Freitag, 23. Februar 2018

Heute wieder zur Lage der Menschenrechte & zur Barbarei in Syrien


Der diesjährige Amnesty-Bericht zur weltweiten Lage der Menschenrechte, der gestern veröffentlicht und am Vortag  in Washington DC vorgestellt worden ist, zeichnet ein düsteres Bild vom Zustand auf unserer Erde. Dennoch wird darin auch festgestellt, dass das Engagement der Zivilgesellschaft für die Menschenrechte, wächst.

Geneva Summit of Human Rights
and Democracy, 20.02.2018
Washington als Ort der Präsentation ist nicht ohne Grund gewählt worden, hat doch der derzeitige amerikanische Präsident mit seiner Hass - Rhetorik ein negatives Rollenvorbild abgegeben, denn weltweit gibt es ähnliche Entwicklungen. Die Dämonisierung und Ausgrenzung von Minderheiten sowie die Abschottung gegenüber Flüchtlingen sind Phänomene, die ja auch bei uns im Land und auf dem europäischen Kontinent um sich greifen und salonfähig werden. Abgelenkt werden soll damit, dass es eigentlich um Verteilungsfragen geht. Viele politische Führer nutzen die Furcht der Menschen vor einem sozialen Abstieg, um Hass und Angst zu schüren, auf Minderheiten zu leiten und gleichzeitig die allgemeinen Menschenrechte einzuschränken. Es wird gerne suggeriert, dass diese Rechte unwichtig seien, Hauptsache die wirtschaftliche Entwicklung stimmt.

Amnesty greift auch die Tatenlosigkeit der Regierungen im Westen an, die die Barbarisierung der Kriege in Syrien, dem Irak und Jemen meist hinnehmen, denen hauptsächlich die Menschen zum Opfer fallen, die zufälligerweise an den umkämpften Orten leben. Die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte ist vor siebzig Jahren genau aus dem Grunde nach dem Zweiten Weltkrieg erfolgt, als Reaktion auf die Gräueltaten, die damals ein ungeahntes Ausmaß, eine bis dato nicht gekannte Stufe erreicht hatten, was die Verluste der Zivilbevölkerung betraf. Immer mehr gewinnt man den Eindruck, dass viele Menschen das vergessen haben, und wir Gefahr laufen, die Vergangenheit zu wiederholen.

Amnesty konstatiert in diesem Bericht aber auch, dass viele Menschen, z. B.  in den USA gegen die Politik des Präsidenten auf die Straße gehen und dagegen aktiv protestieren,  auch die "Me-too"-Bewegung, die weltweit gegen Frauendiskriminierung mobilisierte, ging von dort aus, in Lateinamerika brachte die Initiative "Ni Una Menos" hunderttausende Menschen auf die Straßen, um gegen Gewalt gegen Frauen zu demonstrieren. In Venezuela und im Iran protestierten die Menschen hingegen gegen hohe Lebensmittelpreise und Korruption, in Polen gegen die Abschaffung der Unabhängigkeit der Justiz durch die Regierung.

Menschenrechtler zahlen allerdings oft einen hohen Preis für ihren Einsatz. Über eine ganze Reihe von ihnen, vor allem im arabisch - asiatischen Raum, in der Türkei und Nordafrika habe ich an dieser Stelle immer wieder gepostet. Im letzten Jahr wurden mindestens 312 von ihnen umgebracht. Gefahr droht ihnen sowohl von nationalen Regierungen als auch bewaffneten Gruppen, Unternehmen oder politisch - religiösen Gegnern.
"Das 70. Jubiläum der Menschenrechtserklärung ist die Gelegenheit, in dieser kritischen Zeit diese Werte wieder einzufordern: die Idee, dass jedes Mitglied der Menschheit das Recht auf Würde und Gleichheit hat", so der Amnesty-Sprecher David Griffiths.
Muhammad Najem

Gestern ist wieder ein Versuch gescheitert ( siehe Bericht hier ), eine Feuerpause für Syrien zu erreichen, weil Russland eine Abstimmung darüber im UN-Sicherheitsrat verhindert hat. Seit Tagen versuche ich an dieser Stelle einen Post zu verfassen, der sich mit der erneuten Steigerung der Barbarei an den unterschiedlichen Fronten in Syrien befasst - es ist mir nicht möglich, ich finde die Worte einfach nicht mehr. Lasse ich die Menschen vor Ort für sich selbst sprechen. Allen, die sich ihre Humanitas bewahrt haben, lege ich ans Herz, sich einmal zu Gemüte zu führen, was der 15jährige Muhammad Najem, der in Ost - Ghuta lebt, uns zu sagen hat:
„Unser Blut bettelt jeden Tag. Ihr schaut es euch täglich an und reagiert trotzdem nicht. Unser Hunger, unsere Kälte, dass wir vertrieben werden, sind zu einem bekannten Bild geworden. Rettet unser Volk in Ghouta!“
Gestern habe ich an die Geschwister Scholl und ihre Freunde erinnert. Und ihren Satz möchte ich uns allen am liebsten um die Ohren hauen:

"Zerreißt den Mantel der Gleichgültigkeit, den Ihr um Euer Herz gelegt habt!"


Kommentare:

  1. Ja, es ist erschreckend, wie man sich an die Bilder z.B. in der Tagesschau gewöhnt hat und weiß, dass das alles stimmt, aber es dennoch nicht wirklich an sich ran lässt.
    Natürlich spendet man für "Ärzte ohne Grenzen" oder "Medica Mondiale" u.ä., aber das ist immer noch schön distanziert.
    Auch auf Demos teilzunehmen, ist bei uns wohlfeil und ungefährlich.
    Es überkommt einen oft eine große Hilflosigkeit angesichts des vielen Elends und Leids und Ungerechtigkeit. Wie wirklich damit umgehen?

    Für mich habe ich noch keine wirklich gute Antwort gefunden, außer in meiner Umgebung menschlich zu handeln und meinen Kindern und Enkeln möglichst solche Werte zu vermitteln. Ob dies reicht weiß ich nicht, aber ohne dies wäre es auf jeden Fall zu wenig.

    GLG Sieglinde



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  2. man kann dazu keine worte mehr finden. verrohung. wie najem sagt diebstahl der kindheit. und wir gewöhnen uns an die bilder. schande für alle warlords. und wir verdienen vermutlich kräftig mit. zornige grüße. eva

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  3. Danke wieder mal,liebe Astrid. Du findest doch immer gute Worte. Wenn auch die Barbarei sprachlos macht, zur Not müssen wir eben stottern und stammeln. Hauptsache wir verstummen nicht, nicht ganz.
    Liebe Grüße aus Nürnberg, (wo auch soviel noch schwingt...Vorm Hotel ein dicker Porsche mit AH 18... Nummer. Zum Speien.)
    Lisa

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    1. Mir bleibt die Spucke weg...
      Gute Nacht & schöne Weiterreise!

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    2. Eine Bemerkung hierzu von mir, weil es mich zu sehr schmerzt, wenn dies alleinig so hier steht.

      Auch wenn die Beobachtung mit dem Porsche so gedeutet werden kann, schwingt in meiner Stadt nicht wirklich diese Schwingung. Seit 45 Jahren lebe ich hier und habe das ehrliche Ringen um eine wirkliche Aufarbeitung der schrecklichen, jüngeren Stadtgeschichte sehr beobachtet und teilweise auch daran mit gewirkt. Meiner Meinung nach ist das in hohem Maße gelungen u.a. mit dem Dokumentationszentrum, der Straße der Menschenrechte von Dani Karivan und dem Menschenrechtspreis der Stadt.


      Soviel nur dazu als Ergänzung.
      Herzliche Grüße aus Nürnberg von Sieglinde

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    3. Ich habe in den Tagen in Nürnberg auch keine entsprechende Stimmung erlebt, bin aber immer wieder schockiert, wenn ich solche Nummernschilder, kleine Aufkleber usw. ob hier in Köln oder Drumherum entdecke. Offensichtlich hat diese Ideologie lange im Verborgenen überlebt ( und kommt nun im politischen Leben ganz offen wieder ans Tageslicht ). Und da hat viele gute Arbeit an der Vergangenheitsbewältigung in vielen Orten der Republik in einer ganzen Reihe von Köpfen nichts oder das Gegenteil bewirkt. Habe gerade eine entsprechende Recherche zum Bernd gelesen...
      LG

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  4. mir bleibt bei so vielem die spucke weg! porsche mit ah-kennzeichen ist allerding sehr zum kotzen.
    gleichgültigkeit ist oft aber auch nur vordergründig. viele (auch ich manchmal) können oft diese grauenvollen nachrichten nicht mehr ertragen, schotten sich ab und versuchen mit verdrängung sich das leben erfreulicher zu machen. aber natürlich werde ich immer wieder von den schrecken und dem horror in dieser welt eingeholt.
    liebe grüße
    mano

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