

Wieder einmal verlinkt mit Andreas Samstagsplausch und dem Naturdonnerstag bei Ghislana  


Kommentare:

  1. Ja, liebe Astrid, das ist echt lustig, denn bei mir fing der Donnerstag ähnlich an: erstens wachte ich mit fiesen Halsschmerzen auf, weil mir eine Erkältung in den Gliedern steckte, (die inzwischen ausgebrochen ist), zweitens schüttete ich versehentlich Kaffee auf meine Waschmaschine und löste damit einen Kurzschluss aus, drittens stritt ich mich am Telefon mit meinem Liebsten, und die Stimmung war allgemein im Keller. Sowas gibt's einfach. Wie schön, dass das Konzert am Abend Dich versöhnt hat.
    Und zu "America first": ich denke schon, die meisten wissen oder ahnen um die große Gefahr, die übern Teich schwappt. Überhaupt, Spaltung ist wohl das neue Miteinander. Dazu muss man nicht nur nach Westen schauen! Aber trotzdem bin ich Optimistin und ich glaube und hoffe, dass sind die "Erstverschlimmerungen", die jeder Genesung vorangehen. Kurz vor dem Morgen ist die Nacht am schwärzesten. Oder, wie in meinem Fall: das Halsweh ist kurz vor der Erkältung am schmerzhaftesten ;-D
    Liebe Grüße
    Maren

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    1. Der letzte Satz ist wohl rein rhetorisch, weiß ich ja, wer bei mir liest...
      Ich habe zwar nun die einmalige Chance gehabt, mein ganzes Leben in Frieden zu verbringen, aber Optimistin werde ich da trotzdem nicht, daran hindert mich die epigenetische Umprogrammierung durch meine Vorfahren...
      Ich hoffe, deine Erkältung klingt ab. Gute Besserung!

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  2. eine miese woche ... bei mir, 2 miese monate... aber wir hoffen auf bessere zeiten! dein halber kopf ist soo schön :)) lg

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  3. Stimmt, dein Start in die Woche war nicht wirklich optimal. Wie schön, dass es so viele Lichtblicke gab.
    Lichtblicke im politischen Bereich sah ich schon lange nicht mehr...
    Liebe Grüße
    Andrea

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  4. Hihi...solche Tage gibt es und du hast das Beste daraus gemacht und vor allem hast du vorzügliche Fotos mitgebracht. Ich bin begeistert . Die Fotos vom Dom, deine herrlichen Blumen und das Foto mit der roten Tasse sind allererste Sahne.
    Sei lieb gegrüßt
    Susa

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  5. Oh jeh Du hast für diesen Tag mein vollstes Mitgefühl. Manchmal kommt alles zusammen. Wenn ich mich dann ordentlich geärgert habe, lache ich meist richtig herzlich drüber und es wird besser.
    Deine Bilder vom Dom mag ich sehr und die Rosenblüte... hach bei uns sind sie auch sooo schön. Fürs neue alte Haus haben wir auch eine rote Kletterrose gekauft. Eine Mauerecke ohne üppige Rosenblüte ist doch verlorener Platz.
    Schönen Muttertag, liebe Grüße tina

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  6. Oh Rosen, bei mir blühen die Erdbeeren :-) Nach Aachen müsste ich auch mal im Sommer fahren (ich war bisher immer nur im Winter da) und jetzt da meine Nichte da studiert, ein Grund mehr.

    Ich hoffe darauf, dass alle eine ziemlich lange Lunte haben und keiner Interesse hat das zündelnde Männlein mit Taten zu beeindrucken.

    Liebe Grüße
    Astrid rechtsheinisch

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  7. Hallo liebe Astrid solche Tage kenne ich. Gehen zum Glück auch wieder vorbei. Hoffentlich funktioniert die Geschirrspülmaschine bald wieder. Schön, das es trotzdem schöne Lichtblicke gab. Hab einen guten Start in die neue Woche. Lieben Gruß Sylvia

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  8. von diesen alltagsnotwendigkeiten kann ich auch ein lied singen! aber ich finde, du hast so schöne bilder aus deiner woche mitgebracht. die beiden tauben sind hinreißend und man könnte glauben, sie sind dir aus paris vor die kamera geschickt worden.
    ansonsten lähmt mich die weltgeschichte zur zeit ziemlich.
    liebe grüße
    mano

    liebe grüße

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  9. Oje, und ich winke mal wieder mit einem bandagierten Finger rüber. Montag war auch bei mir blöd, nur habe ich diesen Teil in meinem Bericht weggelassen. Kaum verheilt ramponiere ich mir heute morgen den nächsten.
    Trotz allem, eine interessante Woche, die du erlebt hast.
    Viele Grüße,
    Karin

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  10. Bilder, die Laune machen.
    Bei den Kräutern musste ich schmunzeln. Ich bin auch des öfteren entsetzt, wenn ich auf das Haltbakeitsdatum blicke. Mal wieder ein Beweis dafür, dass die Zeit viel zu schnell vergeht. Vielleicht war es ganz gut, dass der Fensterputzer noch nicht da war. Noch ist die Blütenstaubperiode ja gar nicht abgeschlossen. Dann lohnt es sich doppelt!
    Liebe Grüße
    Jutta

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  11. wenn man keine lust hat wird´s meist besonders gut!
    auch konzerte :-)
    finde deine woche gar nicht so schlecht - hier war eigentlich nur alltag und ein - viel zu heisser - ausflug nach wachwitz......
    wer nicht schon im wahlkampf wusste wer dieser herr T. ist der wird´s jetzt wohl auch nichtmehr lernen - leider.
    xxx

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  12. Wow, dieser Dom! Und: das klingt aber nach einem tollen und kreativen Konzert. Wie "langweilig" sind dagegen unsere stockkonservativen Sinfoniekonzerte, die stur ein bekanntes Stück nach dem anderen abspielen, so, wie es immer war - - - Naja, Humor ist auch nicht des Harzers Stärke ;-)
    LG Mascha

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  13. Bissl reingeholpert in die Woche... gut dass du genug Ironie hast darüber zu lächeln!

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  14. Ähmm... Der Name... ich stolpert immer wieder... Eva

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  15. man soll den Tag nicht vor dem Abend loben .. heißt es ..
    aber bei dir war es wohl eher umgekehrt ;)

    schöne Bilder hast du aber mitgebracht
    tja.. dieser gewisse Herr bereitet mir auch Bauchweh.. :/

    liebe Grüße
    Rosi

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  16. Oh, da waren ja gerade einige Stolpersteine bei dir.
    Es scheint, dass du das beste daraus gemacht hast.
    Dein Ausflug zum Dom scheint interessant gewesen zu sein und hätte mir auch gefallen.
    L G Pia

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  17. Hoffentlich sind die kleinen Misslichkeiten aus dem ersten Abschnitt wieder vergessen - gerade wenn der Alltag nicht funktioniert, kann einen das ganz schön kirre machen.
    Deine Wochenrückblick-Bilder sehe ich mir so gerne an, als würde ich in einem schönen Bildband blättern oder in einer Zeitschrift. Mich erfreuen solche Fotos sehr, bei all den Hässlichkeiten, die das Leben auch bietet.
    Liebe Grüße

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  18. Wie gut es manchmal ist, etwas doch zu tun, auf das man ursprünglich keine Lust hatte...;-)...manche Tage sind aber auch schwierig!Liebe Grüße, Taija

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    1. Nicht nur manche...Humor ist das Beste, was da hilft.
      GLG

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