Sonntag, 28. August 2016

Mein Freund, der Baum: Silber - Weide


Den Baum, dem ich mein heutiges Porträt widmen möchte, habe ich eigentlich schon so lange "auf dem Schirm", aber es gab in diesem Sommer wenig Gelegenheit, sich aufzumachen, um besonders schöne Exemplare zu finden und zu fotografieren.

Was war ich froh, als ich dann am ersten Augustsonntag ein Exemplar im Stadtwald entdeckte! Gemeint ist die Silber - Weide/salix alba, ein in Mitteleuropa vor allem im Tiefland und in den Stromtälern bis in 900 m Höhe vorkommender sommergrüner Baum mit steil aufgerichteten Ästen.
























In unseren Regionen gibt es acht unterschiedliche Arten von Weiden, die alle an unseren Flussufern und sonstigen bodenfeuchten Stellen wachsen. Sie bilden mit Erlen und Pappeln gemeinsam den Baumbestand der sog. Weichholzaue. Weil Weiden gerne Bastarde bilden, ist das Bestimmen allerdings für Baumkenner oft sehr schwierig. 

Vielen bekannt sein dürften die sog. "Kopfweiden": Recht früh hatte der Mensch herausbekommen, dass Weiden sehr schnell wieder ausschlagen, und deshalb wurden bevorzugt Silber- und Korbweiden am Stamm auf eine Höhe von etwa 1 bis 3 Metern eingekürzt und die Zweige in den Folgejahren alljährlich regelmäßig zurückgeschnitten. Die langen Gerten wurden zu allerlei Flechtwerk, besonders Körben, verarbeitet, fanden Verwendung bei diversen Bindearbeiten bis hin zu Schnürsenkeln der armen Leute oder wurden in Verbindung mit Lehm als Baumaterial für Häuserwände benutzt ( Fachwerk ). 























Bekannt sind die Blüten, die sog. "Kätzchen", die männlichen -  bis 7 cm lang & gelb - und die weiblichen - gebogen-aufrecht, 5 cm lang, sehr schlank & grün -, die mit ihrem Erscheinen das sehnsüchtig erwartete Frühjahr begleiten.

Die Blätter der Silber - Weide sind schmal lanzettlich, bis zu 10 cm lang und 2 cm breit, ihre Ränder nicht umgeschlagen oder eingerollt, aber am Blattrand fein drüsig gesägt. An der Oberseite sind sie dunkelgrün, auf der Unterseite aber grausilbern & behaart. Diese Behaarung ist ein hervorragender Verdunstungs- und Strahlungsschutz. Damit ist die Silberweide gut an zeitweilige Trockenheit und der extremen Einstrahlung an Gewässerrändern angepasst.

Im Herbst färben die Blätter sich hellgelb.

Die Samen reifen zwischen Juni und Juli aus und tragen lange, weiße Haare ( als Flughilfe ), die wie Wollmäuse den Boden um die Weiden herum bedecken und vom Wind überallhin fortgetragen werden.


Die Wuchshöhe kann bis zu 35 Meter betragen, der Stammdurchmesser bis zu einem Meter. Die Rinde zeigt sich als gräuliche, tiefgefurchte Borke. Die hat die Eigenschaft, an den bevorzugten Standorten der Weide die Beschädigung des Baumes bei Eisgang oder Hochwasser durch mitgeführte Gegenstände zu verhindern. 

Die Weide ist neben der Erle die einzige Baumart, die mit ihren Wurzeln unter die mittlere Grundwasserlinie reicht. Ihre Wurzeln zeichnen sich aus durch ein besonderes Durchlüftungsgewebe. Sie kann dann Wurzelzöpfe ins fließende Wasser ausbilden. 


Der Name Weide hat indogermanische Wurzeln ( "biegsam" ), womit die  Eigenschaft der Zweige beschrieben wird.

In vielen Sagen und Bräuchen gilt die Weide als Baum der Unfruchtbarkeit, der Ehrlosigkeit, der Trauer und des Todes. Gespenster verwandeln sich in Weiden. Die Germanen verehrten die Weide als Sitz der großen Gottheiten. Nach ihrer Christianisierung wurden die Weiden dann aber zum Hort tanzender Dämonen umgewandelt. Die Weide war DER Hexenbaum, und wenn eine Frau nachts in ihrer Nähe gesehen wurde, machte sie sich sofort verdächtig.

Die Weide spielt bis heute in Naturheilverfahren eine Rolle und gilt als Klassiker unter den Schmerzmitteln. Ihre Rinde enthält das Salicin, das nach der Magen-Darm-Passage im Blut und in der Leber nach und nach in die für uns verträgliche Salicylsäure umgewandelt wird. Die synthetische Salicylsäure ist im allseits bekannten "Aspirin" enthalten.

Weitere Baumfreunde treffen sich heute wieder bei Ghislana/Jahreszeitenbriefe...





Kommentare:

  1. Ich mag Weiden gern, aber ich habe vor deinem Post nicht viel mehr darüber gewusst, als dass es Bäume sind, die in Wassernähe wachsen. Und so herrlich rauschen, wenn Wind aufkommt.
    Ein feiner Post!
    Hab einen schönen Sonntag ... Frauke

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  2. Liebe Astsrid,
    ich mag die Silberweiden sehr. Schön, dass du dich dieses Baumes angenommen hast.
    Einen schönen Sonntag wünscht
    Irmi

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  3. Liebe Astrid
    ich mag die Form der Weide!
    Den tieffurchigen Stamm und das schmale fast zarte Blatt.
    Und natürlich ihr Lied im Wind!
    Das wunderschön illustrierte Kinderbuch
    "Der Wind in den Weiden" von Kenneth Grahame.
    Vielen Dank für dieses Porträt.
    Christa

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  4. Es tut mir sehr leid, liebe Astrid. Auch wenn es nicht unvorbereitet kommt wie meiner Mama, selbst wenn das Einschlafen hoffentlich friedlich war und selbst wenn man vielleicht weiß, dass es eine Erlösung war, ist der Verlust der Eltern einfach einschneidend und schmerzhaft, lebenslang. Ich wünsche dir, dass du ausreichend Raum zum Trauern für dich findest. So viel Verlust innerhalb kurzer Zeit.:-(

    Sehr alte Weiden stehen hier auch am Flussufer. Ich finde Bäume sehr tröstlich, vor allem alte, die fest verwurzelt sind.

    LG, Katja

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  5. Aha, wieder erfahre ich, dass ich wohl zu den Hexen gehöre ;-). Ein wunderbarer Beitrag, liebe Astrid. Danke dir! Deine kenntnisreichen Baumposts sind so eine Bereicherung. Deine detaillierten naturkundlichen Recherchen gehen mir ja irgendwie ab. Wie schön, dass ich dich da hab! Nun rätsle ich, was wohl das für eine alte Weide war, die wir am Ufer der Dahme fotografierten... Hier war sie auf unserer Radtour mit dabei: http://jahreszeitenbriefe.blogspot.de/2014/11/mein-freund-der-baum-doch-die-linde-ist.html. Alles Liebe dir - Ghislana

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  6. LIebe Astrid, wundervolle Fotos hast Du gemacht. Dieser Stamm ist einzigartig schön. Ich mag Weiden sehr.
    glg Susanne

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  7. Ich bin dann wohl dich eine Hexe. Ist dieser Baum mir sehr lieb. Schon wie die Zweige sich im Wind hin und her bewegen. Als Kind habe ich mich gerne darunter versteckt.
    Tolle Zusammenfassung.
    Liebste Grüße
    Andrea

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  8. Weiden, sehr zahlreich in unserer Gegend, mag ich sehr. Als Baum, der von Zauber, Magie und Urkräften umwoben war, war sie während der Christianisierung manchem wohl ein Dorn im Auge...
    Liebe Grüße
    Andrea

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  9. ...hier in den Rheinauen wachsen sie viel, liebe Astrid,
    die Silberweiden, dort stehen sie wochenlang im Wasser, wenn die Auen überflutet sind...ich mag sie sehr,

    liebe Grüße
    Birgitt

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  10. Hab 2 im Garten. Sie wachsen gigantisch schnell... auch wenn wir von 35 Metern noch weit entfernt sind ;-)

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  11. als kind waren mir diese weiden ein wenig unheimlich - wahrscheinlich wurde mir von den hexen erzählt... heute find ich sie wunderschön und bin immer ganz verzaubert von den "wollmäusen"!
    liebe grüße, mano

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  12. Da hast Du einen meiner Lieblingsbäume ausgesucht, wundeerbar. Es ist der Baum meiner Kindheit.
    LG
    Magdalena

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  13. Liebe Astrid, unbekannter Weise möchte ich mich in aller Stille den tröstenden Worten anschließen. Aber nein, es gibt keinen Trost. Ich weiß leider schon, wie sehr es schmerzt. Immer immer wieder spreche ich im Stillen mit meiner Mama.
    Deine Posts sind immer sehr informativ.
    LG lykka

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