Sonntag, 11. November 2012

Der Elfte im Elften































Heute, pünktlich um 11.11 Uhr, beginnt hier in Köln wieder die fünfte Jahreszeit, der Karneval. Auf einer großen Bühne am Heumarkt gibt es ein zehnstündiges Spektakel für alle Karnevalsbegeisterten & Touristen.

Ansonsten bleibt das karnevalistische Treiben vor Weihnachten aber auf Sitzungen & Bälle beschränkt. So startet die inzwischen auch überregional bekannte Stunksitzung am 18. Dezember, die "Lachende Kölnarena" gar einen ganzen Monat später, doch in den kleinen Vereinen & Veedelsgruppen laufen die Überlegungen & Vorbereitungen schon jetzt auf Hochtouren...

Ich bin 2007, zwei Wochen vor dem Schull- un Veedelszöch am Karnevalssonntag,  sozusagen in   den Karneval hineingeschlittert:
Bei einem Auftritt von Jürgen Becker im Altenberger Hof trafen wir auch unseren Hausarzt & seine Frau, die beide zu einem sehr erfolgreichen "Stammdesch" gehörten. Sie wusste aus unserer gemeinsamen Kindergartenzeit, dass ich nähen konnte, und meinte zu mir: "Du bist unsere fehlende Rheintochter! Wir rechnen schon mit dir." "Da wissen Sie mehr als ich!", hätte Jürgen Becker sicher geantwortet, mir hingegen verschlug's die Sprache. Aber alle meine Unsicherheiten wurden schnell ausgeräumt & eine Essenseinladung zum nächsten Wochenende ausgesprochen.

Essen, ja, das gab es an diesem Abend auch, aber außerdem standen Nähmaschinen auf dem Tisch & Kostümteile lagen auf den Stühlen im Wohnzimmer unserer Gastgeber. Auch für mich lag  ein Nixenschwanz zugeschnitten bereit, dazu ein Lappenröckchen, Perücke, Ringelhemd & - strumpfhose  und ein grünschillerndes Mieder. Schnell wurde ich eingewiesen, wie die Verstärkungsdrähte in den Schwanz eingenäht werden mussten, und bei einer Stellprobe eine Woche später erfuhr ich dann, dass ich den ganzen Zugweg über an einer Stange einen Teil des riesigen Vater Rheines tragen sollte. 

Also fand ich mich am 18. Februar am Aufstellplatz in der Südstadt ein, in einem kurzen Röckchen mit Nixenschwanz, Ringelstrumpfhosen ( quergestreift - bei meinen Beinen!!! ), einem Mieder, das auf der Rückseite nur mit Sicherheitsnadeln geschlossen wurde ( unter meinem Niveau!! ) & mit einer fusseligen Barbie - Perücke ( ich blond? - niemals! )  auf dem Kopf - jeder blamiert sich halt, so gut er kann, dachte ich.

So unmöglich, wie ich mich fand, empfand das wohl keiner im Publikum. Begeistert reagierten die Menschen, wenn ich mich auf sie zu bewegte ( nur die Schwulen an der Hohen Pforte beachteten mich nicht, sondern nur die beiden Herren vor und nach mir in ihrem Nixenkostüm :-)). Und dann der Gipfel:
Unser Stammdesch gewann die Teilnahme am Kölner Rosenmontagszug!

An dem nahm dann auch mein Mann als Ersatz für den Mann mit der decke Trumm vom Vortag teil. Ein Virus hatte uns erfasst...
































Kölle Alaaf!
Astrid


Kommentare:

  1. Ist schon interessant mal hinter die Kulissen der Jecken zu schauen. Ich als echtes Nordlicht habe keine Affinität zum Karneval. Daran hat sich auch in 20 Jahren nichts geändert, die ich mittlerweile im Ostwestfälischen wohne. Hier wird ebenfalls gefeiert, sicher nicht auf dem Niveau wie im Rheinland, aber dennoch kräftig und gerne. Allerdings ohne mich, ich gehe dann gerne in Deckung, finde das Treiben als solches aber immer irgendwie in seinem Wesen interessant.

    Olle mehhhh!
    Wie man hier im Nachbarort während des Karnevals zu rufen pflegt ;)

    LG Doris

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  2. Wundervoll!!!! Ich wünsche euch viel Spaß. Wir sind selbst Jecke - alle geborene Kölner, es war nicht anders zu erwarten. Selbst unsere beiden kinder gehen seit ihrem ersten Jahr im zug mit - nicht am Rosenmontagszug, sondern hier im Westen, vor den Toren der schönsten Stadt. Ich liebe den Karneval... den Straßenkarneval. Mit dem Kneipenkarneval kann ich nicht viel anfangen. Aber auf den Straßen zu Tanzen, sich zu verkleiden... oh wie freu ich mich wieder. Morgen ist das Karnevalstreffen im Kindergarten - Kostümplanung und so... immerhin gehen wir mit beinahe 100 Leuten regelmäßig mit...

    Alaaf!!!!
    Alles Liebe
    Die pitti

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    1. Oh, da habt ihr ja noch was vor euch! Bei uns ist jetzt das Motto klar & größtenteils auch, was für Kostüme getragen werden sollen ( oft wird auch wieder was recycelt ). Und ein Treffen der Schnitt-Erstellerinnen bzw. Zuschneiderinnen soll auch bald stattfinden...
      Viel Erfolg!

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