Montag, 11. September 2017

Vom Leben mit Hüft - TEP* { 4 }


"Wir sind in einem knackigen Alter", meinte vor Kurzem mein ehemaliger türkischer Kollege, Herr E. ( der ganz andere, der hier seit Jahren im Exil lebt ), als wir uns trafen, ich noch mit Krücken. "Hier knacken die Knochen, da knacken die Knochen und manche gehen ganz kaputt."

"Ja", meinte der Herr K. als ich ihm Grüße ausrichtete und die Geschichte erzählte, "man schwankt so in unserem Alter zwischen "Mit 66 Jahren, da fängt das Leben an" und "He deit et wih und do deit et wih"...




Irgendwie ähnlich, aber auch immer hin & her gerissen zwischen zwei Polen, geht es mir mit den vielen  Informationen, die frau im Netz findet in Bezug auf das richtige, angepasste Verhalten, nachdem man eine Hüftendoprothese verpasst bekommen hat, besonders was sportliche Aktivitäten betrifft:

Selbst in dem Filmchen, dass die Klinik meines Vertrauens ins Netz gestellt hat, spielt die vorgestellte ehemalige Patientin Tennis.

Und in diesem Artikel des "Berliner Kuriers" äußert sich ein an beiden Hüften operierter 61jähriger so: "Jetzt freue ich mich auf lange Spaziergänge mit unserem Hund Knut, werde wieder Tennis spielen, habe mich für einen Golfkursus angemeldet und mache im Sommer mit meiner Frau einen Wanderurlaub."

Peter Herrchen, der zusammen mit der hier schon erwähnten Heidi Rauch ein Buch - "Mut zur neuen Hüfte" - veröffentlicht hat, unternimmt sogar mit seinen beiden Endoprothesen Halbmarathons und nimmt an Triathlon - Wettkämpfen teil.

Einen ganz anderen Ton schlägt hingegen der "Deutsche Verlag für Gesundheitsinformation GmbHhier an:

"Alpines Skilaufen und Snowboarden ist grundsätzlich wegen der Sturzgefahr und der Möglichkeit der Beinverdrehung bedenklich. (.... ) Für Tennis gilt dasselbe wie für alpines Skilaufen." Und zum Golfen meint diese Seite: "Dabei sind aber eine korrekte Schlagtechnik und ein guter Stand zwingend notwendig."

Der Chefarzt der Orthopädie meiner Rehaklinik erklärt in diesem Video, unter welchen Bedingungen Tennis möglich ist, nämlich nur, wenn an der Technik etwas geändert wird ( Die Klinik bietet entsprechende eintägige Seminare an. )

Zum Marathon bzw. Laufen generell äußert sich die Seite "Gelenk-Doktor" so: "Allgemein wird von Fachorthopäden die monotone axiale Belastung der Prothese durch das Laufen als problematisch angesehen." Und Fußball, Sqash, Tennnis wird dort prinzipiell als schädlich für die Hüftprothese angesehen.

Das verlangt schon einen sehr mündigen, sehr gut informierten Patienten, wenn man für sich eigene Verhaltensregeln aufstellen will. Ich fühle mich jedenfalls sehr glücklich, weil meine bevorzugte ( und einzig ausgeführte Sportart ), das Aqua-Jogging, überall als ideal für Menschen mit künstlicher Hüfte angesehen wird. Da habe ich mal wieder Glück gehabt...




* totale Endoprothese eines Hüftgelenkes

Kommentare:

  1. Wenn man diese Videos vor einer OP anschaut, wirken sie sicher sehr motivierend und nehmen vielleicht ein Stück die Angst, dass es doch nicht gelingen könnte und man weiter durchs Leben humpeln muss. Im Nachhinein scheint es aber doch nicht so einfach...
    Sicher spielt auch das Alter eine Rolle, wann man diese Haft-OP in Angriff nimmt.
    Schön, dass du so gut zurecht kommst, auch mit deinem Aqua-Jogging.
    LG Sigrun

    AntwortenLöschen
  2. Wahrlich sehr unterschiedliche Meinungen. Aber mit dem Aqua-Jogging bist du bestimmt auf der sicheren Seite. Ich habe gelesen, dass das Wasser auch wie eine Massage und sogar ähnlich wie eine Lymphdrainage wirkt.
    Und wenn es dir guttut, passt es doch.
    Hab eine gute Woche!
    Astrid

    AntwortenLöschen
  3. Das mit dem Lebenanfangen mit 66 habe ich schon immer für hochgradig überschätzt gehalten (was wäre denn das auch für Leben gewesen vorher??). Nun mit 66 kann ich dies bestätigen. Tatsächlich knackt es eher als dass es anfängt...
    Aber, wenn man eine neue Hüfte bekommen hat, fängt sicher manches wieder neu an. Schmerzfreies Gehen zum Beispiel, Erweiterung des eigenen Aktionsradiusses usw. Du weißt es ja selbst am besten.
    Am Mittwoch treffe ich eine Freundin, die die OP im Dezember vor sich hat. Aqua-Jogging werde ich ihr auf jeden Fall empfehlen.
    Lass es Dir gut-gehen diese Woche, das wünscht Dir herzlichst
    Sieglinde

    AntwortenLöschen
  4. Liebe Astrid, das ist toll, dass Du das Aqua-Jogging weiter geniessen kannst und es geradezu die ideale Sportart für Dich ist.
    Dann hast Du da keinen Verzicht auf etwas, das Dir Freude macht.
    glg Susanne

    AntwortenLöschen
  5. Liebe Astrid,

    meine Schwester hat vor einigen Wochen auch eine neue Hüfte bekommen, die Linke.

    Sie geht inzwischen ganz gut und war jetzt mit Rollator sogar in Belgien. Diese Reise war aber schon vorher geplant. Es ging ganz gut. Allerdings viel gehen konnte sie nicht.

    Meine Seniorin hat 2014 eine neue Hüfte die Rechte bekommen.
    War dann 4 Wochen in der Reha und so bin ich zu ihr gekommen.
    Sie hatte dann noch ca. 5 Wochen noch eine Hilfe und hat dann ihren Haushalt komplett übernommen.

    Laufen kann meine Schwester und meine Seniorin ganz gut.

    Der Heilungsprozess ist bei Jedem unterschiedlich. In meinen Kursen waren auch "Hüften" dabei, auch hier war es immer wieder mit dem Gehen unterschiedlich.

    Verhaltensregeln, auch hier muß Jeder selbst wissen, was er sich zumuten kann und ja eine Kollegin von mir gibt Aqua-Jogging Kurse und auch hier ist das gut und du hast tatsächlich Glück gehabt.

    Weiterhin gute Besserung.

    Lieben Gruß Eva

    AntwortenLöschen
  6. Und natürlich Spazierengehen... Ich weiß gar nicht, ob ich es schon gesagt hatte, an unserer VHS gab es vor Jahren einen Kurs "Sturzprophylaxe", gedacht für Menschen reiferen Alters. Vielleicht gibt es sowas heute auch. Damals war ich noch zu "jung", heut merke ich, dass ich in Situationen, die ich früher mit einem Sprung zur Seite oder sonst wohin auffangen konnte, eher etwas behäbig und zu langsam reagiere... Viel Freude beim Aquajogging und liebe Grüße aus Cottbus heute - Ghislana

    AntwortenLöschen
  7. ...manchmal kann zuviel Information einen nur noch verunsichern, liebe Astrid,
    ich denke, du merkst schon, was dir gut tut oder nicht...den Muskelaufbau finde ich wichtig und den betriebst du ja intensiv,

    komm gut durch den Tag,
    liebe Grüße Birgitt

    AntwortenLöschen
  8. Es sieht aus, als ob Du Dich doch lieber vom Snowboarden und dem Marathon verabschieden und das Racket in die Ecke werfen solltest.... (Sorry, manchmal hilft nur noch Ironie und Resthumor).
    Ja, die Meinungen sind sehr verschieden und man muss sich wirklich sehr umfassend informieren. (Zumal ich eh nichts mehr glaube, was mir nicht mindestens drei Ärzte bestätigt haben).
    Liebe Grüße
    Andrea

    AntwortenLöschen
  9. .. und genau deswegen rät ein guter Arzt davon ab, sich im Internet schlau zu machen. Wir haben meist verlernt auf unseren Körper zu hören und seine Signale zu verstehen. Manchmal bedeutet eine Art von Schmerz nämlich "bewege mich, bis ich von alleine verschwinde". Der Körper hat große Heilungskapazitäten. Ein Arzt, der dich gut kennt, auf den kannst du hören.
    Der Rest kann nur von individuellen Berichten erzählen, aber nicht von dir.
    Ich weiß, das schreibt sich hier so leicht, aber ich rate dir in dich zu horchen und den Rest Rest sein zu lassen.
    GLG
    Susanne

    AntwortenLöschen
  10. ein freund (68 jahre) wurde vor ca 10 jahren hüftoperiert und spielt nach einer reha-pause seitdem excessiv badminton, d.h. mindestens 3 x in der woche und das mit viel engagement und ohne schmerzen. ich glaube, die psyche spielt da auch eine rolle mit. ohne seinen lieblingssport wäre er wahrscheinlich nicht so gut drauf wie jetzt! alle seine mitspieler hoffen, dass das auch weiterhin so bleiben wird!
    liebe grüße und viel spaß bei deinem wassersport (sollte ich eigentlich auch machen, aber meine haut mag kein chlor!).
    mano

    AntwortenLöschen
  11. 'zwischen' reklame und réalität.. ich glaube das ist das richtige...
    eine hüft - erschütterung in rom, ein erdbeben auch in rieti und weiter oben..lg e.

    AntwortenLöschen
  12. Eine liebe Nachbarin denkt gerade über eine Hüft OP nach und ich erlaube mir, ihr dich ein wenig als Beispiel zu geben. Natürlich liest man oft ganz schön konträre Sachen. Aber ich denke mal, die meisten Patienten freuen sich einfach über ein normales Leben nach der OP und nicht unbedingt auf Leistungssport und das ist ja schon sehr viel! Alles Gute weiterhin.

    AntwortenLöschen
  13. Hallo Astrid,
    manchmal ist weniger lesen besser ;-) Lass Dich nicht verrückt machen. Et hät noch immer jood jejange... Alles Liebe
    Henrike

    AntwortenLöschen
  14. da jeder Mensch verscieden ist können das alles nur Empfehlungen sein
    jeder muss dann für sich selber herausfinden was er kann und was nicht
    ein jüngerer Mensch freut sich natürlich wenn er wieder ausgiebig Sport machen kann und wird es auch versuchen
    ein älterer bleibt dann eher bei gemäßigtem wandern ..Fahrrad fahren ..vielleicht noch leicher Gymnastik..
    du findest auch heraus was dir gut tut..
    liebe Grüße
    Rosi

    AntwortenLöschen
  15. Da hätte ich jetzt auch keine Probleme.... ich laufe nicht Ski und keinen Marathon und Tennus spiele ich auch nicht.... Aquajogging hört sich gut an, ich glaube das könnte mir auch gefallen.... lach.... Ich bin einfach nicht der Sportler.....;))
    Liebste Grüße
    Christel

    AntwortenLöschen

Der Kommentar ist für den Blogger wie der Applaus im Theater - also: worauf wartest du?

Aber bitte nicht vollkommen anonym - ein Name ist erwünscht! Und ein gewisses Maß an Herzensbildung auch - ansonsten schalte ich den Kommentar nicht mehr frei. Das kann auch schon mal dauern - dann bin ich vom Schreiben neuer Posts gefesselt!

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...