Freitag, 30. Juni 2017

Barmherzigkeit


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"I am respectfully calling on his Royal Highness Crown Prince Mohammad bin Salman to write a new history in our country and a process of national reconciliation with Saudi prisoners of conscience.With full respect, my children and I are hoping that Prince Mohammad bin Salman will release my husband Raif Badawi and allow him to reunite with us in Canada", so hat Ensaf Haidar zuletzt ihre Hoffnungen zum Ausdruck gebracht.

Und ich Naivling habe wieder einmal gehofft, dass der Islam eine Religion der Barmherzigkeit ist und zum Fastenbrechen, dem hohen muslimischen Fest id al-fitr, das ab dem vergangenen Sonntag drei Tage gefeiert wurde, König Salman bin Abdulaziz al-Saud, der oberste Hüter des Islam, oder gar der am 21. Juni neu bestimmte Kronprinz Mohammed Bin Salman den seit nunmehr fünf Jahren eingesperrten Blogger Raif Badawi frei lassen, damit er mit seiner Familie in Kanada leben kann.

Pustekuchen! Die Chance wurde wieder einmal vertan ( immerhin scheint ein 64jähriger "Prisoner of conscience", der saudische Schriftsteller & Kommentator Dr. Zuhair Kutbi, am 23. Juni frei gekommen zu sein ).

Oder ich habe nicht begriffen, dass die Barmherzigkeit nur eine ( im Koran übrigens am häufigsten genannte  ) Eigenschaft  des Allererbarmers ist, mit der die, die an ihn glauben, aber so rein gar nichts zu tun haben. Das scheint eine zutiefst christliche Vorstellungsweise zu sein, die den Saudis wohl gänzlich fremd ist...

Was will man auch erwarten von einem Regime, das durch den neuen, forschen Kronprinzen ( zusammen mit seinem väterlichen Freund aus Abu Dhabi ) Anfang Juni erneut einem Nachbarn unerbittlich die Pistole auf die Brust setzt? Vor einer Woche wurde dem Emir von Katar nämlich ein Ultimatum von zehn Tagen gestellt. Dreizehn Punkte enthält dieses, darunter die Vorschrift, mit welchen Ländern das Emirat in welcher Form in Zukunft noch Verbindungen unterhalten darf.

Dass beim neuen saudischen Kronprinz der Colt locker im Halfter sitzt, wenn es nicht so läuft, wie er will, hat er als verantwortlicher Verteidigungsminister ja schon in Bezug auf den Nachbarn Jemen gezeigt. Ein eher unsympathischer Bursche...

Apropos Jemen: Das Land wird von der derzeit schlimmsten Cholera-Epidemie der Welt heimgesucht. Die WHO spricht davon, dass die Zahl der Verdachtsfälle bereits 200 000 überstiegen habe und täglich 5000 Kranke dazu kommen. Der schwere Durchfall und das Erbrechen führen durch Flüssigkeitsverlust oft zum Tod. Seit Ausbruch der Epidemie Ende April sind in Jemen mehr als 1300 Menschen an Cholera gestorben, ein Viertel von ihnen Kinder. Man rechnet mit 300 000 Infizierten bis Ende August.

16 Millionen Jemeniten haben wegen des Krieges keinen Zugang zu sauberem Wasser mehr, Abwassersysteme - und teils auch die Müllabfuhr - funktionieren nicht mehr.

Barmherziger Erbarmer, hilf du doch endlich...



Kommentare:

  1. Kein Erbarmer weit und breit...
    Diese Mentalität ist mir sowas von fremd. Das ganze Machtgetue und das damit verursachte Elend - von Macht-Menschenhand gemacht.
    Ein Lichtblick aber ist, dass wir heute bei uns die "Ehe für alle" bekommen haben. Das ist für mich ein Zeichen für Menschenrechte, das gut tut.

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  2. Ach Astrid, ich bin auch völlig ratlos. Mit der Barmherzigkeit ist das ja so eine Sache, leider auch bei den Christen. Aber die Gnadenlosigkeit der muslimischen Herrscher ist die blanke Gotteslästerung. Ich finde keine andere Bezeichnung dafür. Leider erlebe ich alle Formen von Gnadenlosigkeit auch in meiner Umgebung, vor allem bei den sog. rechtschaffenen Bürgern. Es ekelt mich.
    Ich wünsche Dir jetzt aber ein trotz Regen gemütliches Wochenende.
    Magdalena

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  3. Religion ist doch in der Regel ein Machtinstrument und hat mit Spiritualität nichts zu tun. In meinen Augen trägt der Islam das schon in seinen Wurzeln. Wer noch nicht mal Gerechtigkeit walten lassen kann, wie soll er dann Barmherzigkeit kennen?
    Liebe Grüße
    Andrea

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  4. Liebe Astrid, bei mir herrscht ebenfalls pure Ratlosigkeit. Meine Wenigkeit setzt sich ja immer, wo es geht z.B. bei Aufrufen von Change. org.,für Menschenrechte ein. Mir kommt aber alles wie ein Tropfen auf den heißen Stein vor, weil man oft vergeblich gegen Zustände ankämpft, die sich nicht ändern lassen.
    Mein Trost ist, dass es Menschen wie dich gibt, die nicht müde werden, den beschränkten Machthabern, die Stirne zu bieten.
    LG Gerda

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    1. Das kann ich gut verstehen. Aber Frau braucht einen langen Atem. Wenn ich daran denke, wie "ewig" es gedauert hat, bis die gestrige Entscheidung im BUndestag gebraucht hat: Als ich Kind war, kamen Schwule noch ins Gefängnis.
      Weitermachen, so lange es geht!
      GLG

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    2. Langer Atem und weitermachen... Ja. Natürlich. Aber manchmal will einen die Resignation an. Dann verordne ich mir eine Pause mit Abstand. Eine Woche ohne Trump hilft mir dann schon weiter... LG Ghislana

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  5. Barmherzigkeit..
    aber ich glaube zur Barmherzigkeit gehört auch die Demut
    und der Großmut
    an diesem fehlt es an allen Ecken und Kanten
    vor allem bei Menschen die so unreflecktiert durch das Leben gehen wie die "Herrscher"
    wer will ihnen schon den Spiegel entgegen halten und dadurch in Ungnade fallen ..
    Gnade ..auch so ein Pflänzchen das langsam verkümmert :(
    es ist gut den Finger immer wieder in die Wunde zu legen
    auch wenn es sicher bei denen die es betrifft nicht ankommt

    liebe Sonntagsgrüße
    Rosi

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