Sonntag, 29. Juni 2014

Mein Freund, der Baum: Bergulme



Ulmen habe ich zum ersten Mal eigentlich so richtig bei meinem ersten Griechenlandaufenthalt 1975 wahrgenommen. Dort wuchsen sie in den Schluchtenwäldern der Insel Evia. Später habe ich noch von ihrer Gefährdung durch einen vom Ulmensplintkäfer übertragenen Pilz erfahren ( den Käfer selbst habe ich in meiner Entomologenphase dann auch gesammelt ).

Doch ich habe nie gewusst, wie die Früchte dieses schönen Baumes aussehen. Die sind mir erst an einem besonders prächtigen Exemplar im Wiener Burggarten aufgefallen ( das war im April, deshalb die blühenden Flieder im Vordergrund ):



Das Besondere bei der Ulme ist, dass beim Laubaustrieb die Früchte bereits reif sind und bald abfallen. Weil das Nüsschen ( so nennt man die Frucht ) verhältnismäßig schwer ist und mitten im scheibenförmigen Flugapparat positioniert, werden die Früchte nur von besonders kräftigem Wind weitergetragen. Meistens fallen sie also in der Nähe ihres Mutterbaumes zu Boden. Eine weitere Besonderheit ist auch, dass der Fruchtbehang so lange, bis sich die Blätter entfaltet haben, die Assimilation der Pflanze übernimmt.





























So lernt man also auch in späten Jahren was dazu, denn ich habe zu Hause natürlich sofort in meinem Baumbestimmungsbuch nachgeschaut, welche Früchte da auf meinem Foto zu sehen sind ( anhand der Blätter war ich nämlich nicht dazu in der Lage ).

Rüster - so heißt übrigens das Holz der Ulme - ist ein begehrtes und durch das Baumsterben selten gewordenes Holz für Möbel und für Furniere, besonders, wenn es schön gemasert ist. 
Viele Biedermeiermöbel sind aus dem Holz der Ulme geschreinert, und in der Nachkriegszeit habe ich die Erwachsenen noch begeistert von Rüstermöbeln erzählen hören ( und ganz vage erinnere ich mich an hochpolierte Schränke mit interessanter Maserung ).

Bei weiteren Recherchen habe ich dann noch in Erfahrung gebracht, dass die Ulme im antiken Griechenland dem Götterboten Hermes, dem Beschützer der Kaufleute und der Diebe, zugeschrieben wurde. Die geflügelten Ulmenfrüchte begleiteten jeweils die Seelen, welche von Hermes vor den Weltenrichter gebracht wurden - welch hübsche Vorstellung! Außerdem wurden zum Gedenken an gefallene Helden von den Nymphen Ulmenhaine gepflanzt. Kein Wunder also, dass mir die Bäume in diesem Land erstmals aufgefallen waren!

In Südfrankreich hatte die Ulme die Stellung inne, die bei uns die Linde in frühen Zeiten eingenommen hat, als Ort der Rechtsprechung und der Verkündigung. An schöne Einzelexemplare im Vaucluse kann ich mich erinnern. 

Doch die Früchte, die habe ich erst im Wiener Frühling kennengelernt. Und diese Tatsache hat nun zu diesem Post geführt....


Ich freue mich besonders, dass meine liebe Bloggerfreundin Ghislana/Jahreszeitenbriefe von Rebekka die Aufgabe übernommen hat, ab sofort diesen und andere Baumpost zu sammeln.


Kommentare:

  1. Wieder so ein höchstinteressanter Baum-Post! Herzlichen Dank! LG Lotta.

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  2. Sehr informativ, Dein Ulmenpost, sehr interessant!
    Vielen Dank und liebe Grüße sagt Petra

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  3. Wieder was gelernt... das hab ich auch alles nicht gewusst!
    Danke dafür und einen tollen Sonntag wünsch ich Dir
    (wann biste denn eigentlich wieder hier?)
    LG
    Pamela

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  4. Das alles wusste ich bisher nicht. Man lernt halt wirklich nie aus.
    Lieben Gruß
    Katala

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  5. deine virtuelle baumallee, in der jetzt schon 14 beschriebene bäume stehen, finde ich wundervoll:) dass du auf sie afmerksam machst und dann noch die geschichten dazu findest, ist toll. mit genuss gelesen, um jetzt auf die suche zu gehen;)
    liebst birgit

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  6. Spannende Informationen! Jetzt gucke ich mir die Ulmen mal genauer an.
    Liebe Grüße
    Andrea

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  7. Hallo Astrid,
    soviel Interessantes und Wissenswertes rund um die wunderschönen Ulmen, Danke Dir, vor allem auch für die herrlichen Fotos!
    Liebe Grüße
    moni

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  8. ...sehr interessant, liebe Astrid,
    muss direkt mal Ausschau halten, ob es bei uns auch welche gibt...und mir deine Linksammlung merken, wenn ich mal was über Bäume wissen möchte...
    zum Geburtstag bekam ich eine Bonsaiulme geschenkt...Binsais haben mich noch nie interessiert und prompt hat sie erstmal alle Blätter abgeworfen, aber nach zwei Tauchgängen hat sie sich wieder erholt und trägt wieder ein grünes Kleid...

    lieber Gruß
    Birgitt

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  9. Oha! So groß und breit können Ulmen werden! Bei uns säumen sie die schmale Straße, rechts und links Mehrfamilienhäuser... vielen Dank für Deinen lieben Kommentar auf meiner Seite, durch den ich deinen schönen Blog erst entdeckt habe! Spannende Reihe, deine Baum-Reportage! Vielen Dank dafür, ich freu mich auf mehr! :)
    Liebste Grüße! ♡
    Frau Nahtaktiv

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  10. Bei uns ist hier weit und breit nichts von einer Ulme zu sehen.
    Ausser bei meiner Nachbarin im Garten. Sie hat so ein gezüchtetes Zwergbäumchen.
    Schade eigentlich !

    Liebe Grüße, Claudi

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  11. Ein sehr interessanter Beitrag. Bei uns sind die Ulmen leider auch sehr rar geworden.
    Schönen Gruß,
    Luis

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  12. Toll, was man bei dir über Bäume erfährt ...

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  13. Endlich komme ich dazu deinen spannenden Beitrag über die Ulme zu lesen..., ich tauche gerade wieder auf und wieder ein in die Bloggerwelt... Danke fürs Verlinken bei mir, ich freue mich auf viele weitere Bäume. Eine kleine Ulme wächst bei mir im Garten. So riesig darf sie leider nicht werden..., das darf nur der Hausbaum... ;-) Ganz lieben Gruß und morgen lese ich mehr! Ghislana

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