Sonntag, 24. September 2017

Meine 38. Kalenderwoche 2017


Beim Gang durchs Kunibertsviertel meinte der Herr K., nachdem er eine Weile hinter mir her gegangen ist: "Du läufst schon besser als in den vergangenen zwei Jahren. Es sieht locker und leicht aus."
Zwei Monate ist der Eingriff an meiner Hüfte nun her. Zu schaffen macht mir aber immer noch der Musculus iliopsoas ( Hüftbeuger ). Der bedarf also weiterhin krankengymnastischer Zuwendung und Training meinerseits.

Auf dem Weg dorthin ( und wieder zurück nach Hause )...


... sind die Spuren des nahenden Herbstes inzwischen unübersehbar.



Am Freitag um 22.02 Uhr war es in Köln dann so weit: Herbstanfang! Tag-und-Nacht-Gleiche! Ab jetzt wandert also die Sonne über den Äquator hinaus in Richtung Südhalbkugel und uns stehen dunkle Zeiten bevor. ( Die fürchte ich in anderer Hinsicht noch mehr, wenn ich solche Sachen lese. Wer bestimmt die Regeln in unserem Land? Die Blauen? )


Ein Stadtbummel nach monatelanger Abstinenz musste in dieser Woche sein. Ausgangspunkt: Der Dom!

Ein Eiskaffee gehört auch dazu...


... und ein Besuch im liebsten Kleiderladen wie...

... beim niederländischen "Spezialisten": Sinterklaas was er al ( zumindest seine Schokobuchstaben ). Und im Supermarkt im Veedel steht er auch schon, der Weihnachtsmann, dieses Jahr im modischen Violett. Na ja.

Was ich an dieser Jahreszeit mag: Nach dem Abendbrot noch eine Runde um den Block drehen und in die beleuchteten Fenster gucken!




Das war wieder eine Woche, da hätte ich den ganzen Tag mich nur mit den kleinen & großen Katastrophen dieser Welt beschäftigen können ( was ich ja auch gerne stellvertretend für all die, die im Alltag mehr eingespannt sind als ich. Aber die Heinzelmännchen von Köln erledigen meinen Haushalt leider auch nicht mehr ). 

Einiges habe ich ja schon hier oder hier angesprochen in meinen Blogposts. Anderes Bedenkenswertes versammle ich hier & heute wieder am Ende meines Kalenderwochenposts:

  • Gelogen wurde schon immer, nicht erst seit es den Begriff "Fakenews" gibt. Über die Manipulationen von Forschungsberichten durch die Tabakindustrie hatte mich seinerzeit schon mein Bruder als Medizinstudent aufgeklärt. Damit sind wir ja auch irgendwie durch, und die Zigarettenpackungen entsprechend gekennzeichnet. Für die Zuckerindustrie gilt das noch lange nicht. Und deren Lobbyisten streuen unseren Politikern wie den Verbrauchern nach wie vor ordentlich Zucker in die Augen.  
So hatten doch deren Vertreter gegenüber dem Ernährungsausschusses des Bundestages behauptet: "Tatsächlich nehmen die Deutschen heute nicht mehr, sondern eher weniger Kalorien auf als früher." Aber komischerweise sieht das die Uni Gießen und ein weiteres staatliches Forschungsinstitut, auf das man sich berufen hat, ganz anders.  Eine Lüge, die verschleiern soll, welche Folgen der Zuckerkonsum auf unsere Gesundheit hat. Wer sich der Kampagne von Foodwatch anschließen will, kann das hier tun.
  • "Tomaten und Trillerpfeifen sind im demokratischen Diskurs aus meiner Sicht kein Mittel zu höherer Erkenntnis, und Ohrenschmerzen kein Ausweis einer wirklich geglückten Kontroverse." Hinter diese Aussage des Bundespräsidenten stelle ich mich voll und ganz, auch das was er an anderer Stelle bei seiner Rede am vergangenen Dienstag gesagt hat, sehe ich ähnlich: "Gerade wer zornig und anderer Meinung ist, sollte selbst das Wort ergreifen, statt andere zum Schweigen bringen zu wollen." Anders als jene glauben machen wollen, gebe es in Deutschland "kein Redeverbot" und niemand komme für seine Meinung ins Gefängnis. Es schade aber auch nicht, anderen zuzuhören.
Ehrlich gesagt hat mich der Wutbürger, der in diesem Beitrag in der "Zeit" zu Wort kommt, auch nicht wirklich von seiner Motivation, den Ursachen für seine "Hilfeschreie" überzeugen können. Eher davon, dass das Krawallmachen an sich, das andere "aus der Fassung bringen" für ihn eine spezielle Befriedigung ausmacht. Dieser Beitrag war da schon erkenntniserhellender. Aufschlussreich & spannend war für mich auch dieses Gesprächsprotokoll in der "Süddeutschen Zeitung" einer Diskussion zwischen zwanzig Menschen aus Politik, Kultur und anderen gesellschaftlich relevanten Institutionen.
  • Was mir an diesem Wahlkampf so missfallen hat, wie wenig Raum sozialen Fragen eingeräumt worden ist. Wie notwendig das ist, hat mir diese kleine Begebenheit wieder einmal deutlich gemacht: Eine 76jährige Rentnerin ist in München zu einer Geldstrafe verurteilt worden, weil sie im Hauptbahnhof leere Pfandflaschen eingesammelt hat. Das Hausrecht erlaubt der Deutschen Bahn ein solches Vorgehen. Mir stellt sich da zum einen die Frage der Verhältnismäßigkeit der Mittel. Und dann die der sozialen & juristischen Gerechtigkeit, wenn Betrüger in Chefetagen dank teurer Anwälte verhältnismäßig billig davon kommen. Hier kann man eine Petition zur Aufhebung der Strafe unterzeichnen. 
  • Mathias Döpfner, Präsident des Bundesverbands Deutscher Zeitungsverleger (BDZV), scheint auch ein klares, populistisches Feindbild zu haben: Beim Kongress seines Verbandes in Stuttgart griff er zu einem Vergleich, den ich völlig daneben finde: Für ihn sind nämlich unsere öffentlich - rechtlichen Medien "nach dem Geschmack von Nordkorea." Eine solche Wortwahl bestätigt Populisten, Verschwörungstheoretiker und ihre willigen Claqueure, wird der tatsächlichen Leistung der Sender nicht gerecht:
In einem Interview am Tag darauf in WDR 5 mit der neuen Managerin der Bigband des Senders, Friederike Darius, die über dreißig Jahre in den Niederlanden gelebt & gearbeitet hat, berichtete diese über den - politisch gewollten - Kahlschlag in der niederländischen Kultur vor zwanzig Jahren. Eine der Auswirkungen, die sie beobachtet hat, ist die ungeheure Verflachung in den Sendungen der öffentlichen Medien. Statt ausführlicher Reportagen gibt es nur noch oberflächliche zweiminütige Informationen zu einem Thema. Ihrer Meinung nach sollten wir stolz darauf sein, dass die öffentlich - rechtlichen Medien bei uns Themen immer noch ausgiebig vertiefen. Dem kann ich nur begeistert zustimmen: Täglich bekomme ich vielfältige Informationen in den diversen Radiosendungen und damit Anregungen, um mich mit Diesem und Jenem ausgiebig zu beschäftigen. Mich hält das geistig in Schwung und ermöglicht mir eine differenzierte Meinungsbildung.
  • You may say that I'm a dreamer, but I'm not the only one:


Der Wetterbericht sagt uns hier einen schönen ersten Herbstsonntag voraus. Den möchte ich in jeder Hinsicht für mich und den Herrn K. nutzen, nicht nur um zur Wahl zu gehen. Euch wünsche ich das auch.

Verlinkt mit Andreas Samstagsplausch und Maschas Weekend Green

Kommentare:

  1. Schön, dass es bei dir "wieder besser läuft"! Gut Ding will gerade, was Hüftmuskulatur anbetrifft leider Weile haben. Aber es wird! Auf die Weihnachtsecken bin ich auch schon gestoßen, steuere aber derzeit noch auf alles Herbstliche. Will diese Jahreszeit nämlich auch in vollen Zügen genießen. Wunderschöne Kölnansichten. Wir sind meist zum Weihnachtsmarkt dort, aber das dauert ja noch. Wenn ich allerdings bedenke, wie schnell die letzten 6 Wochen vergangen sind, wird´s mir unheimlich.
    Liebe und trotzdem heimelige Wochenend-Grüße von mir!
    Solveig

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  2. Liebe Astrid, das hört sich wirklich gut an bei dir, nach einem guten Weg. Die leuchtenden Fenster sind wirklich sehr schön. Ja, wir werden auch gleich wählen gehen, der Jüngste wird leider erst 2,5 Wochen nach der Wahl 18 und ist etwas traurig darüber. Eine Abstimmung gab es aber auch im Berufskolleg. Spannend. Einen schönen Sonntag wünsche ich! Liebe Grüße, Sabine

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  3. Das ist so schön zu hören, dass Du immer beweglicher wirst und die Kreise, die Du ziehst, größer werden. Die abendlichen Runden, hier mit dämmrigen Himmelslicht, genieße ich gerade auch.
    Gleich skype ich wieder über den Atlantik hinüber und schaue, wie sich die Sicht auf die Weltgeschehnisse von dort aus ausmachen.
    Liebe Grüße
    Andrea

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  4. da bin ich ganz bei dir. ich schaue auch zu der jahreszeit auf der abendrunde gerne in die beleuchteten fenster. und bald wird es dabei in der stadt sicher noch interessanter als hier im dorf. den ersten winter in der stadt, mit der gewissheit das auto morgens nicht freikratzen zu müssen oder noch viel besser, es gar nicht erst aus der tiefgarage holen zu müssen,...darauf freue ich mich schon ;). wie schön, dass du schon wieder mit dem herrn k. so gut unterwegs sein kannst. liebe grüße, sabine

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  5. fenstergucken und stadtbummel würde ich gerne mit dir mitmachen - und mir deine lieblingsläden zeigen lassen. mir scheint, du läufst trotz musculus iliopsoas schon ein bisschen wie ein über die wiese springendes rehlein ;-)! gut so!
    weniger gut die vielen nachrichten, die uns aus allen medien erreichen. ehrlich gesagt graut es mir vor heute abend.
    liebe sonntagsgrüße
    mano

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  6. Der Weltengang treibt Dich um wie mir scheint.
    Ein bisschen tröstlich ist für mich dabei, dass es hier in D - noch? - eine Art Insel der Seligen im Bereich der Kultur ist.
    Ich schau jedoch auch mit unwohlen Gefühlen auf den heutigen Abend. Die Themen Bildung und Soziales waren sehr ausgespart im Wahlkampf und könnten es heute Abend auch im Ergebnis sein.
    Wir werden sehen.
    Ich geh ja immer in der Grundschule meiner Kinder zum Wählen. Da kommen Erinnerungen hoch von vor 30 Jahren...
    GlG Sieglinde

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  7. oh gudrun? das ist tatsächlich der einzige laden, wo ich in den letzten jahren doch immer wieder mal schwach werde... irgendwie ja auch witzig. funktioniert irgendwie für jeden style.
    und was den zucker angeht: ich empfehle die lektüre des buches "skinny bitch". nicht vom titel ablenken lassen. hat mir die augen damals sehr weit aufgerissen. nicht, dass es wa an meiner ernährung geändert hätte, aber....

    liebe grüße,
    jule*

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  8. Liebe Astrid,
    ich freue mich sehr für Dich, dass es nun spürbar aufwärts geht! Nach Monaten endlich wieder einen Stadtbummel machen zu können - ich kann mir denken, wie gut sich das anfühlen mag. Weiter so, liebe Astrid!
    Die Wahl, nun ja... Ich habe vorhin entschieden den Fernseher auszumachen. Wir fahren morgen ganz früh nach München. Der Anlass unseres Familientreffens ist diesmal ein trauriger. Mein Onkel wird beerdigt.
    Ich wünsche Dir einen guten Start in eine hoffentlich sonnige Herbstwoche.
    Sei lieb gegrüßt von
    Regina

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  9. wie schöööööön zu lesen, dass es dir immer besser geht! das freut mich!
    ansonsten bin ich heute angesichts des wahlergebnisses eher erschüttert sprachlos...
    herzlichste grüße & wünsche an dich :-)
    amy

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  10. Schön, das es langsam bergauf bei Dir geht. Ich glaube mit Deutschland geht es nun leider in die andere Richtung. Recht erschreckend.
    Dir trotzdem einen guten Start in die neue Woche. Lieben Gruß Sylvia

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  11. Schön, dasz es wirklich Besserung ist durch die OP, längerfristig, dann hat sie schlimme Zeit doch eine Entschädigung.
    Jaa, der Herbst ist da, bei uns gestern mit Regen und als ich zur Arbeiterfahnen-roten Lederjacke einen knallblauen Schirm trug, war mir seine Farbe dann selbst suspekt - ich werde einen anderen besorgen - - - (und sowas am Wahlsonntag!)

    Danke für Deinen Besuch bei mir und den nachdenklichen Kommentar. Ich hab noch eine Antwort geschrieben und kopiere sie hier rein - ich selbst komme auch nicht immer überall zweimal vorbei um evtl. Antworten dann noch wahrzunehmen -
    Eine immer bessere neue Woche wünscht Dir
    Mascha
    ... die auch Gudrun-Sjödèn-Fan ist, wobei sich das mehr auf das Sammeln der Kataloge beschränkt und nicht unbedingt aufs Kaufen (können), aber ab und zu mache ich mir da auch selbst ein Geschenk
    http://maschas-buch.blogspot.de/2014/12/a-christmas-gift-for-myself.html

    ***************
    Liebe Astrid, ich denke nicht, dasz LehrerInnen in der Lage sind, so etwas zu verhindern, besonders nicht in älteren Klassen (ist einfach eine ganz normale Gruppendynamik). Die ersten drei Jahre gab es gelegentl. auch schon solche Tendenzen, aber da war alles noch kindlicher, unschuldiger und die Kinder noch empfänglich für gut erzählte Geschichten und geschickte Beeeinflussung ohne erhobenen Zeigefinger (genau so war Frau D.), aber je eigenständiger Kinder werden, desto schwerer kommt man an sie heran. Erschwerend bei mir war dann auch noch die Situation der sozialistischen Schule, wo Individualität und jegl. Form der Abweichung absolut unerwünscht waren und Lehrer darauf dringen muszten, dasz sich jeder "ins Klassenkollektiv einfügt", notfalls eben auch mit Gewalt. Da wurde dann weggeschaut und vielleicht im Stillen gedacht: dann lernt sie es auf diese Weise endlich - - -
    Oder einfach Überforderung, ich weisz es nicht. Kann mich nur an zwei Lehrer erinnern, die das in ihren Stunden extra noch schürten, denn wenn ich "dran" war, wurden sie selbst wenigstens in Ruhe gelassen und konnten ihren Unterricht einigermaszen durchziehn, die hatten ja selber Angst!
    Und irgendwie sind doch alle nur Menschen...
    Liebe Grüsze
    Mascha

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  12. Die Kastanien sammelnde Familie und die beleuchteten Schaufenster gefallen mir heute besonders gut. Wieder ein sehr schöner Rückblick mit optimistischem Vorausblick im orthopädischen Sinne.
    Liebe Grüße

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  13. Ach schön deine Woche liebe Astrid, allerdings der Ausgang ist eine Kstastrophe!
    Liebste Grüße aus Wien ❤️
    Christel

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