Donnerstag, 12. Februar 2015

Great Women # 12: Joan Mitchell


Barbara/barbarabee hat seinerzeit den Anstoß für diese Reihe geben und donnerstags in ihrem Blog bemerkenswerte Frauen in Wort und Bild vorgestellt. Da mochte ich mich gerne anschließen, denn es ist eines meiner Lebensthemen.....

Die Künstlerin, die ich heute vorstellen möchte, wird in diesem Jahr im Kölner Museum Ludwig mit einer großen Retrospektive geehrt werden ( in Kooperation mit der Joan Mitchell Foundation New York und dem Kunsthaus Bregenz ).

Darauf freue ich mich schon sehr, denn sie ist eine bedeutende Vertreterin des Abstrakten Expressionismus, aber nach wie vor viel weniger bekannt als ihre männlichen Malerkollegen Jackson Pollock, Franz Kline oder Willem de Kooning - ein Umstand, den sie mit anderen Malerinnen ( nicht nur ) ihrer Generation teilt....


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Ich rede von Joan Mitchell, die heute ihren 90. Geburtstag hätte.

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Joan Mitchell wird am 12. Februar 1925 in Chicago/ Illinois als Tochter des Arztes James Herbert Mitchell und der Marion Strobel, einer Autorin von Gedichten und Kurzgeschichten, geboren. Die Eltern fördern ihre kulturellen Interessen, der Vater lässt die Tochter aber auch spüren, dass er lieber einen Sohn gehabt hätte. 
Seine Förderung ist auch immer verbunden mit der Erwartung von Höchstleistungen: "Du wirst nie so gut französisch sprechen wie ich. Du kannst nicht so gut zeichnen wie ich. Du kannst überhaupt nichts so gut wie ich – weil du eben eine Frau bist.", so erinnert sich Joan Mitchell später an den Vater, der die Überlegenheit des männlichen Geschlechts immer wieder betont.

Ihr Kunstlehrer hingegen macht ihr Mut, ihre Talente zu entfalten und zu nutzen. Sie studiert aber zuerst Anglistik und Kunstgeschichte, um dann 1944 an das Art Institute of Chicago zu wechseln. ( Dieses Studium schließt sie 1949 dort mit dem Bachelor of Fine Arts ab. )

1946
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1947 geht sie nach New York, wo sie zeitweilig Unterricht bei dem Mal- Lehrer vieler Maler der New York School, Hans Hofmann, hat. Bei ihm lernt sie die oben genannten männlichen Vertreter des Abstrakten Expressionismus kennen.

1952
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1948 reist Joan nach Italien, Spanien und Frankreich. In Le Lavandou lernt sie Gemälde von Paul Cézanne kennen und beginnt, ihren Malstil unter diesem Einfluss zu ändern. Dort heiratet sie 1949 auch Barney Rosset, mit dem sie zuvor schon in New York gelebt hat und kehrt mit ihm zusammen nach New York zurück. ( Die Ehe wird 1952 wieder geschieden. )

Joan Mitchell spielt eine Rolle in der dortigen Kunstszene, der New York School, wahrt aber auch ihren eigenen Stil, der als "Lyrischer Abstrakter Expressionismus" charakterisiert wird. Sie gilt damals schon als bedeutende Malerin, die an legendären Ausstellungen beteiligt ist. Nebenher studiert sie weiterhin Kunstgeschichte und Französisch.

1956
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Ab 1955 verbringt sie die Wintermonate meist in New York und die Sommermonate in Paris, wo sich inzwischen mehrere amerikanische Künstler angesiedelt haben. 1959 zieht sie endgültig nach Paris zu dem kanadischen Maler Jean-Paul Riopelle, mit dem sie bis 1979 zusammenleben wird. In diesem Jahr ist sie auch auf der Dokumenta II in Kassel vertreten.

1957 mit Riopelle
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"Ladybug" 1957
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Schon 1960 erhält sie ihre ersten Einzelausstellungen in Mailand, Paris und München. 1961 wird das Bild "Ladybug" vom Museum of Modern Art, New York, gekauft.


Untiteld 1961
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Nach dem Krebstod der Mutter 1967 kauft sie vom Erbe ein Haus in Vétheuil (Val-d’Oise in der Île-de-France), auf einem Hügel oberhalb des Gartenhauses, das einst Claude Monet bewohnt hatte. Dort wird sie dauerhaft bis an ihr Lebensende leben. Regelmäßig reist sie aber auch nach New York.


Der Garten in Vétheuil
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"Heel, Sit, Stay", 1977
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Nach der Trennung von Riopelle 1979 malt sie ihr größtes Bild, "La vie en rose":


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1982 stirbt ihre Schwester Sally nach langer Krebserkrankung, mit der Joan eine enge Beziehung hatte. Im gleichen Jahr hat sie als erste Amerikanerin eine Einzelausstellung im Musée d’Art Moderne de la Ville de Paris. "La Grande Vallée XIV (For a Little While) " entsteht 1983 und ist im Centre Pompidou in Paris zu sehen:


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1984 wird auch bei Joan Kieferkrebs diagnostiziert.

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Im letzten Jahrzehnt ihres Lebens malt sie große Zyklen, wie "La Grande Vallée" ( weiter oben ) und konzentriert sich schließlich nach ihrer Operation auf die Pastellmalerei ( Beispiele). Die monumentalen Gemälde von 1990-91 (Sunflowers und Trees) zeigen ein gesteigertes Freiheitsgefühl und die frische, spontane Energie, die Mitchells Spätwerk auszeichnen.

"Trees 1" 1990/91
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1992 wird dann während eines Aufenthaltes in New York festgestellt, dass auch ihre Lunge vom Krebs befallen ist.

1992
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Am 30. Oktober stirbt Joan Mitchell im Alter von 66 Jahren in einem Krankenhaus in Paris.

1993 wird die Joan Mitchell Foundation gegründet, die als Ziel hat Malern und Bildhauern bei ihrer Arbeit zu unterstützen.

Untiteld, 1992
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In einem Interview erklärte Joan Mitchell ihre Malerei einmal so: "Meine Bilder handeln von einem Gefühl, das mich von außen, aus der Landschaft heraus, überkommt. … Die Natur möchte ich lieber sich selbst überlassen. Sie ist schön genug so, wie sie ist. Ich will sie nicht verbessern. … Ich wäre bestimmt nie dazu imstande, sie abzubilden. Ich male lieber das, was sie in mir hinterlässt." Ihre Person sollte ganz hinter den Bildern zurücktreten, und sie verstand sie nicht als Spiegel ihrer Gefühlswelt. Sie war eine Person, die sich enorm zurücknehmen konnte. Als Begründung gab sie an: "Ich hatte es leichter, weil ich nie auch nur auf die Idee gekommen bin, mich mit den ganz Großen messen zu können – schließlich war ich eine Frau."


Bei aller Bescheidenheit: Ich finde ihre Bilder ganz großartig.







Übrigens sehen wir uns heute um 17 Uhr noch einmal bei "12 von 12" mit diesem besonderen rheinischen Feiertag: Weiberfastnacht. Passt doch ?!

Kommentare:

  1. Das Bild "Ladybug" würde ich mir sofort ins Haus hängen...aber ich vermute, ich werde es mir nicht leisten können...;-). Danke wieder für dieses wunderbare Frauenportrait! Viel Spaß bei der Weiberfastnacht! LG Lotta.

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  2. auf dem ersten blick sehen die werke von Joan wie kritzeleien aber gleich spürt man etwas ganz sinnliches *des sentiments profonds*

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  3. ich bin wie lotta , auch mir gefällt das gleiche bild am besten.. wieder eine frau die ich nicht kenne, im licht durch dich... merci

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  4. Sehr interessant deine Ausführungen, liebe Astrid. Mir sagen die Bildaufträge der Künstlerin sehr zu. Ihre Ansichten zu ihrer Malerei zu erfahren ist bemerkenswert. "Ich male lieber das, was sie in mir hinterlässt." Gefällt mir gut, lieber das zum Ausdruck bringen zu wollen, was in einem selbst ausgelöst wird, als ein ebenmäßiges Abziehbild der Realtität wieder zu geben. Spannend! Vielen Dank auch für diesen Beitrag! Liebe Grüße zu dir.

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  5. Die Bilder sind wirklich ansprechend! Am letzten Wohnort von Joan Mitchell war ich schon drei mal, ohne dass mir bewusst gewesen wäre, dass sie in dieser wunderschönen Gegend gelebt hat. Vielen Dank für deine tolle Reihe hier auf dem Blog! Und danke für den Hinweis auf 12 von 12. Ich hätte es schon wieder vergessen, dabei gibt es heute sicher das ein oder andere zu fotografieren. :-)

    Kölle Alaaf!!!

    Jecke Grüße rheinaufwärts
    Steffi

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  6. dann hab ich ja einen guten grund, ende des jahres nach köln zu kommen!! ich bin ein großer fan von joan mitchell, hab aber bisher nur ganz wenige ihrer werke im original gesehn.
    danke für diesen tollen beitrag und herzliche grüße,
    mano

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  7. Wie immer eine gelungene Vorstellung Astrid, ich hätte auch ein oder zwei Plätze frei. Ich mag diese starken Kontraste in den Farben, die dann aber doch zusammen passen. Viele Grüße, ich freu mich schon auf die nächste Great Women.
    Christin

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  8. Danke für die tolle Vorstellung einer Künstlerin, die ich noch nicht kannte. Mir gefallen ihre Bilder und die Stimmungen, die dabei herüber schwingen. Das Bild "Heel, Sit, Stay" ist heute mein Favorit. Zum einen, weil mir beim Anschauen sofort Schwertlilien in den Sinn kommen. So schön! Und der Name - Heel, sit, stay sind doch die Anweisungen für den englisch erzogenen Lockenhund - Bei Fuß, sitz, bleib! Mrs Mitchell könnte es mir gewiss erklären, was ihr da durch den Sinn ging ;-) Auf jeden Fall eine positive fröhliche Stimmung!
    Liebe Grüße
    Andrea

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  9. Ich mag deine Frauenreihe... Immer wieder sehr interessant und lesenswert. Danke!

    Lg Verena

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  10. Danke für wieder mal einen weiteren Beitrag zu "unserer" Reihe. Ich war ja entsetzt über das Gebahren ihres Vaters, schon unglaublich, wie überheblich sich doch das männliche Geschlecht lange Zeit ungehindert aufführen konnte und leider heute immer noch versucht.
    Aber man sieht an Joan, daß so viel Ausdruckskraft seinen Weg sucht, was für kraftvolle Werke, vielleicht kommt dann nicht nur mano noch Köln....
    So in echt und in groß sind sie bestimmt unglaublich beeindruckend!
    Ach ja mit Patti Smith ging es mir nicht darum, daß man die Musik mögen muß oder damals gehört haben muß, ich finde es ist einfach eine bemerkenswerte Frau und eben Stilgebend, obs einem nun gefällt oder nicht.
    Liebe Grüße, wie ich sehe schon voll im Faschingsfieber : )
    barbara bee

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  11. Wunderbare Reihe, wunderbares Porträt! Joan Mitchell war eine faszinierende Frau, die wirklich Besonderes geschaffen hat. Danke an sie, an dich und liebe Grüße, Ulli

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  12. Oh, diese Bilder mag ich sehr, sie war mir schon ab und an begegnet, aber so eine Zusammenfassung ist was Feines. "Ich male lieber das, was sie in mir hinterlässt." - Großartig diese Sicht! (Diesen Post habe ich mir bis heute übrigbehalten, für Zeiten klareren Geisteszustands, die nun wieder eingetreten scheinen...). Lieben Gruß Ghislana

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  13. Liebe Astrid,
    danke für diese Reihe, ich werde sie nach und nach lesen, find ich faszinierend und wunderbar, dass du recherchierst und so tolle Porträts gemacht hast! Mir gefällt Untiteled 61 am besten, wobei es ja nicht darauf ankommt, aber wir sind halt einfach so, wir schauen gleich, ob wir uns das eine oder andere Bild selbst aufhängen würden, oder? Jedenfalls würde ich mir eine Ausstellung dieser Künstlerin auf diesen Post hin gerne anschauen!
    Liebe Grüße aus Wien
    Elisabeth

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  14. Hallo Astrid,
    wieder ausgezeichnet beschrieben ... hatte ich anfangs verwechselt mit der Sängerin "Jony Mitchell". Bislang habe ich weder sie, noch ihre Bilder gekannt. Einige Bilder gefallen mir, während mir dieser abstraktere, oberflächlicher aussehende Stil weniger gefällt.

    Gruß Dieter

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  15. Hallo liebe Astrid,
    besser spät als nie lese ich gerade Deinen Beitrag über Joan Mitchell.
    Du hast Ihr Leben unglaublich gut zusammengefasst und damit eine Bildungslücke bei mir geschlossen, denn auch ich kenne besser Joni Mitchell.
    Die Kunstwerke gefallen mir sehr, denn sie sind "aus dem Bauch heraus" entstanden. Die Farbkompositionen sprechen mich sehr an.
    Viele liebe Grüße, Synnöve

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