Freitag, 1. April 2016

Raif Badawi heißt heute Alaa Brinji



... denn das ist der Name eines weiteren saudi-arabischen  Journalisten, dessen in dieser Woche bekannt gewordener Fall Parallelen zu dem Raif Badawis aufweist.

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Alaa Brinji ist in seinem Heimatland zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt worden ist. Er soll das Königshaus beleidigt, die Öffentlichkeit aufgewiegelt  und - nach Auffassung der Richter des Specialized Criminal Court in Riyadh - islamische Religionsfiguren lächerlich gemacht und den Sicherheitskräften seines Landes vorgeworfen haben, im Osten Demonstranten getötet zu haben. Dafür ist er zusätzlich zur Gefängnisstrafe noch zu einer Geldstrafe von umgerechnet etwa 12.000 Euro und einer achtjährigen Reisesperre verurteilt worden. Ein Verteidiger wurde ihm nicht zugestanden.

Brinji, der für mehrere saudi-arabische Zeitungen gearbeitet und auf Twitter geschrieben hat, wurde im Mai 2014 festgenommen & befindet sich seitdem in Gewahrsam.

Das alles teilte Amnesty international unter Berufung auf eine mit dem Fall vertraute Person mit. Vertreter des saudi-arabischen Justizministeriums waren gegenüber Amnesty für eine Stellungnahme zu diesem  weiteren Fall der Missachtung des Menschenrechts auf freie Meinungsäußerung nicht zu erreichen.

Wer auch in diesem Falle einen Brief an den saudischen König schreiben möchte, findet hier einen Musterbrief ( etwas weiter nach unten scrollen - es ist der siebte! ).


Letzte Woche berichtete ich von dem im englischsprachigen Fernsehen gezeigten Dokumentarfilm über den Alltag in Saudi - Arabien, der dort für sehr große Entrüstung gesorgt hat.

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Inzwischen wurde in England berichtet, dass die saudischen Behörden damit gedroht haben sollen, Loujain al-Hathloul zu töten, eine saudische Frauenrechtsaktivistin, die im Film zu Wort gekommen ist. Loujain al-Hathloul selbst äußert sich in ihrem Blog kritisch zum Film und bezeichnet ihn als "an unbalanced documentary". Und weiter: "Sure, some violations occur in the Kingdom every now and then, but that does not give anyone the right to portray them as normal daily practices that always happen or that they are the only scenes that accurately depict the current situation in Saudi Arabia." 

Die Reportage ist eine gemeinsame Produktion der britischen ITV und dem amerikanischen öffentlich rechtlichen Sender PBS.


Saudi - Arabien selbst, genauer gesagt seine Regierung, gibt übrigens Unmengen von Geld für Werbe- und PR-Kampagnen aus, um das Bild des Landes in der westlichen Welt aufzupolieren und sich in ein Licht zu rücken, dass dem Land nicht zusteht: Denn die dort herrschende Ideologie der dominierenden Wahabiten unterscheidet sich kaum von der des sogenannten Islamischen Staates, wie es dieser über die Kanäle der social media verbreitet. Sein menschenverachtendes und mörderisches Gedankengut kommt vom Wahabismus, und die radikale und intolerante Ideologie wird mit Millionen Dollar des saudischen Regimes auf der ganzen Welt in den sunnitischen Gemeinden verbreitet ( ich verweise noch einmal auf meinen letzten Post zur Sachlage in Belgien ). Die Behauptung der Mächtigen in SA, sie bekämpften den Terrorismus, wird von der Realität konterkariert, denn im Jemen oder Syrien werden die schiitischen Minderheiten bekämpft und im eigenen Land die Opposition. Mehr Scheinheiligkeit geht nicht, und unsere Politiker ziehen dabei mit...



Kommentare:

  1. Danke fürs Recherchieren, liebe Astrid. Deinen Post vom letzten Mal hatte ich zwar gelesen, aber dann unkommentiert wieder verlassen... Es kommt einem alles so wahnsinnig vor, so unglaublich und irgendwie so ausweglos, wenn man die offiziellen Verlautbarungen und Beruhigungspillen sieht. Und dann kommt noch dazu: wen interessiert es eigentlich wirklich. Dabei ist nun soviel doch eigentlich dicht genug herangerückt. Liebe Grüße ins Wochenende Ghislana

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  2. "folge der spur des geldes......"
    geld und macht - nur darum geht es. deswegen machen die westlichen politiker ja auch nichts gegen die menschenrechtsverletzungen in saudi-arabien, tibet oder russland. und die bürger? die fahren mittlerweile per pauschalreise nach lhasa. weil sie können sich das ja leisten. warum? weil sie - meistens über 3 ecken - in einer firma arbeiten die mit genau solchen ländern dicke geschäfte macht oder irgendwas mit waffen zu tun hat. wenn man mal alle solche firmen dichtmachen müsste weil man wirklich was gegen krieg und menschenrechtsverletzungen tun will - dann müssten sich sehr viele ihren rotwein bei aldi holen statt im edlen weinladen im gentrifizierten szeneviertel......
    bin ich garstig?? gerne ;-)
    dir alles liebe! xxxxx

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  3. es ist schon unglaublich. all das ist bekannt und unsere politiker sind auch eher mit edlen getränken (danke an beate für ihren garstigen kommentar!) beschäftigt als mit der realität, bzw. mischen dort noch kräftig üble mixgetränke mit.
    lg, mano

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  4. "Mehr Scheinheiligkeit geht nicht, und unsere Politiker ziehen dabei mit..."
    Ohja, besser kann man es nicht sagen, damit erübrigt es sich weiter auf die Pauke zu hauen.
    Wünsche dir ein schönes Frühlingswochenende :-)

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