Dienstag, 17. Oktober 2017

In Erinnerung


an die maltesische Bloggerin
Daphne Caruana Galizia


die gestern Nachmittag 15 Uhr
 vor dem Haus der Familie in Bidnija/Malta
mittels einer Autobombe getötet wurde.
Sie wurde 53 Jahre alt.

Auf ihrem Blog
hatte sie zuvor als letzten Satz geschrieben:

"Wo immer Sie jetzt hinschauen, gibt es Gauner. 
Die Situation ist verzweifelt."

Ihr Thema war die Korruption und Intransparenz in Malta.
Für beides ist der Inselstaat berühmt.

Im Februar 2016 hatte sie enthüllt, 
dass zwei zentrale Mitarbeiter von Maltas Premier Joseph Muscat 
unlautere Finanzoperationen getätigt hatten: 
Konrad Mizzi, damals Energie- und Gesundheitsminister sowie Vorsitzender der Labour Party, 
und 
Keith Schembri, Muscats Kabinettschef 
unterhielten Offshore-Konten in Panama und Trusts in Neuseeland.
Diese Konten hatten sie eingerichtet, 
kurz nachdem sie zu Macht gekommen waren 
und dies den maltesischen Steuerbehörden unterschlagen.

Als dann die "Panama Papers" veröffentlicht wurden,
wurde Daphnes Enthüllung bestätigt,
Premier Muscat ließ die beiden Politiker weitgehend in Amt & Würden.

Seine Reaktion gestern:
"Das ist eine heimtückische Attacke gegen eine Bürgerin und gegen die Meinungsfreiheit. 
Ich werde nicht ruhen, bevor Gerechtigkeit geübt worden ist.

Ich veröffentliche diesen Post zur Erinnerung
an eine mutige investigative Journalistin & Bloggerin,
eine Kämpferin
gegen Korruption und Machtmissbrauch
und für die Meinungsfreiheit,
aber auch, weil dies wieder ein unsäglicher Fall von
Hypokrisie ist.






Kommentare:

  1. wie im mittelalter.. du störst, du stirbst...

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  2. Liebe Astrid
    Ich war und bin schockiert! Ja, die Korruption in Malta, die undurchsichtige Politik, massenhafte, sinnlose Vogelmorde um des tötens willen und der damit zusammenhängende Filz, Umweltverschmutzung, geplante und schon ausgeführte Bausünden,... haben mich schon oft entsetzt.
    Dennoch habe ich Malta als eine Art zweite Heimat angesehen, seit ich vor knapp 20 Jahren zum ersten Mal für wenige Monate und seither immer wieder, bis dreimal im Jahr dort war. Auf Malta habe ich mich sicher und auf einer friedlichen Insel gefühlt. Ich habe dort meine Gastmutter wiedergefunden, Kontakte zu einer Tierschutzorganisation geknüpft und in Gesprächen mit Einheimischen noch mehr über die korrupten Machenschaften der Regierung und deren konkretes Vorgehen erfahren.
    Getröstet hat mich immer, dass es auf Malta einige sehr engagierte Menschen gibt, welche kein Blatt vor den Mund nehmen, die aufklären, anpacken, Proteste organisieren, friedlichen Widerstand auf die Beine stellen und einiges (vielleicht teilweise ein Umdenken?) erreichen.
    Die wieder - Wahl der bekanntermassen korrupten Personen im Frühjahr war ein erster Dämpfer. (Obwohl ehrlicherweise beide Parteien nicht über alle Zweifel erhaben sind!)
    Und nun dies. Wer wird sich nun noch trauen, aufzustehen? Wer zwängt auf solch barbarische Art seine (und welche?) Interessen durch? Wer denkt nicht nur leise, dass ihm jemand unbequem ist, sondern führt so kaltblütig einen Mord aus? Auf Malta kennt nicht ganz jeder jeden, aber es ist / war? doch sehr familiär... Mich schaudert, mir ist schlecht.
    Übrigens: wer führt die Ermittlungen und war dementsprechend sofort am Tatort? Eine Person, welche eben auch vor einigen Jahren von Daphne Caruana Galizia beschrieben und schonungslos enttarnt wurde, und sie entsprechend abgrundtief gehasst hat. Meine Hoffnung auf Aufklärung dieses Mordes sind leider eher klein.
    Mein Malta ist heute ein bisschen weniger mein Malta. Ich trauere um einen wunderbaren, mutigen engagierten Menschen und um die ganze Insel.
    Danke, dass Du Daphne hier - und so zeitnah - erwähnst! Das Ganze soll wenigstens internationale Wellen schlagen und so kann vielleicht mit viel Druck von aussen schliesslich etwas Aufklärung in dieses sehr dunkle Kapitel gebracht werden.
    Liebe Grüsse, Miuh
    PS auf Times of Malta erscheinen momentan ständig weitere Berichte. Teilweise sind dort auch die Leserkommentare spannend und führen wiederum zu aufschlussreichen Links.

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    1. Toll, dass du dich gemeldet hast mit deiner Kenntnis des Landes und deinen Kontakten dorthin. Das Land ist ja sonst nur sonnige europäische "Randerscheinung"... Es sollte uns allerdings interessieren, was da vor sich geht, gehört schließlich zur EU.
      Dank dir!

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  3. Ich bin erschüttert, dass so etwas in einem EU Mitgliedsstaat möglich ist. Unglaublich, ich hoffe nur, dass sich die Zusammenhänge, die sich mir beim Lesen des Posts aufdrängen, nicht bestätigen.

    Viele liebe Grüße
    Wolfgang

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  4. Ich muss sagen, dass mich das entsetzt. Gerade erst habe ich es durch Deinen Blog erfahren. Eine Autobombe - wie schrecklich.
    Im April war ich auf Malta (in meinem Blog nachzulesen) und von den Problemen des Inselstaates war nie die Rede bei unserem Gäste-Führer dort. Angesprochen auf Korruption, Briefkastenfirmen und Flüchtlingsproblematik gabs nur kurze, ausweichende Aussagen dazu. Im Vordergrund stand die Bindung zur katholischen Kirche der Malteser, die durch 300 Kirchen für rund 450 000 Einwohner deutlich wird. Aber leider wirft sie lange Schatten und lässt einiges zu, was meiner Meinung nach gar nicht zusammengeht. Valletta wird 2018 Kulturhauptstadt Europas und europäisches Geld floss und fließt viel nach Malta. Da wünsche ich mir viel mehr Aufklärung und Transparenz seiten der Geldgeber und Geldnehmer. Die Gesetze dafür gibt es ja, sie müssen nur durchgesetzt werden. Auch unsere christlich-demokratische Regierung unter Frau Merkel lässt hier einiges einfach durchgehen bzw. schaut wissentlich nicht hin.
    Möge der grausame Tod von Daphne Caruana Galizia nicht umsonst sein und hier endlich etwas bewegen.
    LG Sieglinde

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  5. Guten Morgen Astrid,
    ich weiß gar nicht, was ich schreiben soll. Hatte es gestern gelesen. Sehr gut, dass du daran erinnerst.
    Fassungslos

    Eva

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  6. Liebe Astrid,

    und damit hast du auch etwas Mutiges veröffentlicht.
    Danke!

    Tanja

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  7. Ist es nicht zum Verzweifeln? Ich glaube manchmal, die Mutigen und Aufrechten sind zu leise, das Geschrei des Pöbels übertönt.
    Was in Autobomben-Bauern vorgeht, entzieht sich sowieso jeden Verständnisses.
    Vielen Dank für deine Erinnerung und deine Mutmach-Gedankenanstösse, die zu Diskussionen, gerade mit meinen sehr jungen Kollegen anregen - traurig - Brigitte

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  8. Achje....ich kenne Malta nur von einem wunderschönen Urlaub vor vielen Jahren...ich bin erschüttert, dass so etwas passiert....arme Welt... :-(
    Lieben Gruß
    Gisi

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  9. Schön, dass du hier an sie erinnerst.
    Und interessant auch die Kommentare bei dir. Von Malta hört und sieht man tatsächlich kaum etwas. Ein Fall für die EU - zum näher Hinsehen.
    Liebe Grüße

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  10. Liebe Astrid, das schockiert mich richtig. Vor einigen Jahren war ich dort im Urlaub und hatte das Gefühl, alles ist so friedlich, klein und überschaubar dort. Wie sehr man sich als Tourist doch täuschen kann.
    glg Susanne

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  11. Es ist immer wieder sehr traurig, welches Unheil Gier und Zorn in der Welt anrichten. Und wie Konstrukte verteidigt werden, die mit diesen Motivationen gebaut wurden. Im Kleinen, wie im Größeren, wie im noch Größeren...Danke für deinen Beitrag, Taija

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  12. Danke, liebe Astrid, für Deinen Beitrag hier.
    Und danke auch für die vielen Kommentare; ich selber war weder je auf Malta noch hatte ich wirklich Kenntnis von all den fürchterlichen Machenschaften und dem Filz ebendort.

    Ich bin erschüttert
    Elena

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  13. Pack schlägt sich, Pack verträgt sich - und das ist nicht nur die Verhaltensweise von Politikern auf Malta. Auch hier wird mit Pöstchen dafür gesorgt, dass alle versorgt sind.
    Es ist traurig, wie mutige Stimmen mundtot gemacht werden.

    Gruß
    Astrid rechtsrheinisch

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  14. Hallo Astrid.
    Malta - Erinnerungen an den ESC. Klang immer so gut in meinen Ohren. Was dort aber passiert, dafür gibt es keine Worte. Können wir alle nicht das Licht ergreifen? Und alles Schlechte im guten Licht verglühen lassen?

    Liebste Grüße,
    Sandra.

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  15. Malta rutscht immer wieder aus der Aufmerksamkeit heraus. Vielleicht ist es nicht wichtig genug. Gerüchte gab es immer wieder. Es macht mal wieder ordentlich wütend.
    LG
    Magdalena

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  16. Liebe Astrid,

    ich bin sprachlos und entsetzt, mehr Worte kann ich gar nicht finden!!

    Alles Liebe
    Kerstin

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  17. Liebe Astrid,
    mich hat diese Nachricht auch wieder geschockt!
    Wie korrupt doch diese Welt ist!
    Liebe Grüße
    Melanie

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  18. Absolut erschütternd.
    Liebe Grüße
    Andrea

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  19. Danke Astrid,dass Du hier immer an besondere,mutige Menschen erinnerst.... Liebe Grüße Doro

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  20. danke, astrid. ich war und bin noch entsetzt. unfassbar. wir leben in der eu...
    liebe grüße
    mano

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  21. Ich bin auch immer noch erschüttert... was für eine Welt!.....

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  22. was für ein feiger Mord
    was für ein Verbrechn..
    leider fürchte ich auch dass es nicht aufgeklärt wird
    man sollte vielleicht seine Reiseziele überdenken
    denn anders als über die Geldbörse lernen die Machthungrigen es nicht
    mich macht das Ganze traurig und wütend..
    wer maßt sich an einem anderen Menschen das Leben zu nehmen..
    in der Hölle soll er schmoren ;)

    danke für deinen Beitrag
    Rosi

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