Sonntag, 28. Dezember 2025

Mein Freund, der Baum: Jahresrückblick/ Eibe


Elf Baumposts habe ich im zu Ende gehenden Jahr im Blog publiziert, 
neun Bäume vorgestellt, darunter sechs neue, 
und zusätzlich einiges zum Thema geschrieben. 
Ich möchte mehr, aber so viele neue Bäume kann ich leider nicht mehr finden, 
das ist eher Zufall überlassen.


Diese Eibe mit ihren leuchtenden Früchten im November auf dem Friedhof entdeckt, 
hat mich animiert, meinen Posts von 2018 erneut zu publizieren:

Die Europäische Eibe Taxus baccata, auch Gemeine Eibe oder nur Eibe genannt, Baum des Jahres 1994, ist die einzige Variante der Pflanzengattung Taxaceae bei uns in Europa. Eiben gab es schon vor der letzten Eiszeit in unseren Breiten. Damit ist sie eine Besonderheit, denn die meisten anderen für unsere Klimazone typischen Bäume tauchten erst auf, als das Klima wieder milder geworden war. Die Härte gegenüber klimatischen Widrigkeiten ist typisch für die Eibe, die robust & extrem stark ist. Sie kann auch sehr alt werden. Insgesamt kommen auf der Nordhalbkugel unserer Erde - und nur dort - acht bis zehn verschiedene Arten der Eibe vor.


Als Deutschlands älteste Eibe gilt die Hintersteiner Eibe im Allgäu, deren Alter auf ca. 2000 Jahre geschätzt wird. Sie hat einen Stammdurchmesser von etwa einem Meter. In Münchshagen bei Rostock steht eine Eibe, deren Alter auf 1500 Jahre geschätzt wird, und das Exemplar neben der Kirche in Wietmarschen bei Bentheim/ Niedersachsen wurde bereits 1152 bei der Erbauung der Stiftskirche urkundlich erwähnt ( "... neben dem hiligen Ibenbaum" - Ibe ist der alte Name  des Baumes und kommt in etlichen Ortsnamen vor ). 

Von Natur aus ist die Eibe in allen deutschen Bergregionen bis hinauf in eine Höhe von 1400 Metern verbreitet gewesen. Doch sie wurde in der Vergangenheit rigoros abgeholzt, so dass sie nur noch an wenigen Stellen in unserem Land in nennenswerter Zahl zu finden ist und mittlerweile auf die Rote Liste der gefährdeten Arten aufgenommen wurde. 

Einer der größten Eibenwälder Deutschlands mit einer Fläche von 90 Hektar befindet sich heute in der Nähe des Klosters Wessobrunn in Bayern. Im Naturwaldreservat des niedersächsischen Forstamts Bovenden bei Göttingen findet man einen kleineren geschlossenen Eibenbestand von ca. 13 Hektar. Auf der Vorderröhn in der Nähe von Dermbach gibt es einen Bestand von ca. 600 Stämmen ( "Ibengarten" ) sowie größere Gruppen des Baumes wie auch Einzelexemplare im Bodetal im Harz, zwischen Thale und Treseburg. 

Gründe für diesen Schwund in früheren Zeiten gibt es mehrere:

Das Holz der Eibe ist harzfrei, sehr elastisch und zäh, dabei doch sehr dicht und schwer, was auf das sehr langsame Wachstum zurückzuführen ist. Im Spätmittelalter war dieses harte und gleichzeitig elastische Eibenholz für den Bogen- und Armbrustbau sehr gefragt. Besonders in England, der Heimat des Langbogens, war die Nachfrage nach solchen Bögen aus Eibenholz so groß, dass diese über Nürnberg in großen Mengen - quasi ein früher Exportschlager - nach Antwerpen geliefert und von dort weiter verschifft wurden. Für das Jahr 1560 ist alleine die gewaltige Menge von 36 000 Eibenbogen verzeichnet!

Auch als Rohstoff für Musikinstrumente war die Eibe sehr beliebt. So entwickelte sich in der Renaissance Füssen im Allgäu zu einem Zentrum der Lautenmacherkunst, dem u.a. die Eibenwälder entlang des Lechs zum Opfer fielen. Und dann dezimierten schließlich noch die Pferdehalter die Eiben entlang ihrer Fuhrwege, weil schon geringe Mengen der Nadeln oder Rindenstücke des Baumes, einmal gefressen, zum Tod ihrer Pferden führte. Jedenfalls erklärte der Herzog Albrecht von Bayern im 16. Jahrhundert offiziell, dass es keine einzige Eibe in seinem Herrschaftsbereich mehr gäbe.


Die Eibe ist ein immergrüner Nadelbaum, der selten eine Höhe von über 20 Metern erreicht, oft auch nur strauchförmig wächst. 

Typisch für die Eibe ist, dass sie aus mehreren, miteinander verwachsenen Stämmen besteht. Oft wachsen Stockausschläge oder zusätzliche Triebe am Hauptstamm empor, die sich dann eng an ihn anlehnen und mit ihm verwachsen. Die Krone einstämmiger Exemplare bleibt anfangs eher kegelförmig und sieht erst später abgerundet bis kugelig aus mit stark verzweigt Ästen. Stärkere Äste hängen leicht nach unten, zeigen an den Enden dann wieder nach oben. Im Gesamtbild erscheint die Eibe oft sehr ungleichmäßig gewachsen.

Ihr Wurzelsystem ist sehr weitläufig, tiefreichend und dicht. Die Entwicklung dieses Wurzelsystems hat beim Heranwachsen des Baumes Priorität vor dem Dicken- und Höhenwachstum. In Felsregionen ist die Eibe sogar in der Lage, mit ihren Wurzeln in wasserführende Senken und Klüfte zu dringen und sich gleichzeitig mit anderen Wurzeln an den nackten Felsen zu klammern.

Der tiefgefurchte Stamm hat in jungen Jahren eine rötlich - braune glatte Rinde, die später zu einer graubraunen, sich in Schuppen ablösenden Borke wird. Die Nadeln sind etwa 15 bis max. 40 mm lang und 2 bis 3 mm breit, an der Oberseite glänzend dunkelgrün, auf der Unterseite graugrün mit zwei undeutlichen Spaltöffnungsstreifen und relativ weich. Mir kommen sie immer vor - im Vergleich zu den Nadeln anderer Bäume - wie mit der Schere gerade geschnitten.






Die Eibe ist zweihäusig: Männliche und weibliche Blüten befinden sich auf unterschiedlichen Bäumen. 

Die zahlreichen männlichen Blüten haben eine kugelige Form mit einem Durchmesser von etwa 4 mm, die weiblichen sind nur 1 bis 1,5 mm groß, stehen jeweils als Kurztriebe in den Blattachseln jüngerer Zweige und sind auf Grund ihrer grünlichen Farbe unscheinbar ( Blütezeit: März - April ). Die roten Fruchtkörper ( biologisch handelt es sich um einen Samenmantel arillus ) der Eibe sind für Drosseln und andere Federträger ein willkommener Snack - aber Achtung:

Die Eibe ist der einzige bei uns heimische Nadelbaum, bei dem fast alle Teile giftige Alkaloide ( Taxin, Miloxin und Ephedrin ) sowie das Glykosid Taxacatin enthalten. Nur das Fruchtfleisch der leuchtend roten Früchte ist genießbar, die darin "versteckten" Samen enthalten das giftige Taxin. Auch Hasen, Rehe und Rothirsche vertragen dieses Gift,  beim Menschen hingegen führt schon eine geringe Menge zu Atemlähmung und Herzversagen. Auf jeden Fall sollte man den Kern immer ausspucken!


Die Eibe hat Strategien entwickelt, um mit den bei uns vorkommenden wesentlich höheren Buchen, Fichten und Tannen konkurrieren zu können. So verträgt sie mehr Schatten als alle anderen Bäume in Mitteleuropa, und dann kann sie selbst noch aus einem gefällten oder abgebrochenen Stamm neu austreiben. Auch Astteile, die mit dem Boden in Berührung kommen, beginnen Wurzeln zu schlagen. Eine weitere Überlebensstrategie ist die vegetative Vermehrung. Die Tochtergeneration unterscheidet sich dann nicht von der Muttergeneration, sie ist sozusagen ein Klon.

Im Altertum spielte die Eibe im Totenkult sowie als Totenbaum eine Rolle. Auch vor Blitzen und Dämonen sollte sie den Menschen schützen. Bei den Kelten stellte man aus den Früchten ein Gift her, mit dem die Waffen bestrichen wurden. So glaubte auch Cäsar, dass die Germanen, um ihn zu töten, Pfeile mit Saft von Eiben vergiftet hätten. Die Zauberstäbe der Druiden waren ebenfalls aus Eibenholz, in das rituelle Worte eingeritzt wurden, geschnitzt.


Auf dem Höhepunkt des Rokoko kam die Eibe als scharfgeschnittene Formhecke in Mode: Auf Adelssitzen, in Gärten und auf Friedhöfen fand sie sich damals in Kugelform beschnitten, als Pyramide, Obelisk oder als Tier- & Fabelfigur wieder. Auch heute wird sie wieder als Einfassungshecke angepriesen, gilt gar als Königin der Heckenpflanzen.

Ich hoffe, euch begegnen in der nun unvermeidlichen kalten Jahreszeit weitere schöne Nadelbäume oder tolle Baumsilhouetten, die ihr an dieser Stelle bis zum 24. Januar verlinken mögt. Mir wie euch wünsche ich wieder ein schönes Jahr mit unseren lebenswichtige Sauerstoffproduzenten!

                                                         

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9 Kommentare:

  1. liebe Astrid
    ich sitze lange vor diesen phantastischen Bildern einer Naturschönheit die bestimmt oft verkannt wird wenn man sie in heimischen Gärten antrifft.
    Dass sie in bestimmten Teilen *giftig ist, aber auch wunderbare Eigenschaften hat sich weiter zu entwickeln war mir wie sicher auch anderen Garten und Baumliebhabern nicht bewusst.
    Erst nach deiner so wunderbar informativen Recherche, den Bildern und mit deinem unschätzbaren Wissen darüber schaue ich sie mir mit ganz anderen Augen an..
    ich danke dir für dieses +Weitergeben...und grüße dich lieb in die nächsten Tage bis zum hoffentlich gesunden Jahreswechsel...herzlich Angel

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  2. Ich hab im letzten Jahr mal gecheckt, welcher der älteste Baum in Wien ist. Dabei wurde mir eine Eibe, die im Garten der österreichischen Heilmittelstelle steht genannt. Sie soll der Rest eines römischen Eibenhains sein. Womit sie offiziell seriös alt ist. Besuchen kann man sie allerdings nicht. Seufz. Bussi Susi

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    1. Ich kann's mir vorstellen. Im Bodetal im Harz gibt es so ein Vorkommen mit der tausendjährigen Humboldt-Eibe, das hat mir Ghislana berichtet. Leider ist dieser Baum auch durch die Forstwirtschaft ins Hintertreffen geraten.
      GLG

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  3. Eibenhecken, wie auch die zu unserem Nachbarn, sieht man häufiger, doch als Solitär eher weniger. Auf unserem Friedhof steht noch ein alter Baum oder zwei...muss ich mal drauf achten. Im Schlossparkt evtl. auch. Ganz beeindruckend finde ich die Hecken im Garten von Doodington Place...eine Herausforderung wie sie gepflegt bzw. geschnitten werden. Leider habe ich sie in natura noch nicht gesehen. Ich hab mal nach dem ältesten Baum im Münsterland gego**elt und das ist die Erler Femeiche, eine Stieleiche im Stadtteil von Raesfeld. Und die hab ich schon besucht und Fotos gemacht. Müsst ich mal auf dem Blog zeigen.
    Einen lieben Gruß von Marita, die heute Medis vom Doc bekommen hat. ;-)

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  4. Milá Astrid, přečetla jsem Tvé pojednání o tisu a velmi mě zaujala jeho konkurenční strategie ohledně přežití, to je fascinující. Úspěšný start do nového týdne přeji. Katka

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  5. Was für ein schöner Post, liebe Astrid. Ich mag Eiben total gerne. Wir haben einige von ihnen im Garten stehen. Hinten kurz vor dem "Wäldchen" stehen vier von ihnen: 16-18 m hoch. Sie waren oft schon im Hintergrund zu erkennen. Auch im Vorgarten steht eine, allerdings jünger und in Form geschnitten. Sobald der erste Frost da war, wimmelt es dort von Amseln und Eichhörnchen mögen die roten Früchte auch gerne. Ich habe schon eine Bildergallerie erstellt gehabt ;) aber Du warst schneller. Liebe Astrid, komm' gut ins neue Jahr. Herzlichst Deine Nicole

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  6. ja die Eibe..
    als Kind kamen wir auf dem Schulweg an Eiben vorbei
    wir nahmen die roten Beeren
    und "lackierten" uns die Fingernägel damit
    und nutzten sie als Lippenstift ;)
    dass sie giftig sind wussten wir nicht
    allerdings haben wir die Beeren auch nie gegessen
    auch wenn sie süß schmeckten
    ich habe eine im Garten
    allerdings wie ich jetzt weiß eine männliche
    ich wünsche dir ein frohes neues Jahr
    mit vielen herrlichen Bäumen ;)
    Rosi

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  7. Liebe Astrid, einen Eibenwald stelle ich mir wunderschön vor! Schade, dass es selbst vor Hunderten von Jahren schon "Exportschlager" gab, die zu solch massiven Abholzungen führten... Dass Eiben ebenfalls einen ganz gehörigen Schaden anrichten können, weiss ich durch mein Freundin Brigitte, die mir mal erzählt hat, dass einige Rinder eines ihr bekannten Bauern an einer Eibenmahlzeit gestorben sind...
    Ich wünsche dir und allen, die dir wichtig sind, ein wunderbares, buntes, glückliches, friedliches ... und vor allem gesundes Neues Jahr!!! 🍀🥂🍾🐞🐷❣️
    Traude
    rostrose.blogspot.com/2025/12/leben-lesen-weitergehen-und-ein-gedanke.html

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  8. Wir hatten eine Eibe im Garten, ein riesiger Busch. Als dann im Juli 1998 ein heftiger Strum durch Graz fegte, verlor die benachbarte Thuje einen großen Ast und die Eibe war auch halb kahl. Wir haben die Gelegenheit genutzt und alle dunklen "Friedhofsgewächse" aus dem Garten entfernt. Die Wurzelstöcke ausgraben war eine Qual, noch ein Jahrzenhnt später fanden sich unverrottete Wurzeln im Boden. Mit der Eibe habe ich mich inzwischen ausgesöhnt, trotzdem haben wir keine mehr gesetzt. In englischen Gärten habe ich sie hingegen sehr bewundert. Schön, dass du mir diesen bisher so wenig gemochten Baum wieder näherbringst. Ich bin noch nicht fertig mit meiner Japanreihe, diesmal habe ich ein Exemplar der Holzquitte mitgebracht.
    Liebe Grüße, heike

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