Freitag, 30. Oktober 2015

Raif Badawi, no flogging today!


"Finally No Flogging For #RaifBadawi Today. Please Support Raif Badawi Foundation For Freedom @RBFF_FRBL", twitterte die Ehefrau von Raif Badawi heute um halb zwei. 


"Gott sei Dank" entschlüpfte mir da nach einiger Anspannung den ganzen Vormittag lang, denn am Dienstag vermeldete Ensaf Haidar, dass sie aus einer "informierten Quelle" in S.A. erfahren habe, dass es grünes Licht für eine erneute Auspeitschung ihres Mannes gegeben habe.

Haidar appellierte über die Deutsche Welle erneut an den saudischen König Salman, das Martyrium ihres Mannes zu beenden und ihn zu begnadigen. Sie sei erstaunt über die geplante Wiederaufnahme der Auspeitschungen, da der Fall Badawi noch vor dem Obersten Gericht in Saudi-Arabien liege.

Source

Raif Badawi ist gestern mit dem diesjährigen Sacharow-Preis des Europaparlaments ausgezeichnet worden. Der nach dem verstorbenen russischen Dissidenten und Physiker Andrej Sacharow benannte Preis wird vom Europaparlament seit 1988 an Persönlichkeiten oder Organisationen verliehen, die sich für Menschenrechte, Demokratie und Meinungsfreiheit einsetzen.

Ulrike Lunacek, Vizepräsidentin des Europäischen Parlaments und Delegationsleiterin der österreichischen Grünen, sowie weitere Abgeordnete des EU - Parlamentes hatten vergangene Woche zu einer Solidaritätslesung aus Badawis Buch „1.000 Peitschenhiebe. Weil ich sage, was ich denke“ aus Anlass seiner Aufnahme in die Shortlist des Preises ins Parlament in Brüssel geladen. Ulrike Lunaceks Einsatz für Badawi bzw. den der österreichischen Grünen finde ich auffällig & erwähnenswert. Ihre Begründung:
„Denn auch wenn die Justiz und die Regierung seines Landes das nicht akzeptieren will: Badawi ist ein Gewissensgefangener. Das sieht die große Mehrheit des Europaparlaments so und hat deswegen bereits im Februar dieses Jahres für eine Resolution zur verheerenden Menschenrechtslage in Saudi-Arabien und für die Freilassung des Bloggers gestimmt. Die Resolution fordert Saudi-Arabien auf, Badawi und andere politische Gefangene, u.a. Badawis Anwalt Waleed Abu al-Khair, sofort freizulassen. Diese Resolution ist aber auch ein Aufruf, die Beziehungen zwischen Saudi-Arabien und der EU und ihren Mitgliedsstaaten generell zu überdenken. Ein Land, das einen jungen Blogger öffentlich foltert und die Menschen- und Frauenrechte systematisch mit Füßen tritt, darf nicht weiter als Stabilitätsanker oder verlässlicher Handelspartner gesehen werden. Außenpolitik, Handel und Menschenrechte gehören endlich gemeinsam gedacht.“ ( Quelle hier )

Lunacek hat auch zusammen mit der österreichischen Grünen-Chefin Eva Glawischnig Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ) und Außenminister Sebastian Kurz (ÖVP) aufgefordert "dringend, Kontakt zum saudischen König und zum saudischen Innenminister herzustellen und unmissverständlich dafür einzutreten, dass diese Folterungen - und auch deren Androhung - ein Ende haben“. Der saudi-arabische Außenminister Adel al-Jubeir ist heute in Wien, um an der Syrien-Konferenz teilzunehmen, bei der sich die Außenminister der Länder, die im syrischen Bürgerkrieg mitmischen, beraten. 


Schockierend fand ich in der vergangenen Woche auch die Bestätigung des Todesurteil für den schiitischen Geistlichen Scheich Nimr al-Nimr. Dessen Schicksal liegt nun einzig in der Hand von König Salman, der die Hinrichtung aussetzen könnte.
Diese Entscheidung lässt auch das Schlimmste für seinen 20jährigen Neffen Ali Mohammed al- Nimr befürchten, über dessen Schicksal ich schon hier und hier gepostet habe.


Eine historische Einordnung der Entwicklung des Islam in den vergangenen 36 Jahren ( nach der Besetzung der Großen Moschee 1979 ) zu seiner heute konstatierbaren radikal - fundamentalistischen Form veröffentlichte in der vergangenen Woche meine Tageszeitung, der leider nicht online zu lesen ist. Für mich wieder eine sehr erhellende Lektüre, die mir allzu deutlich gemacht hat, warum es für den wahabitisch - salafistisch geprägten Islam Saudi- Arabiens keinen Grund gibt, nur ein Jota abzuweichen vom derzeitigen Verhalten. Deprimierend...


Kommentare:

  1. Den Preis finde ich wunderbar...ein schönes, solidarisches Zeichen! Deprimierend ist so manches...zum Beispiel auch DAS hier...Es nützt nicht nur, wenn WIR tolerant sind...Liebe Grüße.

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    1. Nein, wir müssen auch was TUN und unsere Werte nicht immer nur beschwören! Das ist nämlich Schwäche ...
      LG

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  2. Es ist ein Wahnsinn! Mir fãllt nichts Anderes mehr dazu ein!
    Da werden diese Hüter des finsteren Mittelalters vom Westen hofiert, und es ist fraglich, ob die wenigen Aufrechten erreichen, dass Badawi freigelassen wird und zur Preisverleihung kommen kann. Ich befürchte: Nein, und hoffe : Ja.
    Danke, dass du uns immer auf den Stand der Dinge bringst, gerade wenn sein Schicksal nicht groß durch die Medien geht.
    LG, und gute Besserung dir,
    Monika

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  3. Danke für deine Posts über diese Themen. Ich lese sie immer, werde danach etwas traurig über die Welt und einige Menschen und lasse mich dann vom Lachen meines Fräuleins wieder aufmuntern... ein Sonnenstrahl der Zukunft.

    Ganz herzliche Größe
    Martina

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  4. Liebe Astrid,
    die Menschen werden immer kaltherziger. Ich mag all diese fanatischen Religionen absolut nicht.
    Ich wünsche dir ein schönes Herbstwochenende,
    liebe Grüße,
    Christine

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  5. eine starker text von frau lunacek! unseren politiker sollte man ihn direkt vor die nase halten!
    lg, mano

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  6. Wahrscheinlich wiederhole ich mich, aber es geht nur um Öl, Waffen und Geld, auch in Syrien (Erdöl bei Mossul). Daran sind Amerikaner und Russen interessiert, die normalerweise dort nichts zu suchen haben. Aber leider wird darüber auch wenig geredet ...
    LG, Ingrid

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  7. danke, liebe astrid!
    wenn ich da an die letzten wahlen in der schweiz und in meiner gegend denke... da habe ich wenig hoffnung auf eine bessere welt...
    ♥ monika

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  8. "Außenpolitik, Handel und Menschenrechte gehören endlich gemeinsam gedacht." Dem ist nichts hinzuzufügen. Hab' einmal mehr herzlichen Dank für deine Bemühungen der Dokumentation! Auch mich hatte der Post in Schrecken versetzt, dass die Auspeitschung fortgesetzt werden sollte...

    Herzlichst
    Steffi

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