Sonntag, 31. Januar 2016

Mein Freund, der Baum: Waldkiefer































Kiefern sind mir von klein auf vertraut und gehören für mich zu unseren Wäldern dazu, so dass es mir kaum glaubwürdig erschien, als ich las, sie wären von Natur aus bei uns eine seltene Baumart, weil sie in Konkurrenz mit schattenverträglicheren Baumarten nur an den Rändern der Wälder gedeihen können. Einzig auf nährstoffarmen, trockenen oder nassen Böden wie auf Sanddünen oder an Moorrändern hätten sie einen Standortvorteil & können die anderen Baumarten dominieren – ein wahrer Überlebenskünstler also.





























Da der junge Baum aber sehr robust ist und auch unter schwierigen Verhältnissen noch gute Holzerträge liefert, haben Waldbesitzer und Forstleute die Waldkiefer seit dem späten Mittelalter bei uns großflächig angebaut. Sie ist nach der Gemeinen Fichte die zweithäufigste Baumart in den deutschen Wäldern! Natürliche Kiefernwälder sind bei uns hingegen selten.

Verbreitet ist sie im gesamten eurasischen Raum vom Polarkreis im Norden bis in den Süden der Türkei sowie von Westdeutschland bis weit in den Osten nach Asien hinein. Darüber hinaus gibt es isolierte Vorkommen in Schottland und den Pyrenäen. Waldkiefern bevorzugen kontinentales Klima.





























Die Waldkiefer/Pinus sylvestris wird auch Gemeine Kiefer, Rotföhre, Weißkiefer, Kienbaum oder Forche genannt. Sie ist ein immergrüner Nadelbaum, der schnell wächst und Höhen bis zu 48 Metern erreichen kann bei einem Stammdurchmesser von bis zu einem Meter. Dabei können die Bäume bis zu 600 Jahre alt werden, werden in der Forstwirtschaft gewöhnlich aber nach einer Wachstumszeit von 80 bis 140 Jahren bzw. nach Erreichen einer bestimmten Stärke "geerntet".

Typisch für die Waldkiefern sind ihre sehr variablen Kronen, zumindest wenn die Bäume nicht in gleichaltrigen, in Reihen gepflanzten Beständen aufwachsen. Am schönsten sind die Baumkronen also bei freiem Stand: Je nach Standort kommen schmale kegelförmige oder breite schirmförmige Kronen vor. Ältere Bäume haben oftmals eine halbkugelige Krone und einen vollholzigen langen Stamm, bei dem die unteren Äste abgestorben sind. Auf Felsuntergrund oder als Windflüchter an Küsten bildet die Waldkiefer eine ausladende Schirmkrone aus. Bei Wind erzeugen Kiefernkronen ein helles Rauschen, das keine andere heimische Baumart zustande bringt.

Im Boden verankert sind sie auf tiefgründigem Boden mit einer Pfahlwurzel, die bis in 6 Meter Tiefe reichen kann. Auf flachgründigen bzw. felsigen Böden hingegen bildet die Kiefer ein weitverzweigtes, flachstreifendes Wurzelsystem aus.





























Waldkiefern gehören zu den 2-nadeligen Kiefern. Die Nadelpaare sitzen 3 bis 4 Jahre am Zweig und erreichen ein Länge von 2,5 bis 7 cm. Die Färbung schwankt von gelbgrün bis blaugrün und ist abhängig vom Standort. 

Waldkiefern sind einhäusig. Damit ist gemeint, dass weibliche und männliche Blüten am Baum gemeinsam vorkommen. Die männlichen Blüten sind gelb, die weiblichen rötlich und unscheinbar, also nur bei genauem Hinsehen als Blüten erkennbar. Blütezeit ist im Mai/Juni, die Samenreife findet in den Zapfen im September/Oktober des folgenden Jahres statt. 





























Das sehr harzreiche Holz hat ein warme, gelbliche bis schwach rötliche Färbung. Kiefernholz ist ein gutes und gefragtes Konstruktionsholz im Innen- und Außenbau und für Möbel, verformt sich wenig und ist dauerhaft haltbar,  aber recht weich. 

In der Vergangenheit verwendete man die sog. Kienspäne aus dem harzreichen Holz der Kiefer als Lichtquelle. Der Ruß, der beim Verbrennen von Kiefernholz entstand, wurde zur Herstellung von Farben, Tusche, Druckerschwärze und Schuhcreme genutzt. Eine besondere Bedeutung hatte die Kiefer früher für die Gewinnung von Baumharz als Grundstoff für Lacke & Klebstoffe, pharmazeutische und kosmetische Artikel.





























Für die Kelten ist die Kiefer der Baum der Geduld und im keltischen Baumhoroskop werden die vom 19. bis 29. Februar und vom 24. August bis 2. September Geborenen ihr zugeordnet. 

Wer in dieser Zeit Geburtstag hat, soll sehr genügsam & bescheiden in seinen Bedürfnissen sein. Solche Menschen stellen keine übertrieben große Erwartungen an ihre Mitmenschen & besitzen die Fähigkeit, aus schwierigen Situationen gestärkt und mit Gewinn hervorzugehen. Es sind Morgenmenschen und Praktiker, die richtig zupacken können.

Bei uns spielt die Kiefer in Sagen und Mythen keine Rolle, bei den Schotten und Wikingern dagegen wurden Clanhäuptlinge & Kriegshelden unter ihnen begraben bzw. sie in ihren Drachenschiffen aus Kiefernholz bestattet.

Ich mag sie vor allem wegen ihres Duftes, und würde gerne einmal eine Kiefer als Weihnachtsbaum haben...



Weitere Baumfreunde ( und die, die es werden wollen! ), treffen sich heute wieder bei Ghislana/Jahreszeitenbriefe

Kommentare:

  1. les pins avec leurs longues aiguilles ! dans le jardin ici il y en a trois différents * mais partout dans le midi les chenilles processionnaires envahissent les bosquets plantés de plusieurs pins...j'aime cette idée que tu rappelles, qu'il se cache des légendes dans ces conifères ! et les rouleaux chinois avec des pins tortueux poussant en haut des montagnes montrent aussi la beauté de cet arbre *** bon dimanche ***

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  2. bei uns gibt es auch diese 'chenilles' übersetzt von google : heerwurm
    auch in meinem garten habe ich solche gefunden... obwohl ich keine pinie habe...
    ich finde diese bäume sehr schön , das baumhoroskpo habe ich durch dich entdeckt:))) wünsche dir einen schönen sonntag!

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  3. informationen, die mich mal wieder staunen lassen... wurzeln, die bis zu 6m in die erde gehen, beeindruckend!
    na, dann wird wohl nächstes jahr zu weihnachten mal eine kiefer unser weihnachtsbaum sein!
    herzlichste grüße & wünsche an dich
    amy

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  4. ...Für die Kelten ist die Kiefer der Baum der Geduld ...

    Nun, mein Geburtsdatum fällt außerhalb der Geduldsspanne - aber spannend ist es doch.

    Liebe Grüße zum Sonntag - Monika

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  5. Liebe Astid,

    ich mag Kiefern sehr, weil sie so gut riechen. Und im Gegensatz zu anderen Nadelbäumen haben sie keine so feindselige Ausstrahlung, sondern sind so luftig, leicht wie Laubbäume. Am liebsten habe ich sonnige Mischwälder mit Eichen, Buchen und Kiefern - voll Heidelbeeren und Pilzen :) (So wie in meiner Kindheit)

    Liebe Grüße
    und einen schönen Sonntag!
    Veronika

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  6. Toll sind auch die zweifarbigen STämme, ich freu mich immer wenn ich mit dem Zug fahre und bei Nürnberg diese orangen Stämme entdecke, dann ist es nicht mehr weit bis dahein.
    Grüße

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  7. Da habe ich schon wieder etwas gelernt. Ich finde sie ungemein mächtig und eindrucksvoll.
    Liebe Grüße
    Andrea

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  8. Ich habe in der vergangenen Weihnachtszeit die Entdeckung gemacht,dass sich Kiefernzweige auch wunderhübsch als Gesteck in der Vase machen...und erinnerte mich plötzlich daran, dass diese Art von Weihnachtsgesteck bei meinen Großeltern üblich war...Dir noch einen schönen Sonntag! LG Lotta.

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  9. Wir hatten im Hausgarten eine wunderschöne, alte Kiefer stehen. Sie musste vor ein paar Jahren weichen, weil sie zu nah an Nachbars Grundstück stand!!! Ich trauere ihr immer noch nach: der Duft der Zweige, das Knistern der aufgehenden Zapfen und der natürliche LIcht-und Schattenblick fehlt. Dein Post hat mich daran erinnert.
    Sonntagsgrüße zu Dir
    heiDE

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  10. Die Waldkiefer war Baum des Jahres 2007 - Und auch Dichter beschäftigen sich mit der Kiefer. Theodor Fontane hat ihr in seinem Gedicht "Mittag" ein Denkmal gesetzt.
    "Am Waldessaume träumt die Föhre,
    am Himmel weiße Wölkchen nur,
    es ist so still, dass ich sie höre,
    die tiefe Stille der Natur.
    Rings Sonnenschein auf Wies' und Wegen,
    die Wipfel stumm, kein Lüftchen wach,
    und doch, es klingt, als ström' ein Regen
    leis tönend auf das Blätterdach."

    Danke für den schönen Beitrag "Mein Freund, der Baum".
    Wünsche allen noch einen schönen Rest-Sonntag. LG, Gerda

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  11. hach, mir wird ganz heimatlich zumute, da mich ja Kiefern hier auf Schritt und Tritt begleiten, leider wenig frei wachsende... Auf den besonderen Geruch sprechen mich viele an, ich selber nehme das nicht mehr so bewusst wahr, es sei denn ich pflücke mir ein getrocknetes Harztröpfchen ab... Wir hatten in der elterlichen Familie meist, eigentlich immer, Kiefern als Weihnachtsbaum, meist mehr oder weniger legal frisch aus dem Wald. Heute gehören hier die Familienaktionen, bei denen der Förster zu möglichen Weihnachtsbäumen führt und sie vor Ort geschlagen werden, zu einer beliebten vorweihnachtlichen Beschäftigung... Danke dir für die Blumen, ähm, Kiefern ;-) (Auch deinen neuen 12tel Blick werde ich gar neugierig verfolgen.) Herzlich Ghislana

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  12. Ich liebe nicht nur ihren Geruch, sondern auch ungemein ihr schönes Rauschen im Wind.
    LG lykka

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  13. Danke für diesen sehr interessanten Beitrag. Und wie ich sehe, hast du ja schon eine unglaublich lange Liste an Baumporträts. Da muss ich ab und an mal reinschaun.
    Liebe Grüße
    Elke
    ___________________
    mainzauber.de
    elkeheinze.de

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  14. Dem Horoskop nach, bin ich auch eine Kiefer und für diesen Monat habe ich mir ebenfalls die Kiefers als Baumfreund ausgesucht.
    Allerdings unterscheiden sich unsere Kiefern sehr, in ihrem Aussehen voneinander.
    LG Heidi

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