Freitag, 2. Februar 2018

Menschenrechte - weltweit betrachtet


Saida Keller, Karcem Ghazzali und Elham Manea
vor der saudischen Botschaft in Bern
Source

Nichts Neues speziell zum in Saudi - Arabien inhaftierten Blogger Raif Badawi, dafür zur Situation der Menschenrechte allgemein: 

Das internationale Netzwerk "Civicus" hat gerade seinen Bericht über die weltweite Situation der Menschenrechte vorgelegt. 195 Staaten werden darin beurteilt, welchen Freiraum sie zivilgesellschaftlichem Engagement einräumen. Der Bericht stuft nur 22 Staaten als wirklich "offen" ein, dazu zählen neben Deutschland und anderen europäischen Staaten auch Neuseeland oder Barbados.

Das sind also zwei Prozent der Weltbevölkerung, die in Ländern leben, in denen die Versammlungs- und Meinungsfreiheit tatsächlich garantiert sind. Weltweit ist  hingegen eine fortschreitende Einschränkung der Freiräume für Journalisten, Nicht-Regierungsorganisationen und Aktivisten, die sich für die Einhaltung der Bürgerrechte einsetzen, zu beobachten.
"Gerade dort, wo Regierende ihre Verantwortung nicht angemessen oder gar nicht wahrnehmen, wo sie Menschenrechte verletzen oder Straflosigkeit fördern, wo Politiker Gelder veruntreuen, statt für die soziale Sicherheit der Bevölkerung zu sorgen, braucht es eine wache und handlungsfähige Zivilgesellschaft", sagte die Präsidentin der evangelischen Hilfsorganisation "Brot für die Welt", Cornelia Füllkrug-Weitzel zur Veröffentlichung des "Civicus-Monitors".
21 Staaten werden als "geschlossen" klassifiziert, darunter Äthiopien, Saudi-Arabien oder Vietnam. In diesen Staaten ( Anteil an der Weltbevölkerung: 27 Prozent ) herrscht eine Atmosphäre der Angst & Gewalt, und es drohen massive Strafen gegenüber denjenigen, die sich für die Menschenrechte einsetzen und staatliche Autoritäten kritisieren.  34 Staaten gehören zur zweitschlechtesten Kategorie "unterdrückt", zum Beispiel die Türkei, Ägypten, Irak, Mexiko oder Afghanistan. 

Da landen E-Mails mit Drohungen im Postfach, Telefone werden überwacht, Demonstrationen verboten, Gewerkschafter brutal zusammengeschlagen, Umweltschützer umgebracht – die Unterdrückung der freien Meinungsäußerung, der Versammlungsfreiheit und anderer grundlegender Menschenrechte hat viele Formen. Gestern habe ich im Radio Interviews mit chinesischen Aktivistinnen gehört, die versuchen, so etwas wie #metoo in China in Gang zu bringen, um auf die Missstände in den Universitäten, wo Professoren gegenüber Studentinnen übergriffig werden, aufmerksam zu machen. Entsprechende Aufrufe in den zur Verfügung stehenden Netzwerken ( das sind ja in China ohnehin nicht viele ) sind binnen eines halben Tages, manchmal sogar innerhalb einer Stunde wegzensiert.

53 Staaten werden als "beschränkt" bezeichnet ( Indien, Ungarn, Brasilien oder Peru) und 64 erhalten das zweitbeste Label "eingeengt". Dazu zählen Frankreich, Großbritannien, Slowakei, USA, Namibia und Panama. 

In dem Bericht wird auch aufgeführt, dass das Verhalten der russischen Führung immer mehr von anderen Ländern kopiert wird, die nämlich Organisationen mit ausländischer Unterstützung mit hohen Geldstrafen belegt und als "ausländische Agenten" verketzert. Diese Strategie wird inzwischen auf viele internationale Nicht-Regierungsorganisationen angewendet, aber auch lokale Organisationen der Entwicklungshilfe sind von solchen Einschränkungen betroffen. Selbst Partner solch anerkannter Organisationen wie "Brot für die Welt" haben inzwischen ihre Arbeit aus oben erwähnten Gründen einstellen müssen.

Zum Heulen...




Kommentare:

  1. Umso wichtiger ist es, dass wir unsere Rechte behalten und nichts davon preisgeben. Rückwärts geht es bekanntermaßen schnell.
    Und noch wichtiger wäre es, dass hier die Menschen wirklich verstehen, dass sie diese Rechte haben und dadurch sehr privilegiert sind auf der Welt. Mir tut es manchmal in der Seele weh, wie selbstverständlich und sogar frustriert viele Menschen dies einfach hinnehmen, statt sich drüber zu freuen und mitzugestalten.
    Dennoch: Bon week-end!
    Sieglinde

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  2. Ja, liebe Astrid, den Blumenläden geht es so wie vielen anderen "Gewerben", egal welcher Art Waren oder Dienstleistungen sie anbieten. Schau doch mal, wieviele Menschen(ich beziehe mich mit ein) in Baumärkten Material kaufen und im oder am Haus etwas selber machen. Und eingesessene Handwerksbetriebe machen zu ....Freilich spielt da das Geld eine wesentliche Rolle.Aber egal in welche Richtung man schaut, leider hat sich unser aller Leben so stark verändert, dass es für vieles keine Rückkehr gibt. Nicht alles, was man Fortschritt nennt, an dem man ja auch teilhaben möchte, ist gut. Online- Käufe, kostenloser Versand aus USA oder China, dazu der Artikel preisgünstiger als in Deutschland....
    Ich weiß nicht, wo das noch hinführen soll. Nachdenkliche Grüße von Rela

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  3. Das war wieder mal sehr,sehr interessant! 2% das ist sehr erschreckend. Danke, da werde ich weiterleben.

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  4. zu Heulen..
    da ist kaum mehr dazu zu sagen..
    mich würde nur noch interessieren wie die USA eingestuft wurde..
    dort gibt es einen Möchtegern -Präsidenten der die Jounalisten zu "Feinden der Nation" erklärt :(
    und der sich nicht scheut Lügen für Wahrheit an den Mann zu bringen und der alle Lügner nennt die seine Lügen nicht übernehmen wollen..
    traurig traurig
    liebe Grüße
    Rosi

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  5. da kann einem wirklich nur schlecht werden.
    lg, mano

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  6. Da können wir uns glücklich schätzen zu den 2% zu gehören...danke für deinen interessanten Post, wenn auch die Tatsachen erschütternd sind.
    Schönen Samstag, Marita

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  7. DAnke, dass Du wieder für uns recherchiert hast.
    Liebe Grüße
    Andrea

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  8. Danke für den Artikel, Astrid. Habe grade auch Civius gelesen. Palästinensische Gebiete und Israel sind als obstructed und repressed eingestuft... weshalb mir das auffällt? Weil ich immer mehr auseinanderdrifte mit einem alten Jurastudienfreund, der Israel voller Überzeugung als einzige echte Demokratie im nahen Osten bezeichnet....hat nicht direkt was mit Deinem Artikel zu tun, fällt mir nur leider wieder ein und bisschen schwer im Magen. Abengrüße, Eva

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  9. Dass Großbritannien und Frankreich als "eingeengt" beschrieben werden, hat mich gerade am meisten erschreckt - dass die USA in dieselbe Kategorie fallen (leider) gar nicht mehr. Bitter.

    Liebe Grüße
    Sabrina

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