Dienstag, 22. Januar 2013

Frankreich und ich



Foto: Archiv des General - Anzeigers Bonn


Dieses Bild: Charles De Gaulle, der französische Ministerpräsident, und Bundeskanzler Konrad Adenauer im offenen Wagen stehend, fahren die Koblenzer Straße entlang in Richtung Bonner Rathaus - es wird für immer in meinem Gedächtnis bleiben, denn ich stand, 10jährig, winkend mit einem Fähnchen mit vielen anderen Menschen an jenem 4. September 1962 am Straßenrand.

Was dieser Besuch bedeutete, war mir schon in diesem jugendlichen Alter bewusst:

Mein Großvater, den ich selbst nicht mehr kennengelernt hatte, hatte als 43jähriger Vater von sechs Kindern am 1. Weltkrieg gegen Frankreich teilnehmen müssen, in Verdun gekämpft, überlebt & war zu der Überzeugung gekommen, dass diese Erzfeindschaft nicht nachvollziehbar, gar hirnrissig & vollkommen überflüssig sei. In diesem Sinne beeinflusste er auch seine Söhne, musste aber nicht mehr miterleben, dass diese 1939 anderen Autoritäten mehr glaubten als ihm, denn er starb vor Beginn des 2. Weltkrieges. Doch nach den Erfahrungen, die mein Vater in diesem gemacht hatte, gewannen die politischen Anschauungen seines Vaters auch für ihn wieder an Bedeutung & in diesem Sinne erzog er uns.

Mein positives Verhältnis zu unserem Nachbarn wurde auch nicht dadurch getrübt, als ich mit nur sehr mässigem Erfolg in der Schule ihre Sprache lernte ( was eher an der unfähigen Lehrerin lag & meinem pubertären Aufbegehren geschuldet war ). 
Mein erster Parisbesuch war überwältigend, und bis heute ist Paris die europäische Hauptstadt, die ich am häufigsten besucht & ausdauerndsten erlaufen habe, und die auf meiner Städte - Rankingliste unangefochten bis heute den ersten Platz belegt.

1980 besuchte ich zum ersten Mal die Provence, die ab 1986 unser jährliches Sommerreiseziel wurde. Die Liebe zu Land & Leuten übertrug sich auch auf meine Tochter, die damals sogar ihre Freundin beneidete, weil diese als zweite Fremdsprache Französisch lernen durfte ( denn wir bestanden auf Latein ). Als sie Französisch dann endlich als dritte Fremdsprache erlernen konnte, legte sie richtig los, es folgte ein Austausch mit Besançon, und alles endete schließlich in einem Romanistikstudium. Doch vorher, als Schülerin noch, traf sie sich wöchentlich mit anderen Frankophilen & "echten" Franzosen zum sprachlichen Austausch in einer deutsch - französischen Gruppe. Dort lernte sie die Liebe ihres Lebens kennen, ja,  und mit diesem jungen Franzosen ( einem echten Schwiegermuttertraum ) ist sie seit 2009 verheiratet, und  die beiden machten mich 2010 zur Oma einer kleinen Mademoiselle. 

Kein Wunder, dass mir heute die Berichte in den Medien über den Deutsch - Französischen Vertrag, der vor 50 Jahren geschlossen worden war, ein bisschen die Tränen in die Augen treiben, oder? Für mich und meine Familie hat dieser Vertrag, diese Freundschaft,  eine sehr große, auch persönliche Bedeutung....

Es lebe die Deutsch- Französische Freundschaft ( wenn ich es doch mit so einem herrlichen Akzent wie De Gaulle sagen könnte )! Vive l'amitié franco - allemande!
Astrid


Nachtrag: Und wer Zeit & Interesse hat, höre sich die mitreißende Rede De Gaulles  von 1962auf youtube an...

Kommentare:

  1. Wie schön!
    Ich liebe Frankreich auch...

    Liebe Grüße
    Simone

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  2. Frankreich ist ein wunderbares Land - leider habe ich auch 10 Jahre (erst Schule und dann Studium) mit der Sprache "rumgeschlagen". Mit maessigem Erfolg! Verstehen tue ich zwar eniniges, aber sprechen? Das geht gar nicht!! :)
    Liebe Gruesse, Kristina

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  3. ...wie schön, dass ich per zufall deinen schönen blog entdeckt habe.ich bin ganz verzückt von deiner schreibweise ♥ lg tina

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    1. Danke, Tina! Mein Schreiben ist eher selten von Interesse bei den Kommentatorinnen ;-) Dabei mach ich das mindestens genauso gerne wie nähen...
      Ganz liebe Grüße!

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  4. Was für ein schöner Post zur deutsch-französischen Freundschaft! :-) Deine Tochter war nicht zufällig auf DER Bonner Mädchenschule, die einen Austausch mit Besancon hat? ;) Wenn ja, dann waren wir auf derselben Schule, nur habe ich leider damals nicht am Frankreich-Austausch teilgenommen. Geschadet hat es trotzdem nicht, meinen Weg hierher habe ich trotzdem gefunden. Solltest du mal wieder in Paris sein, melde dich gerne, dann plauschen wir ein wenig über das Rheinland und die Stadt der Liebe und das Nähen und die Freundschaft. :-)

    Alles Liebe aus deiner Nummer-1-Stadt,
    Steffi

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  5. Ein sehr schöner Post zur deutsch-französischen Freundschaft !

    Gruß Dieter

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