Montag, 7. August 2017

Sechzehn Fakten über mich und die Musik



Seit Beginn dieses Jahres starte ich auf meinem Blog Anfang des Monats montags eine Linkparty zu mir passend erscheinenden Monatsthemen. Auf das heutige Thema hat mich Frau Jule gebracht, die immer wieder meinen musikalischen Horizont erweitert.

1. Kontrastreicher hätte es an meiner Wiege nicht zugehen können: Meine Mutter war Opernliebhaberin von klein auf ( kam ja auch aus einer Großstadt ), mein Vater Schlagzeuger in einer Tanzkapelle, die am Wochenende in den um seinen Geburtsort liegenden Dörfern den jungen Leuten zum Tanz aufspielten, all das, was man so in der Tanzstunde an Standard- und vor allem Lateinamerikanischen Tänzen nach dem Krieg lernen konnte. 

2. Ich war mit einer schönen Altstimme ausgestattet, sang gerne, konnte den Ton sicher treffen und war dementsprechend mächtig enttäuscht, als mich die Musiklehrerin in der Sexta des Gymnasiums im Schulchor nicht bei der Ersten Stimme mitsingen ließ. Damit war mein Interesse an Chorgesang schon vor dem Start für immer erledigt.


3. Ich hatte einen fürchterlichen Musiklehrer in der restlichen Schulzeit, bei dem ich nicht Noten lesen lernte, aber Dirigieren, und Beethoven keine anderen Götter neben sich haben durfte ( was fatal war, denn ich wuchs in der Beethovenstadt auf ). Dafür kenne ich sämtliche Wanderlieder aus sämtlichen Vorkriegszeiten.

4. Ich lernte ein bisschen Blockflöte spielen, musste mir aber immer die Namen der Noten über die Noten schreiben. Das war auf Dauer sehr mühselig, und ich stellte den Betrieb dann auch bald ein und fand nie mehr den Mut, ein Instrument zu lernen geschweige denn Gesangsunterricht zu nehmen.


5. Als Jugendliche hatte ich auch ein Opern - Abonnement, war aber immer frustriert, dass ich vor lauter Singerei den Text nicht verstehen und damit den Plot der Oper nicht erfassen konnte, wie ich es vom Theater gewohnt war.

6. In meiner Jugend gab es nur Beatles- oder Rolling - Stones - Fans. Ich gehörte zu Ersteren, grölte aber leidenschaftlich gerne bei "Satisfaction" mit. Durch brasilianische Nachbarn, die bei uns im Exil waren, lernte ich den Bossa Nova und andere brasilianische Musikrichtungen lieben, und schließlich wurde meine Leidenschaft auch noch für Soulmusic entfacht, nachdem ich heimlich in den Sommerferien die Diskos amerikanischer GI's besucht hatte.


7. Als Hippie erweiterte sich mein musikalisches Spektrum am Ende der sechziger Jahre um amerikanische Folk- und Psychedelische Musik wie die von Jefferson Airplane. Rockbands wie Pink Floyd* oder Jazz - Rockgruppen wie Blood, Sweat and Tears begeisterten mich ebenso.

8. Franz Josef Degenhardt, den ich in den 1960er Jahren durch meine junge Deutschlehrerin schätzen gelernt hatte, und andere deutsche Liedermacher gehörten aber auch zu meinem musikalischen Orbit. In den 1970er Jahren kam dann Mikis Theodorakis und andere griechische Musik dazu, die ich selbst einige Zeit gesungen und zu der ich griechisch getanzt habe wie im Film:


9. Der Herr K. erweiterte meinen musikalischen Horizont um Gustav Mahler - das dritte M unter meinen Klassikfavoriten neben Mozart und Mendelssohn.

10. Der größte Komponist war für mich allerdings lange Johann Sebastian Bach, der mich aus mancher Krise geholt hat ( zusammen mit den Eurythmics in den 1980er Jahren ).



11. Mein Interesse an Jazz wurde in den 1980/90er Jahren durch den Acid Jazz neu entfacht, aber auch - vor allem durch meinen verstorbenen Bruder, der in der Branche war - für 3 Mustaphas 3, eine britische Weltmusik-Gruppe, Combustible Edison, Björk, deren Live - Konzerte wir gemeinsam besuchten. Damals habe ich in der damaligen Köln - Arena auch noch ein Konzert von Jethro Tull besucht, die ich in den Siebzigern so gemocht habe - zu laut, war das jetzt nichts mehr für mich. Mein erstes Konzert in der Kölner Philharmonie war ein Auftritt von Manhattan Transfer.

12. Mein Bruder war es auch, der die Regie bei mehreren großen Musikshows übernahm, die wir zu den jeweiligen runden Geburtstagen meiner Eltern veranstaltet haben. Dabei haben mein Mann und mein älterer Bruder die auf die Eltern gemünzten Texte zu ausgesuchten Melodien der populären Musik geschrieben. Und ich habe die Erfahrung gemacht, dass ich eine echte Rampensau sein kann.


13. Die in die Wiege gelegte Liebe zur kubanischen Musik ist durch den Buena Vista Social Club, insbesondere den Pianisten Rubén González, neu belebt worden. Diese Musiker habe ich mehrmals in verschiedenen Zusammensetzungen live erlebt. Ich habe Salsa getanzt und Bekanntschaft mit dem Tango Argentino gemacht.

14. Die erste Oper, in der ich zu Tränen gerührt wurde, war "Rigoletto" von Guiseppe Verdi. Der verzweifelte Vater traf mich mitten ins Herz. Damals wurde ein Bann gebrochen, und ich konnte mich ab da in Opern nur noch der Musik hingeben. Ähnlich ist es mir im "Rosenkavalier" von Richard Strauß und etwas später in seiner "Salome" ergangen. "Cosi fan tutte" ist die Oper, die ich neben der "Zauberflöte" und "Hänsel und Gretel" am häufigsten gesehen habe - kein Wunder also, dass mein liebster Opernfilm "Cosi" des australischen Regisseurs Marc Joffe ist:



15. Die Jazz - Sängerin Alexandra Naumann, Mutter in einer meiner Klassen, hat dann meine Liebe zum Jazz weiter befeuert, wir haben mehrere musikalische Projekte mit den Kindern durchgeführt, und ich habe begonnen, teilweise über hundert Titel umfassende Sammlungen einzelner Jazz Standards aus dem "Great American Songbook" auf meinem iPod zu sammeln. Dabei habe ich unendlich viel über die Geschichte des Jazz und die einzelnen Stilrichtungen gelernt.

16. Wir besitzen eine Riesensammlung an CDs mit klassischer Musik, teilweise ererbt von meinem Bruder, dazu jede Menge Rock, Pop, Weltmusik und Jazz. Und doch habe ich in den letzten Jahren meiner schulischen Tätigkeit kaum mehr Musik gehört, es sei denn am Sonntagabend, wenn meine Ohren sich vom vielen Lärm endlich wieder erholt hatten.

Und jetzt seid ihr dran!







* Was Roger Waters von Pink Floyd heutzutage zu Trump zu sagen hat, kann man hier sehr schön nachlesen



Kommentare:

  1. wenn wir uns das nächstemal treffen, dann bitte am tisch unter pflaumenbäumen und dann plauschen wir bis morgens der nachtvogel schreit!
    liebe grüße
    mano

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  2. Liebe Astrid, danke für dieses Thema (jetzt sehe ich mich schon wieder stundenlang an der Tastatur kleben) und: schön, dasz Du nicht "Reha und ich" gewählt hast ;-)
    Musik, oh jaaa, welch ein unerschöpflicher Vorrat an Tönen und Melodien überall auf der Welt, ich bedauere da oft, nur ein Leben dafür zu haben -
    Habs gern gelesen und gehört, doofe Lehrer gibts wohl überall, genau so trieb mir ein Kunsterzieher jede Freude am Malen aus...
    Eine gute neue Woche voller Fortschritte und Heilung wünscht Dir
    Mascha

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  3. Was ist eine rampensau ? Dazu sage ich nur...: dans le cochon tout est bon !!! Eine schoene woche dir ! Bises

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  4. Diese Art von Musiklehrer kenne ich leider auch. Mühsame Nachmittage mit Klavierunterricht verbracht...
    Das Thema ist sehr spannend und vielfältig, da werden viele Beiträge kommen.
    Dir weiterhin von Herzen gute Besserung,
    Susanne

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  5. Oh ja, das sind ja vielfältige Begegnungen mit Musik, Astrid. Sehr spannend. Muß ich in Ruhe nochmals lesen. Dein Post macht mir Lust, über meine musikalische Geschichte nachzudenken. Ich werde sicher auch was dazu schreiben, mache mir schon mal Notizen dazu... Liebe Grüße! Sabine

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  6. Musik in der Oper höre ich sehr gern und bin gebannt vom Geschehen. Zuhause auf CD mag ich keine Opern hören und den Plot der Opern darf man sich auch nicht wirklich überlegen, so hanebüchen ist das manchmal... Aber dennoch große Kunst.
    Ich höre eh recht wenig Musik inzwischen. Aber immer wieder gern Bach und Mozart und echte Volksmusik, am liebsten aus Franken.
    Beim Link-Up bin ich mit Bach dabei. Denn Musiker-Biografien finde ich hochspannend.
    Übrigens war ich immer im Lager der Stones-Fans und fand die Beatles brav und langweilig. Hat sich natürlich geändert inzwischen! Stones-Fan bin ich aber auch geblieben...:-.
    Leider kenne ich auch solche Lehrer, die einem die Musik vermiest haben. Meine Klavierlehrerin war eine alte Jungfer mit komischen religiösen Ansichten. Echt übel - ich habe nicht viel gelernt bei ihr und inzwischen alles gern vergessen.
    Am schlimmsten war das öffentliche Vorsingen in der Klasse, weil ich ohne Begleitung nur schlecht singe. So empathielos, das hätte man auch anders machen können.
    Heute singe ich nur für uns zum Akkordeon meines Mannes Volks- und Weihnachtslieder und mit der Enkelin auch mit CD. Das macht richtig Spaß.
    So muss es sein mit der Musik incl. Rampensau sein dürfen!
    Herzlichste Grüße und weiterhin gute Besserung für Dich schickt Sieglinde.


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  7. Zu Ruben Gonzales hab ich nun deinen Post gelesen... Soviel Paralleles (u. a. ich auch Beatlesfan...) und doch auch gänzlich Anderes.... 😁. Leider zwingen mich - frei gewählt - momentan ganz andere Themen an die Tasten.... Übrigen war ich stolz, dass ich zweite Stimme singen "durfte", denn das war bei bekannten Liedern ja der schwierigere Part... Tolles Thema, und ich hoffe nur, dass nun mein schlechtes Gewissen nicht um einen weiteren Monat ansteigt... Sei herzlich gegrüßt Ghislana

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  8. Wow, du bist ja wirklich absolut musikbegeistert. Ich glaube, ich bekäme gerade mal 5 Fakten zusammen. Wenn ich mich anstrenge...
    Liebe Grüße
    ANdrea

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  9. Liebe Astrid,
    dass Du eine echte Rampensau sein kannst, kann ich mir sehr gut vorstellen. Dass Du gerade in der Reha weilst, habe ich aus einem Kommentar erfahren. Ich habe so viel verpaßt. Es tut mir leid.
    Ich wünsche Dir baldige Genesung
    Lieben Gruß
    Katala

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  10. Liebe Astrid,
    ich bin wieder da und dachte ich melde mich mal bei dir. Hoffe es geht dir soweit gut. Habe vorhin gelesen, dass du in der Reha bist und wünsche dir da eine schöne Zeit und erhole dich gut.

    Ganz liebe Grüße,
    Sandra.

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  11. eigentlich eine typische musik-sozialisation deiner generation und region :-)
    nur dass du eine "rampensau" bist hat mich überrascht!
    bei mir sitzt die musik im körper - ich hab zwar ein gehör, das einen falschen ton auch in unbekannten stücken bemerkt - aber stimme oder instrument funktioniert bei nicht. nur tanzen.....
    xxx

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  12. liebe astrid,
    was für ein großartiges thema. wenn das mal kein anreiz für mich ist, die sommerpause bald abzubrechen. da werde ich mir sehrsehr gerne auch etwas zu ausdenken. einige parallelen konnte ich bei uns nach deinen fakten schon wieder entdecken. immer wieder spannend. und ich fühle mich sehr geehrt, dass ich die inspirationsquelle bin ;)
    liebe grüße und weiterhin viel kraft für deine reha!
    jule*

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  13. ...das ist wieder ein Thema, liebe Astrid,
    dass mich sofort in Erinnerungen versinken lässt...und schon fliegen Liedfetzen durch meinen Kopf...mal sehen, ob ich das in einen Post bringen kann...schön, so wieder ein bisschen mehr von dir zu erfahren,

    liebe Grüße Birgitt

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  14. Cool!
    :D
    Ferienprogramm zur Rekonvaleszenz das passt und mich auf andere Gedanken bringt! - Du hast Dich nicht mit meiner Familie abgesprochen damit ich beschäftigt bin, oder? ;-)
    Schön, dass ich mit meiner Buchfundsache für eine kleine Überraschung in Deinem Reha-Alltag sorgen konnte.
    Jetzt schauen wir erst einmal wieder fit zu werden! Danke für Deinen lieben Kommentar auf meinem Blog.
    Viele liebe Grüße,
    Karin

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  15. hallo astrid,
    das ist aber auch ein tolles thema, da klinke ich gerne ein, wenn ich darf.
    ich hoffe, dass ich mit 16 fakten auch fertig werden. :-))

    In den Clubs der GIs durfte ich nicht, zu jung, obwohl meine Schwester einen amerikanischen Soldaten zum Freund hatte, den sie auch geheiratet hat.

    Ein toller Post

    Lieben Gruß Eva

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  16. Alles Gute für die Reha, meine Schwester hat auch eine neue Hüfte bekommen und ist im Schwarzwald zur Reha in Bad Liebenzell.
    Aber es geht so langsam auch aufwärts.

    Lieben Gruß Eva

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  17. Eine Rampensau.... da musste ich jetzt echt schmunzeln..... Ja wenn die Musil und das drumherum passt, kann man echt abgehen, das geht mir auch so. Buena Vista Social Club liebe ich auch sehr, überhaupt die Richtung Südamerika. Oper und eigentlich klassischer Musik, kann ich eher nicht so viel abgewinnen, dann sogar schon lieber die ganz neuen Sachen wie HipHop.... ich denke da haben mich die Kinder angesteckt....lach.... Straßenmusik finde ich allerdings auch klasse... wie in den Videos oben :)
    Drück dich lieb und hab einen schönen Tag
    Christel

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  18. So kurzweilig zu lesen ist dein Bericht deines bewegten Musik-Lebens, in vielen dieser Phasen hab ich mich natürlich auch wieder gefunden. Am liebsten würde ich ja jeden link anklicken, aber ich will noch etwas schaffen. Wartet ja auch schon wieder eine neue Frauen-Geschichte darauf, studiert zu werden...
    Liebe Grüße Ulrike

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  19. Oh ja da hast Du ja eine wild-bewegte Musikgeschichte mit in die Wiege gelegt bekommen - ich habe gerne Deine Erinnerungen gelesen und auch bei vielen Filmen geklickt (die schönste Erinnerung ist der Syrtaki - mein Vater liebte den Film, das Lied und Anthony Quinn ;-).
    Ich liebe Musik - bin aber selbst total unmusikalisch, aber dennoch habe ich etwas für Dein tolles Thema gefunden. Ich hoffe es ist in Ordnung, auch wenn der Beitrag schon älter ist, aber für mich immer noch aktuell.
    Einen schönen Tag und liebe Grüße
    Kirsi

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  20. Ahhh... Musik. Schön!
    Rampensau... na geh... das überrascht mich jetzt nicht. Nicht immer, aber wenns passt...

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  21. Ich höre heute leider kaum Musik. Mir ist nur im Auto danach. Allerdings höre ich den ganzen Tag Radio in der Praxis. Zum Glück einen Sender der viel viel Musik bunt durch alle Jahrzehnte spielt.
    Liebe Grüße Tina

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  22. liebe astrid, danke für dieses thema! es hat richtig spass gemacht, mich ein wenig mit meiner 'musikgeschichte' auseinanderzusetzen und es macht lust, wieder mal was neues zu entdecken!
    ♥ monika

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  23. sooo
    jetzt habe ich es auch einmal geschafft ;)
    hätte gar nicht gedacht dsas ich so viel zu dem Thema zu schreiben habe
    deine musikalische Biografie liest sich beeindruckend
    liebe Grüße
    Rosi

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Der Kommentar ist für den Blogger wie der Applaus im Theater - also: worauf wartest du?

Aber bitte nicht vollkommen anonym - ein Name ist erwünscht! Und ein gewisses Maß an Herzensbildung auch - ansonsten schalte ich den Kommentar nicht mehr frei. Das kann auch schon mal dauern - dann bin ich vom Schreiben neuer Posts gefesselt!

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