Die Pappeln Populus sind in gemäßigten Breiten auf der Nordhalbkugel in Eurasien & Nordamerika weit verbreitet. Man trifft sie an an Flussufern und in Wäldern. Häufig werden sie zur Gewinnung von Holz, Papier und Energie angebaut. Pyramiden- & Zitterpappel habe ich im Rahmen dieser Reihe schon vorgestellt. Heute kommen ihre Geschwister dran. Den Anstoß dazu hat meine Tochter gegeben, die mit ihren Schülern die Bäume auf dem Hof bestimmen wollte und mir so Fotos von der auch mir bis dato nicht geläufigen Graupappel geschickt hat. Aber fangen wir erst mal mit schwarz an:
Die Schwarzpappel populus nigra, auch Gemeine oder Deutsche Pappel, Pappelweide, Felb-, Salben-, oder Wollenbaum geheißen, ist eigentlich in unserem Verständnis DIE Pappel, weil wir sie am häufigsten wahrnehmen. Besser: wir meinen, sie vor uns zu haben, denn die Schwarzpappel steht bei uns auf der Roten Liste der gefährdeten Pflanzen. Das, was wir als Schwarzpappel ansehen, ist die Amerikanische oder Kanadische Schwarzpappel populus deltoides, die zu den höchsten und am raschesten wachsenden Bäumen östlich der Rocky Mountains gehört und die vor 300 Jahren bei uns eingeführt worden ist und sich mit den heimischen Arten gekreuzt hat, so dass eine optische Unterscheidung all dieser Hybriden wie Populus x canadensis nicht mehr möglich ist. Um sicher zu gehen, müsste man eine genetische Analyse durchführen. Und wer kann das schon?
Die Früchte reifen im Mai/Juni und bestehen aus grünlichen, kahlen, rundlich-zugespitzten Kapseln, die mit einem wollig-weißen Haarschopf versehene Samen enthalten - im Englischen wird dieser Baum deshalb auch "Eastern Cottonwood" genannt. Diese Samen, vom Wind verweht, scheinen an manchen Tagen im Frühsommer ein regelrechtes "Schneegestöber" zu verursachen.
Inzwischen sind sich Experten einig, dass der sogenannte Pappelflaum als Material die guten physiologischen Eigenschaften von Daunen, Tierhaar und Seide in punkto Wärmeisolierung und Feuchtigkeitsregulierung in sich vereint und sich somit als Füllmaterial für Bettdecken geradezu anbietet. Durch Tests ist belegt, dass Decken mit einer solchen Füllung wärmer und trocknender als beispielsweise Daunendecken und zudem hypoallergen sind. Auch ökologisch ist die Verwendung des Pappelflaums sinnvoll, denn er ist ein Sammelprodukt, für den kein zusätzlicher Anbau nötig ist, sondern vorhandene Ressourcen genutzt werden. Das Naturprodukt kann zudem synthetische Materialien ersetzen. ( Im Übrigen sind Pappeln schnelle CO2-Absorbierer, das Aufforsten mit mit ihnen ist also das Gebot der Stunde. ) Über eine solche Bettdecke und meine Erfahrungen damit gibt es demnächst mal einen eigenen Post.
Von Schwarz über Grau nun zu Weiß und zur dritten Pappelart, nämlich der Weiß- oder Silberpappel Populus alba, ebenfalls ein typischer Baum Mitteleuropas und dort vor allem im Süden und Osten verbreitet, in den Alpen sogar bis auf 1500 Metern. Man findet sie besonders im Bereich größerer Flüsse wie Donau, Rhein und Oder. In West- und Nordeuropa und Teilen Mitteleuropas gilt sie als eingebürgert.
Die Weißpappel kann über 400 Jahre alt werden. Es wird von einem Exemplar erzählt, das 1904 in Boudky, südlich vom mährischen Brünn in der heutigen Tschechoslowakei, umgestürzt ist, fünfhundert Jahre alt, 36 Meter hoch mit einem Durchmesser von dreieinhalb Metern und 11,25 Metern Stammumfang. Am Ortsrand von Bad Boll ( Landkreis Göppingen ) steht in Richtung Gruibingen die dickste Weißpappel Deutschlands mit einem Umfang von über sechs Metern & einer Höhe von 18 Metern. Dem "Schwäbischen Baumbuch" von 1911 ist zu entnehmen, dass dieser Baum 1821 gepflanzt wurde.
Solche Superlative erreicht natürlich nicht jedes Exemplar ihrer Art, aber eine durchschnittliche Höhe von 15 - 45 Metern, je nach Standortbedingungen, sind bei der Weißpappel möglich - ein stattlicher Baum also! Dabei bildet sie eine lockere, eigenwillige und oft mehr oder weniger runde Krone auf einem krumm wachsenden Stamm aus und gibt ein eher asymmetrisches Baumbild ab. Außerdem entwickelt sie viele Schösslinge und Wasserreiser.
Mit seinem sehr gut verzweigten und weit ausstreichendem Wurzelsystem kann sich der Flachwurzler gut verankern und ist daher sehr windbeständig, ist also als Windschutz sehr beliebt. Als Flachwurzler bevorzugt diese Pappel ganzjährig feuchte, frische, lockere, nährstoff- und basenreiche Böden mit kiesigem Lehm und Ton im Untergrund, erweist sich aber auch als recht unempfindlich gegen Dürre. In Küstennähe findet sie sich als Pionierpflanze häufig, dann widersteht sie allerdings eher als windschiefer Strauch dem Seewind. Ihre filzigen Blätter schützen offensichtlich ausreichend vor der Salzluft. Ihre Anspruchslosigkeit und die reichliche Wurzelbrut prädestinieren sie auch für die Dünenbefestigung. So ist die Weiß- oder Silberpappel zu einem typischen Baum der Küste geworden, der auf keiner Insel im Wattenmeer fehlt.
Die wechselständigen Blätter der Weißpappel sind sehr formenreich: An den Langtrieben sind sie ahornähnlich, oft drei- bis fünfteilig, buchtig gelappt und grob gezähnt. Eine Länge von bis zu 12 Zentimetern und eine Breite bis zu 10 Zentimetern ist üblich. Die Blattunterseite ist meist dauerhaft weißfilzig behaart. An den Kurztrieben und den unteren Langtrieben können die Blätter wesentlich stärker behaart sein als im Kronenbereich. Die Blätter dort sind eiförmig bis rundlich, ungelappt und haben eine Länge von 4 bis 7 Zentimetern und eine Breite von 3 - 4 Zentimetern.
Die jungen, behaarten Zweige und austreibenden Blätter sind zunächst auffallend weiß, werden dann aber im Verlaufe der Vegetationsphase grün und bleiben nur noch unterseits weißfilzig. Der Baum blüht von März bis April vor dem Laubaustrieb mit 5 bis 8 cm langen Kätzchen an den männlichen Exemplaren, an den weiblichen sitzen grünblütige Kätzchen in der Achsel eines verkehrt lanzettlichen, unregelmäßig gezähnten und bewimperten Tragblattes. Die Weißpappel bildet von Mai bis Juni Kapselfrüchte aus, welche zahlreiche Flugsamen beinhalten. Sie sind sehr klein und werden größtenteils durch den Wind in andere Gebiete verweht. Die Samen der Silberpappel werden nicht alt und besitzen darüber hinaus kein eigenes Speichergewebe.
Im Herbst nehmen alle drei Pappelarten eine gelbe Laubfarbe an.
Schwarz- wie Weißpappel sind wichtige Futterpflanzen für verschiedene Schmetterlingsarten, darunter der Pappelschwärmer Laothoe populi, einer der größten Falter Europas, und das Abendpfauenauge Smerinthus ocellata. Als erdgeschichtlich uralte Gattung hat die Weißpappel allerdings auch eine lange Liste von Feinden, in erster Linie sind es Bockkäferarten wie der Moschusbock und der Große Pappelbock.
Schon lange habe ich meinen Baumposts nichts aus der Mythologie mehr angefügt. Deshalb will ich das heute mal wieder aufgreifen:Der Nymphe Leuke ( so auch der altgriechische Name des Baumes ), Tochter des Okeanos, stellte einst Hades, der Herr der Unterwelt, nach und entführte sie dorthin. Persephone, seine Frau, griff ein, bevor ihr Mann ihr Gewalt antun konnte und verwandelte die Nymphe in eine Silberpappel, die am Teiche der Erinnerung wuchs. ( Die Griechen waren der Überzeugung, dass der Baum aus und in der Unterwelt wächst. ) Die Sage hat ihren Ursprung wohl in der Tatsache, dass am Acheron, einer der fünf Flüsse der Unterwelt in der heutigen Landschaft Epirus ( Nordwestgriechenland ), viele Weißpappeln wuchsen.
Der Held Herakles dann schmückte sich mit einem Kranz aus den Blättern dieser Pappel, mit der silbrigen Seite nach außen, als er nach Erledigung seiner letzten von zwölf Aufgaben aus der Unterwelt zurückkehrte. Eine andere Variante berichtet, dass der erschöpfte Herakles noch in der Unterwelt sich einen Kranz aus Zweigen der Weißpappel aufs Haupt setzte und die Blätter von seinem Schweiß weiß wurden.Auch die Heliaden, Schwestern des Phaeton, Sohn des Sonnengottes Helios, sind, als dieser den väterlichen Sonnenwagen nicht mehr zügeln konnte und ihn der strafende Blitzschlag des Zeus traf, aus Trauer um den Bruder zu Pappeln erstarrt. Aus ihren Tränen entstand der Bernstein, denn selbst als Bäume schwitzten sie noch goldene Tränen aus.










wieder ein wunderschöner informativer Beitrag
AntwortenLöschenwir hatten hier ums "Karree" große alte Pappeln
allerdings weiß ich nicht was das für welche waren
sie wuchsen eher "säulenförmig" waren schon dick im Stamm
und trieben immer wieder von unten aus
was dann teilweise entfernt wurde
nach und nach wurden sie dann auch gefällt
gesamt haben sie nicht (zum Glück ;) )
eine stand vor unserer Tür als da noch ein kleiner Rasenplatz war
für den neuen Bürgersteig und Parkplätze musste er dann weichen
kann man denn diese Bettdecken mit den Pappelfasern auch waschen?
Ich weiß dass die (damals auf dem Campingplatz) immer bei Regen verklumpt haben
leider habe ich im Moment nichts an Bäumen auf Lager ..
und komme nicht zu Spaziergängen
wo die Zeit nur bleibt
einen schönen Sonntag
und liebe Grüße
Rosi
Was für eine große Menge an spannender Information. Pappeln werde ich mir nun auch noch genauer anschauen, denn man sieht sie hier oft. Auf deinen Bericht über Pappelflaum als Füllstoff für Decken bin ich sehr gespannt.
AntwortenLöschenLiebe Grüße
Andrea
Toller und informativer Post, liebe Astrid. Besonders die Verwendung als Bettenfüllung interessiert mich und da hast Du mich neugierig gemacht auf einen nächsten Post.
AntwortenLöschenPappeln sind immer imposante Bäume und dass sie solche Mythen haben, war mir gar nicht bewusst. Schade, dass Leuke in eine Silberpappel verwandelt werden musste um Nachstellungen zu entgehen. Auch wenn Persephone(aus eigener Erfahrung!)da sicher das Möglichste tat, was sie konnte. Da hätte ich mir gewünscht, dass Hades eine dicke Strafe bekommt, aber das war in der patriarchalen Götterwelt nicht vorgesehen.
Danke für die diesen feinen Pappel-Post!
Herzlichst, Sieglinde
...viele Informationen zu den Pappeln hast du wieder zusammen getragen, liebe Astrid,
AntwortenLöschensehr interessant...ich weiß gar nicht, ob ich alle Arten schon gesehen habe...bisher kann ich nur Pappel und Silberpappel unterscheiden...muß ich mal genauer drauf achten...schöne Beispielfotos hast du auch...
wenn du jetzt auf die Zugspitze schaust, dann wünsche ich dir eine schöne Familienzeit,
liebe Grüße Birgitt
So viele Pappelarten und es fällt wirklich schwer sie auseinander zu halten? Jedenfalls fällt es mir schwer, ich glaube 'Zitterpappeln' wachsen auch auf der Düne? Bevor die letzten Blätter gefallen sind muss ich da einmal nachschauen gehen. Ich hoffe, ich kann hier im Monat auch mehrere Beiträge verlinken?
AntwortenLöschenLG Heidi
hier in der gegend wachsen alle pappelarten, einschließlich pyramiden- und zitterpappeln. leider werden sie immer weniger, besonders die schönen reihen der pyramiden werden nicht wieder aufgeforstet, dabei haben sie hier in einigen ecken das landschaftsbild sehr geprägt. wenn man vom elm herunter in die landschaft schaute, sah man an diversen stellen diese baumreihen, die mich immer an die zypressen in der toscana denken ließen. jetzt sind sie leider stark dezimiert. die silberpappel liebe ich sehr und kenne noch einige ecken, wo sie wächst und wo ich mir immer blätter zum pressen holen. einige davon haben es tatsächlich auch in schachteln geschafft!
AntwortenLöscheninteressant finde ich, dass der pappelflaum jetzt als bettdeckenfüllung verwendet wird. das habe ich noch nie gehört, finde es aber sehr gut vorstellbar - ich mag den flaum auch immer gern in den händen halten, hübsch weich und fluffig ist er!
liebe grüße
mano
über die weißpappel hab ich auch mal einen post geschrieben, finde ihn aber nicht wieder...
doch noch gefunden, ein kurzer, aber netter beitrag: https://manoswelt.blogspot.com/2015/09/blattsilber.html
AntwortenLöschenDie Weiß-/oder Silberpappel gehört für mich zu den schönsten Bäumen. Ich habe sie jetzt gerade im Norden ziemlich oft gesehen, in sumpfig feuchten Gebieten. Hier bei uns ist sie sehr selten...
AntwortenLöschenLiebe Grüße
Danke für den Post liebe Astrid.Meine Lieblings-Pappel ist die Zitterpappel;an der Küste sehr verbreitet, ist sie direkt mit Urlaubswohlgefühl verknüpft :-)
AntwortenLöschenLiebe Grüße
von Helga:
AntwortenLöschenLiebe Astrid,
danke für die Vorstellung der Pappelfamily. Schön und imposant anzuschaun sind sie allesamt. Überall auf unseren Touren und am Wasser entlang, stehen sie. Was wären wir ohne diese schönen Riesen? Arm dran, auch wenn die Flocken manchmal etwas lästig sind. Herzliche Grüße im Namen aller Pappeln von Helga und Kerstin. (Babbeln tue ich gerne, auch Blätter) Hihi
Liebe Astrid,
AntwortenLöschenEin wunderschöner Beitrag über die Pappelfamilie.
Ich muss wirklich mal die Augen offen halten, ob die Schwarzpappel bei uns hier auch vertreten ist.
Die Silberpappel ist bei uns stark vertreten, ebenso die Graupappel. Dass der Flaum als Bettdeckenfüllung benutzt wird, war auch mir nicht bekannt.
Liebe Grüße
Christa
Die Vielfalt ist beeindruckend und Du hast sie uns nahe gebracht. In meiner Kindheit gab es Pappeln neben dem Haus und ich habe im Herbst bzw. Sommer die Wolle gesammelt. Arme Allergiker!
AntwortenLöschenLG
Magdalena
Liebe Astrid,
AntwortenLöschenPappeln sind in Finnland sehr selten. Mit Google habe ich nur einige Exemplare gefunden die an irgendeiner Unterart des Populus nigra gehören. Silberpappel und Graupappel sind ebenfalls selten. Aber Populus tremula wächst überall und Populus tremula 'Erecta' wird oft an engen Platzen in Städten gesehen. LG riitta
Weil ich es eben bei dir im Blog in der Monatscollage las: Ja, auch ich bin beglückt, dass auch Mein Freund, der Baum, unter deiner Obhut wieder Fahrt aufgenommen hat... Und ich verspreche, von mir kommen neben dem jetzt verlinkten noch zwei Beiträge in den nächsten Tagen... Loslassen und die Bälle aufgefangen erleben, toll ist das... Insofern war es gerade die richtige Entscheidung Naturdonnerstag und Mein Freund, der Baum abzugeben... Danke dir! Lieben Gruß Ghislana
AntwortenLöschenWas für ein Bericht über Pappeln und was für fantastische Bilder, danke. Ich liebe Pappeln und vor allen Dingen auch den Geruch wenn man jetzt im Herbst durch die Blätter läuft. Ich finde es wunderbar soviel Wissen ist hier versammelt. Leider habe ich nicht immer Zeit über die herrlichen Bäume hier zu schreiben, aber diesmal habe ich es mit meinem Walnussbaum doch geschafft. Danke dass du es weitermachst. Liebe Grüße aus dem Ruppiner Land Anke
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