Noch im September habe ich das Buch "Das Pfauengemälde" von Maria Bidian zu lesen begonnen. Gestoßen bin ich darauf, als ich - ebenso zufällig - den Film ihrer Schwester Alexandra über ihre gemeinsame Reise mit ihrer Mutter zu den Ursprüngen ihres exilierten Vaters in Rumänien entdeckt & angeschaut habe, der viel in mir ausgelöst hat. Ich kann auch nicht wirklich erklären, was mich an diesem so vielfältigen Kulturraum Rumänien so anzieht ( wahrscheinlich ist es gerade DAS ) und mich immer wieder zu Büchern von Autor*innen greifen lässt, die dort ihre Wurzeln haben.
Ana kehrt zwei Jahre nach dem überraschenden Tod des Vaters nach Rumänien zurück, um ihren Anteil am restituierten Eigentum der Familie - das Pfauengemälde - nach Deutschland zu holen. Dieses Bild war dem Vater in seinen Erinnerungen an die großbürgerliche Lebensform seiner Familie vor der Enteignung durch die Kommunisten das Wichtigste, davon hatte der sonst so schweigsame Mensch dem Mädchen seit frühester Kindheit erzählt und ihr das Bild zugesprochen, sollten sich endlich die Zeiten in seinem Heimatland ändern. Es ist auch eine Rückkehr in eine große, schier unüberschaubare Familie, die einander herzlich zugetan ist.
Die Gegenwart mit u.a. kafkaesken Behördenszenen und mitteleuropäischer, neuzeitlicher urbaner Betriebssamkeit überlagern sich mit Erinnerungen an den Vater wie an kindliche Feriensommer vor Ort und Kapiteln aus einem Jahrhundert wechselvoller rumänischer Geschichte. Wobei der Anfangszeit der kommunistischen Herrschaft nach dem 2. Weltkrieg mit Enteignung, Zwangsarbeit, Gefängnis, Bespitzelung eine besondere Bedeutung zukommt, denn Anas Vater Nicu saß in einem solchen Gefängnis als Schüler und wurde gefoltert, weshalb er später ins Exil nach Deutschland gegangen ist. Von der rumänischen Revolution erfährt man in einem Buchkapitel zu einer aktuellen Ausstellung im Dorf. Und um die anhaltenden Proteste geht es im vorletzten Kapitel des Buches. Die Erzählerin fühlt sich "so voller fremder Geschichten, dass ich nicht wusste, wo noch Platz für meine eigene sein sollte."
Diese Mischung aus Familiengeschichte und historischer Aufarbeitung sowie Anas Weg der Selbstfindung &-heilung - sie macht sich immer wieder Vorwürfe, dass sie nicht rechtzeitig am Sterbebett des Vaters gewesen ist und trauert, trauert, trauert - hat mir gut gefallen, auch wenn die Zeitebenen nie klar voneinander getrennt gewesen sind. Gerade dieser innere Monolog, die teilweise poetische Sprache wie die mitunter surreal wirkenden Beschreibungen von Erlebnissen in Stadt & Land haben mich bei der Stange gehalten, so dass ich das Buch an zwei Abenden gelesen hatte.
Da die Auseinandersetzung mit der eigenen Familiengeschichte bekanntlich nie endet, bleibt auch das Ende der Reise im Roman ein offenes und mir ist wieder ein Stück klar geworden, warum mich solche Geschichten faszinieren, was sie mit mir und meiner Lebenserfahrung, bewusst wie eher unbewusst, zu tun haben. Ein vielversprechendes Debüt!
Mein nächstes Buch war von Milena Michiko Flašar, von der ich im Januar 2025 bereits eines gelesen hatte, das mir gefallen hat. Den Titel - "Herr Kato spielt Familie" - fand ich irgendwie amüsant.
Die Gefahr, am Ende des Berufslebens in ein seelisches Tief zu geraten, ist bekannt, gerade auch in Japan, wo mit dem Rückzug aus dem Arbeitsleben und mit der damit gewonnene Zeit nicht unbedingt neues Glück verbunden ist. Herr Kato wünschte sich, er wäre wenigstens ernsthaft krank. Oder ist er das schon ? Weil...
"... er sich immerzu fragt und fragt und fragt, ohne dass sich daraus ein Sinn ergibt, und ob das nicht symptomatisch ist für eine Krankheit, dass er keine Ruhe hat vor den Fragen, gerade morgens nicht, wenn er die Augen aufschlägt, dass dann die Sinnlosigkeit auf seinen Brustkorb drückt."
Herr Kato hat Glück, denn er findet als "Stand-In" -Darsteller einen ungewöhnlichen Weg aus der Krise. Nachdem er auf einem Friedhof, der an Eisenbahngleisen grenzt, anfängt, auf seinen ärztlichen Befunden herumzutrampeln, zu tanzen und herumzuschreien, spricht ihn eine junge Frau an:
"Sie sehen mir aus wie einer, der viel zu selten und viel zu wenig gebraucht wird."
Und so kommt er über diese Frau zu einer Agentur namens "Happy Family", die eben solche "Stand-Ins" vermietet, also Schauspieler, die Verwandte oder Freunde bei Hochzeiten, Beerdigungen oder einfach anderen sozialen Zusammentreffen mimen. Und schon sind wir wieder in einer Geschichte im "J-Mode", typisch für die Autorin. Die nutzt gerne den literarischen Spielraum in Japan, in welchem Rollenspiele ausprobiert werden können, die in europäischen Kostümen noch ein wenig merkwürdig wirken würden.
Was dann aber beschrieben wurde, waren viel Alltagsszenen, die die Umgehensweisen der Menschen miteinander in ihren sozialen Gebilden schilderten, wie sie auch bei uns gang und gäbe sind und mich immer wieder haben schmunzeln lassen, da nur allzu bekannt, auch von mir selbst. Irgendwie findet Herr Kato in seinen Rollen, die er als "Stand-In" übernimmt, Erfüllung und seine eigenen familiären Verhältnisse verändern sich. Frau fragt sich allerdings dann auch immer wieder: Was ist jetzt gespielt, was ist echt? Das war kurzweilig zu lesen. Und dennoch hat mich der Schluss dann etwas enttäuscht.
Auf meiner Liste - ich habe inzwischen gut die Hälfte "abgearbeitet" - der hundert Bücher stand auch "Giovannis Zimmer", ein kurzer Roman von James Baldwin von 1956, den ich mir aus dem Regal gezogen habe, mit schon reichlich bräunlichen Seiten, wahrscheinlich noch aus Studentenzeiten meines Mannes selig. Dieser Roman avancierte in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts zum wichtigsten schwulen Klassiker der amerikanisch-europäischen Literatur und war in Deutschland lange zusammen mit Thomas Manns Novelle vom "Tod in Venedig", das, was junge homosexuelle Männer als erstes in die Hände bekamen, wenn sie sich mit ihrem Anderssein beschäftigt haben. Aber haben Romane ein Verfallsdatum? Vergilben/veralten sie wie das Papier bei meinem Exemplar? Bleibt "Giovannis Zimmer" eine traurige Reminiszenz an eine viel intolerantere Zeit? Das galt es zu überprüfen.
David - den man ruhig als das alter ego des Schriftstellers, nur in weiß - lesen darf, hat in New York nur eine flüchtige sexuelle Begegnung im Jugendalter gehabt und überquert mit Mitte zwanzig den Atlantik, um in Frankreich zu leben.
"Hätte ich auch nur die leiseste Ahnung gehabt, dass das Ich, das ich finden würde, sich als dasselbe Ich entpuppen würde, vor dem ich so lange weggelaufen war, ich glaube, ich wäre zu Hause geblieben. Andererseits wusste ich tief in meinem Herzen wohl ganz genau, was ich tat, als ich das Schiff nach Frankreich bestieg."
Dort verlobt er sich mit einer Amerikanerin, die zunächst eher fluchtartig in die Staaten zurückgekehrt, später eine Auszeit in Spanien nimmt ist. Sein Vater ruft ihn immer wieder zurück, weil das Geld knapp wird. David jedoch bleibt in Paris, pumpt seinen homosexuellen Bekannten Jacques an, gerät mit diesem immer mehr in die "Szene". In weiteren Reminiszenzen erfährt man von seiner Begegnung mit dem Barmann Giovanni, wie man sich näher kommt: "Das Tier, das Giovanni in mir geweckt hatte, würde sich nie wieder schlafen legen, auch wenn ich eines Tages nicht mehr mit Giovanni zusammen wäre." Man lebt zusammen in Giovannis Dienstmädchenzimmer, bis Hella zurück kommt. Was sich in diesem Raum ereignet, in dieser scheinbaren Enge, ist ein ausuferndes Leben. Und dennoch gibt David es auf, kündigt seine Heirat mit Hella an, trifft aber immer wieder auf Giovanni und verspürt Eifersucht, weil dieser eine Beziehung mit Jacques zu führen scheint. Er erwägt eine Flucht nach Südfrankreich, zusammen mit Hella, die ihm allerdings unerträglich wird.
Dann wieder Zeit- & Ortswechsel: Giovannis Foto in allen französischen Zeitungen: Er hat Guillaume, seinen Chef ermordet, als er bei diesem finanziell abgebrannt um seine Wiedereinstellung ersucht hat. Währenddessen versucht David nach wie vor mit Hella eine gemeinsame Zukunft zu klären, während er von Schuldgefühlen und Verunsicherung geplagt wird. Hella entdeckt schließlich in Nizza seine Homosexualität und reist endgültig ab. David macht sich ebenfalls auf den Heimweg am Tag von Giovannis Hinrichtung.
In der Hauptsache beschreibt der Roman die Liebe zweier Menschen und deren Scheitern wie es auch in unzähligen anderen Romanen der Fall ist, ganz abgesehen von der sexuellen Orientierung. Dabei besticht Baldwin mit einem unerbittlichen Blick in die menschliche Psyche. Der kurze Roman ist eine tragische Parabel über die menschliche Natur, Feigheit, Angst und den Instinkt zur Selbsterhaltung. David ist Spiegelbild für jeden von uns, wenn wir uns weigern, uns unserm Selbst zu stellen und authentisch zu lieben. Wenn nicht, kommt es zu Dramen, wie ich es zuletzt selbst im engsten Umfeld erfahren habe. Der Preis eines inneren Erfrierens ist hoch. Und das ist schmerzhaft gegenwärtig, nicht nur in einem siebzig Jahre alten Roman, finde ich.
Rumänien lässt mich ein fach nicht los: Auch der Schauplatz meines vierten Romans Anfang Oktober ist dort angesiedelt, diesmal im Banat: Sigrid Katharina Eismanns "Mein innerer Schwarzwald".
"Damit Ruh‘ ist im Wald, wurden die Anführer aufständischer Freibauern aus dem Südschwarzwald im Jahr 1755 samt Familien donauabwärts ins Banat verbannt, einem der entlegensten Zipfel der k.u.k.-Monarchie. Die Kaiserin Maria Theresia persönlich hatte die Wasserschübe der 'Brandgefährlichen' auf der Donau in die unwirtliche und menschenleere Gegend um Temeswar befohlen. Die Deportierten wurden eine Minderheit in der Minderheit," heißt es im Klappentext des 2025 erschienenen zweiten Romans der Autorin, Nachfahrin von Salpeterern.
Jene, historisch verbrieft, waren eine Gemeinschaft von Freibauern im Hotzenwald bei Waldshut, die Salpeter, den Rohstoff für die Herstellung des Schwarzpulvers sammelten, indem sie von Ort zu Ort zogen, um die Ausblühungen des Kalisalpeters von den Stallwänden zu kratzen. Sie verwandelten Tier-Urin quasi in pures Gold. Aber nur für die Obrigkeit, die verdiente am Dauerkrieg zwischen Österreich & Preußen.
Ihnen war einst Freiheit zugesichert worden, als sie im Mittelalter im Auftrag der Herrschenden den Wald rodeten. Die wollten sie im 18. Jahrhundert nicht zugunsten der Habsburger Krone & der Kirche in Form des mächtigen Klosters St. Blasien aufgeben. Sie wehrten sich dagegen, zunächst mit Bittschreiben an die ferne Kaiserin in Wien, und wagten schließlich den Aufstand.
Unter salpetern versteht man im Südschwarzwald bis heute das nicht nach dem Mund der Obrigkeiten reden, nur das Eigene sagen. Oder eben ganz zu schweigen.
Erzählt wird nicht immer linear- chronologisch, die Autorin springt zwischen drei Zeitebenen: dem Leben im Hotzenwald und dann im Banat im 18. Jahrhundert, den Erfahrungen der Autorin im sozialistischen Rumänien unter Nicolae Ceauşescu sowie dem Rumänien des Jahres 2023. Vor allem die Kapitel mit dem historischen Inhalt - den ich durchaus kenntnisreich fand - erinnerten mich an entsprechende Jugendbücher aus den 1970/80er Jahren, als solche Themen en vogue wurden. Die anderen Abschnitte waren sprachlich ambitionierter, überzeugten mich dennoch nicht ganz, verglichen mit den anderen Büchern von Mitmenschen mit rumänischen Wurzeln, die ich zuletzt gelesen habe.
Auf zum nächsten Roman: "Die Ordnung der Sterne über Como" von Monika Zeiner. Ein Zufallsfund, dieser Debütroman von 2013 von der damaligen Longlist. Aufhänger für mich war das Thema Musik, in diesem Fall der Jazz, weshalb ich zum Buch gegriffen habe.
Monika Zeiner baut die Geschichte um zwei befreundete Musiker gekonnt auf, finde ich. Ich habe mich jedenfalls nicht gelangweilt, obwohl sie Nebenschauplätze ausführlich behandelt, Rückblenden einschiebt und andere Brüche in der Perspektive, in denen Gedanken immer wieder neu beleuchtet werden. Es gibt ausufernde philosophische Betrachtungen, auch über die Liebe, selbst zur Minnezeit, und es wird sich detailliert in musikalische Kompositionen vertieft wie mitunter grandios komische bis absurde Elemente untergebracht. Manche Sequenzen, besonders Begegnungen unter Menschen, zerdehnt die Autorin so, dass die Kommunikationsunfähigkeit richtig spürbar wird, die Zeit wie Blei zerrinnt, so dass sich mir manchmal der Eindruck aufdrängte, DAS sei das eigentliche Thema des Romans bzw. die eher befremdlicheren Aspekte im menschlichen Umgang miteinander - "halbseitig gelähmte Nachmittagsstunden" z.B. Ein Roman von "beinah barocker Fülle," wie der SPIEGEL-Kritiker meint, dessen Handlung sich über eine Zeitspanne von fast 15 Jahren erstreckt. Gerade das hat mir gefallen und irgendwie haben die Alltagsepisoden mich gelegentlich an Mira Magén erinnert. Auch wenn Monika Zeiner immer wieder Nebenfiguren mehr Raum im Roman gibt.
Der wichtigste Protagonist ist der (Jazz-)Pianist Tom Holler, aus dessen Perspektive auch meist erzählt wird, ein komischer Vogel, lethargisch, melancholisch, leicht verwahrlost & versoffen und etwas weltfremd:
"Und das war es im Wesentlichen mit biographischen Eckdaten: Geburt, Klavier, Schule, Ausbildung, Beruf, Heirat, Kinder ( noch nicht eingetreten ), Tod ( noch nicht eingetreten )."
Befreundet ist er mit Marc Baldur, einem vielfach ausgezeichnetem Komponisten & Musiker, mit dem er später in einer WG lebt und der seinem Leben immer mal einen Anschubser gibt und Tom damit neue Möglichkeiten eröffnet. Als Dritte in diesem Dreieck taucht - zunächst als Hundesitterin bei Toms Klavierschülerin, einer Managergattin, mit der er eine merkwürdige Affäre unterhält - Betty Morgenthaler auf, eine Sängerin. Dann wird Betty Marcs feste Freundin und lebt bei den beiden in der Wohnung. In der Erzählgegenwart lebt sie dann allerdings, mit einem Italiener verheiratet, als Anästhesistin in Neapel, Tom von seiner Ehefrau auf deren Wunsch hin getrennt ( Nachfolger in Sicht ), und Marc lebt seit zehn Jahren überhaupt nicht mehr.
Als eine Tournee Tom mit seinem Jazzquartett nach Italien führt, soll es nach zehn Jahren zu einem Wiedersehen mit Betty kommen. Und das setzt die Erinnerungen in Gang:
"Die Erinnerung, dachte Holler, ist kein Bürgeramt, sie ruft nicht ordentlich eins nach dem andern auf, sondern dasjenige, was ihr gerade einfällt, willkürlich, ungerecht, wozu manches immerzu an der Reihe ist..." Und an anderer Stelle:"Diese alte, abgenudelte, auf dem kreisenden Plattenteller des Gedächtnisse immer an einem Punkt hängende Langspielplatte."
Den Erinnerungen Toms wird viel Raum im Roman eingeräumt, besonders an die Zeit rund um den Tod des Freundes ( die Szene am Berg im Schneegestöber hat mich an den mannschen "Zauberberg" erinnert ). Das ist der tragische Kern der gesamten Geschichte. Wie der junge Mann anschließend mit seiner Trauer umgeht bis hin zu Suizidgedanken, hat mich geradezu fasziniert zu lesen. Der showdown dann in Neapel, bei dem Tom wie Betty kein happy end erleben, denn sie sind unrettbar in ihre Schuld verstrickt. Alles blieb in der Schwebe, und ich melancholisch zurück. Ich mag eigentliche eher nicht solche 600-Seiten-Bücher. Aber in diesem Falle habe ich die unterschiedlichen Facetten, die es mir geboten hat, bei der Lektüre nicht missen mögen.
Anschließend hab ich mich wieder an meine Liste erinnert und endlich von F. Scott Fitzgerald "Der große Gatsby" gelesen, was ich immer wieder verschoben habe. Immerhin hatte ich mich schon vor zweieinhalb Jahren mit ihm und seiner Frau und ihrer kniffligen Beziehung beschäftigt und einen Post im Rahmen meiner Great-Women- Reihe verfasst.
Gleich vorneweg: Ich fand das Buch sehr viel spannender zu lesen als den Film von 1974 mit Robert Redford, Mia Farrow und Bruce Dern anzuschauen ( den von 2013 habe ich mir gleich erspart: Leonardo die Caprio anstelle von Robert Redford - nein, danke! ) .
"Das soll kein Aphorismus sein - aber es springt nun mal im Leben mehr heraus, wenn man es aus einem einzelnen Fenster betrachtet." So begründet der Erzähler im Roman, Nick Carraway, seine Beobachterrolle wie seine eigene Lebenshaltung ziemlich bald zu Beginn. Sein Blick, der sich allerdings immer wieder verändert, scheint mir wichtig für das Romangeschehen zu sein: "Es hat etwas Bestürzendes, Dinge und Verhältnisse, auf die man sich mühsam eingestellt hatte, plötzlich mit den Augen eines anderen zu sehen."
Was ist das für eine Gesellschaft, in die sich der knapp dreißigjährige junge Mann aus dem mittleren Westen hineinziehen lässt! "... in der planlosen Zufälligkeit der Abende bei Gatsby lagen romantische Möglichkeiten, die ihrer eigenen Welt völlig abgingen." Und wer ist dieser Gatsby, Nicks Nachbar in seiner riesigen Villa, mit seinen riesigen Abendgesellschaften wie bei Trimalchio, dem prunkvollen, neureichen Gastgeber aus dem "Satyricon", und seinem Nimbus? In meinen Augen einer, der fünf Jahre zuvor eine Vision von Liebe zu Nicks Cousine Daisy erlebt ( die sehr bildhaft wiedergegeben wird ) und seitdem ein Leben in "Verwirrung und Unordnung" geführt hat, aus dem er wieder herauszufinden versucht. Aber was für eine emotional arme Seele ist diese junge Frau, deren Stimme wie Geld klingt! Welcher Fata Morgana ist Gatsby da erlegen! Die Widersprüche des "American Dream", gespiegelt im Roman, sind mir so unfassbar wie die des MAGA- verseuchten Landes geblieben.
Zurück blieb ich mit einer gewissen Melancholie, aber auch froh darüber, dass ich das Buch gelesen habe. Es bietet so viel mehr als die filmische Ausgabe der Geschichte.
"Es wird nach Nobelpreisträgern gefragt, wenn ich ihre Bücher nicht habe. Und wenn ich sie habe, fragt kein Mensch", sagt die Buchhändlerin Daniela Weiß aus Berlin an dieser Stelle. An letzteres habe ich mich gehalten und mir schließlich im Gebrauchtbuchhandel ein Buch des Nobelpreisträgers von 2025, László Krasznahorkai, besorgt. Das war günstiger & ersparte den mühsamen Beschaffungsprozess aus Aktualitätsgründen. "Zsömle ist weg" habe ich begonnen zu lesen, als die diesjährige Nobelpreisträgerin, Anne Carson aus Kanada, gerade bekannt gegeben worden war.
"Jahrzehntelang lebte er in Ruhe und Abgeschiedenheit. 91 Jahre ist er inzwischen, zu alt, um noch viel vom Leben zu erwarten. Doch plötzlich steht eine Schar von Menschen vor seiner Tür. Endlich haben wir Sie gefunden, verkünden diese, Sie, den rechtmäßigen König von Ungarn. Doch der König, der sich selbst viel lieber als "Onkel Józsi" bezeichnet, ist wenig erfreut über die Störung", so führt Jan Ehlert den Roman als "Buch der Woche" beim NDR ein.
Wer sich aufs Lesen einlässt, den erwartet ein einziger langer Gedankenstrom, in dem sprunghaft Józsis Gedanken sich mit Dialogen und Geschehnissen abwechseln, ohne Punkt, aber mit Kommata, geht es so durch ganze Kapitel ( elf insgesamt ), was die an sich interessante Situation der Lektüre durchaus beschwerlich machen könnte - "Schönheit in der Sprache. Spaß in der Hölle", ist stilistisch das Motto des Autors, wie er es schon vielfach betont hat. Ging mir aber nicht so. Es passte so bestens zur ganzen Geschichte.
Und die ist schon traurig, fand ich. Nicht satirisch, eher skurril, eher nicht politisch oder nur in gewissen Grenzen mit dem Blick auf das Orbán-Ungarn und nationalistische Bestrebungen weltweit .
Da ist also ein alter, einsamer Mensch. Nach einer gerichtlichen Auseinandersetzung mit seiner Tochter, ist ihm der freie Zugang zum Obergeschoss seines Hauses nun verwehrt und der Kontakt vorbei. Oben auf dem Berg wohnt er über einer Ansiedlung mit Slowaken - nein, eben nicht Ungarn! - mit nur einem nöhligen Nachbarn und seinem Hund, eben jenem Zsömle. Im Kopf die bizarre Vorstellung, er sei der letzte Nachfahre des legendären ungarischen Herrschergeschlechts der Árpáden. Und da kommen solche monarchistische Umstürzler - man kann sie in etwa mit den Reichsbürgern vergleichen - huldigen ihm, suchen ihn in seiner Einsamkeit immer wieder auf und bestärken seinen Wahn.
Und das setzt ganz viele Fantastereien in seinem Kopf frei, z.B. von einer bereits 1945 erfolgten Krönung unter dem Reichsverweser Horthy bis zu Kontakten mit Schimmy Karter, der die Heilige Krone Ungarns 1978 wieder dem Land zurückgebracht, zu Heinrich XIII. Prinz Reuß (!) oder zu Johnny Weißmüller, den er trainiert hat als Junge. Das Heilige Ungarische Vaterland auf den richtigen Weg zu bringen - da ist er in seiner nationalistischen Rückwärtsgewandtheit mit ganzer Überzeugung dabei, denn die derzeitige Regierung treibt das nicht genug voran. Das hat etwas von "Wutbürger"-Mentalität, die sich da im Hirn des alten Mannes entfaltet.
Nur als die Truppe ihn in großes, geheimes Waffenlager führt, will er davon nichts wissen, – er möchte nur auf politisch korrekte Weise König werden. Aber diese Monarchisten entwickeln Beziehungen in höchste politische Kreise. Und das bleibt nicht unentdeckt, es gibt Verhaftungen, die auch letztendlich "Onkel Józsi" betrifft. Auf Umwegen endet er vor Gericht, dass seine Unzurechnungsfähigkeit feststellt. Er wird in ein merkwürdiges, baufälliges "Sanatorium" eingewiesen. Und wie er daraus entweicht, ist dann ganz surreal. Ich hab's mit Interesse & Spannung gelesen.
Hach, war das schön, wieder ein Buch von ihm zu lesen! Seine Romane sind wie aus dem 19. Jahrhundert, atmosphärisch dicht, ausufernd fabuliert und bevölkert mit kuriosen Figuren wie bei E.T.A. Hoffmann. Ich mag auch seine Ausflüge in die Spielarten des niederländischen Protestantismus und in die Geschichten der Bibel des Alten Testaments & der Psalmen, seine Exkurse in die klassische Musik und - jetzt ganz neu - in die Welt der Schnitger-Orgeln des Barock sowie die Widersprüchlichkeiten der holländischen Provinz mit den vielen radikalen Individualisten, lauter Typen, die einen "gerne am Narrenseil nehmen" oder "hinter die Fichte führen", dumpf fremdenfeindlich und frömmelnd bigott sind, und wo so viel Schönheit auch oft mit ausgesprochen Missgestaltetem gepaart ist.
"Wollte man den hier vorgeführten Erzählstil pathologisieren, wäre man schnell bei Symptomen jener unangepassten Sonderbegabung, die dem Autismus-Spektrum zugerechnet wird", meint Kristina Maidt-Zinke in ihrer Rezension des Buches in der SZ und zählt die Hauptfigur des Romans, den Orgelstimmer Gabriel Pottjewijd aus Groningen, dazu.
Pottjewijd, ein Mann von fünfzig Jahren, verwitwet, wird von seiner Firma in eine triste holländische Hafenstadt mit dem immergleichen, schlechten Wetter beordert, um dort eine legendäre Garrel-Orgel in der Groote Kerk zu stimmen. Als Tastendrückerin wird im ein junges Mädchen, Lanna, zugewiesen, die im Ort als debil gilt, weil sie nicht Niederländisch spricht. Sie kommt mit ihrer äußerst attraktiven Mutter Gracinha zum Einsatzort. Die ist die Witwe eines Schlepperkapitäns und stammt aus Brasilien. Nicht nur Pottjewijd gefällt sie auf Anhieb, sondern allen Männern über vierzig in der Stadt. Das führt auf Dauer zu Komplikationen.
Auch die Tatsache, dass neben der Kirche eine Höllenlärm verursachende Schiffswerft liegt, führt zu Problemen, weil so ein Stimmen unmöglich ist. Pottjewijd muss auf die Nacht ausweichen und auf Wochenenden, an denen der Betrieb ruht. Da nimmt er das Angebot einer anderen Gemeinde an, sich deren moderne Orgel ebenfalls vorzuknöpfen. Lanna erweist sich als besonders begabt & hilfreich, von Orgeln genauso fasziniert wie der Stimmer. Ihre Mutter , die sie begleitet, zeigt sich hingegen zunächst widerborstig, wirft sie doch ziemlich bald ganz unverblümt dem Orgelstimmer um die Ohren, dass sie ihm ja wohl offensichtlich den Kopf verdreht habe, sie ihn aber keinesfalls sexy finde, er sei einfach nur ein stink-langweiliger Nerd. Doch bald lädt sie ihn immer öfter zum ( übrigens vorzüglichen ) Essen ein. Das bleibt alles nicht unbeobachtet und unkommentiert in der Hafenstadt.
Diese drei werden während der Wochen dort an der Küste zu einer besonderen Einheit. Doch das passt nicht allen, und Gabriel Pottjewijd macht ein paar ungewöhnliche Erfahrungen und zeigt, was für ein Angsthase er ist. Über die Schlusspointen möchte ich hier nichts verraten. Das Buch war mir nicht nur ein Lesespaß an zwei langen Abenden, es hat mich auch motiviert, mir einige der klassischen Kompositionen wie z.B. die Arie der Semele "Oh sleep, why dost thou leave me?" aus Händels gleichnamigem musikalischen Drama oder Josef Suks Symphonie in E-Dur anzuhören. Ein toller Zusatzeffekt!
Jeanette Winterson lese ich, seit ich sie für mich entdeckt habe, immer wieder gern. Diesmal ist es "Die Last der Welt" gewesen.
"Als ich gebeten wurde, einen Mythos auszuwählen und darüber zu schreiben, erkannte ich, dass die Entscheidung schon feststand. Das Telefonat war noch nicht zu Ende, da schwebte mir bereits die Geschichte von Atlas vor, der die Welt auf den Schultern trägt. Ohne den Anruf hätte ich die Geschichte womöglich nie geschrieben, aber als er kam, wartete genau diese Geschichte darauf, erzählt zu werden."
Die Autorin schreibt in diesem schmalen Bändchen die Geschichte des Herakles und des Atlas neu, und das ist für mich, die in ihrer Jugend diese Mythen geliebt hat, schon Anreiz genug gewesen, es zu lesen. Ähnlich wie bei der Erzählerin habe ich mit den griechischen Sagen damals zu Jugendzeiten einen Weg gefunden, mit dem Umbau meines Hirns in der Pubertät, mit all diesen Neuverdrahtungen und der hochaktiven Amygdala irgendwie klarzukommen, indem ich mich auf diese andere Welt eingelassen habe. Ich weiß nicht, ob die Neuerzählung zusagt, wenn man nicht so vertraut mit den Geschichten ist. Mir haben Wintersons Wandlungen gut gefallen.
Fürs kurze Erholungs-Lesen zwischen durch eignete sich Maude White's "Die Weisheit des Rotkehlchens" aus dem modernen Antiquariat. Die preisgekrönte Paper-Cut-Künstlerin und Autorin präsentiert in diesem Buch 65 feine, in Scherenschnitt-Technik gearbeitete Vögel, die ihren besonderen Eigenschaften entsprechend von einer originellen Botschaft über Freundlichkeit und Stärke begleitet werden. Das kann ich gut gebrauchen: liebevolle emotionale Unterstützung und wunderschöne Bilder in einer Technik, die ich liebe.
Colm Tóibín, der irische Autor von "Porträt des Meisters in mittleren Jahren" über Henry James, das ich vor zwanzig Jahren gerne gelesen habe, hat in diesem Jahr eine Novelle unter dem Titel "Die Schwestern" herausgebracht, was meine nächste Lektüre gewesen ist. Knut Cordsen nennt es in seiner Kritik für den NDR einen eiskalten Familienkrach in der Bergidylle, diese Auseinandersetzung der drei Schwestern Montserrat, Conxita und Núria, die nach dem Tod einer kinderlosen Tante in ein abgelegenes Dorf in den Bergen Kataloniens zusammengekommen sind, weil sie deren Haus dort geerbt haben.
Vor 50 Jahren, noch im Kindesalter, sind sie zusammen mit ihrer frisch verwitweten Mutter nach Argentinien ausgewandert, haben sich dort auseinander gelebt und kaum getroffen und nun im Rentenalter ist die Spannung zwischen ihnen nach wie vor groß. Montse, wie die jüngste der Schwestern genannt wird, erzählt die Erinnerungen aus der Familiengeschichte vollständig aus ihrer Perspektive.
Eine solche Kühle & Starrheit - entsprechend lakonisch & distanziert von Tóibín beschrieben - zwischen den nun auch sehr unterschiedlich lebenden Schwestern konnte ich mir aufgrund der Erfahrungen mit meinen Geschwistern kaum vorstellen und hat mich während der Lektüre auch eher verstört. Ein leises Drama steckt wohl dahinter, bedingt durch die kindliche Entwurzelung, durch den mütterlichen Erwartungsdruck und die Bevorzugung der ältesten Tochter, die jede der Schwestern einen anderen Weg hat einschlagen lassen:
Núria wählt Assimilation, den sozialen Aufstieg, notfalls durch Lügen, und ringt so um die Zugehörigkeit in einer fremden Gesellschaft. Conxita wird Gesellschafterin einer reichen alten Dame der Oberschicht und schließlich Liebespartnerin der Tochter derselben, allerdings gut kaschiert als Dienstbotin. Und Montse wird die langjährige Geliebte eines verheirateten alten Mannes, der für sie eine Wohnung kauft und sie auch sonst aushält. Nach seinem Tod zwingt sein Sohn sie, die aufzugeben, und sie begibt sich in eine ganz ähnliche Konstellation, nun in der Provinz. Schon als Jugendliche ist sie in die Firma geraten, in der ihre Mutter gearbeitet hat, und hat deren Aufgaben übernommen, nachdem die Mutter sich sang- & klanglos zur ältesten Tochter verzogen hat. In diesen Verhältnissen ist Montse auch lange geblieben.
Auf der Reise in die Vergangenheit in Katalonien wird deutlich: "Wir sind immer noch Außenseiterinnen. Auch wenn wir gar keine sind." Doch Montse setzt ihre Interessen gegenüber der dominanten großen Schwester durch und bleibt, in den Pyräneen, im Haus der Tante, auch einen Winter über, den die anderen dramatisieren. Diese Emanzipation der kleinen Schwester hat mich dann doch berührt.
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Iris Wolff gehört ja nun schon länger zu den von mir besonders geschätzten Autorinnen. "So tun, als ob es regnet", ein Roman in vier Erzählungen, war mein viertes Buch von ihr.
"Iris Wolffs Sprache schmeichelt einem. Sie mäandert, trägt ganz behutsam Schicht für Schicht ab. Iris Wolff will keine Geschichte zu Ende erzählen. Sie wirft einen Stein in die Geschichte einer Familie und es ziehen Wellen weg vom Zentrum des Geschehens, entschwinden aus Sichtweite, um sich mit anderen Wellen zu kreuzen. Ein schmaler Roman, der ein ganzes Jahrhundert birgt, in einer Sprache erzählt, die fasziniert und in höchstem Masse bezaubert."
Besser und treffender als Gallus Frei-Tomic, der "Büchernerd aus dem Thurgau", kann ich diesen Roman auch nicht würdigen, deshalb habe ich das Zitat für meine Buchbesprechung übernommen. Als ich es bei ihm zum ersten Male gelesen habe, habe ich mir das Buch sofort im modernen Antiquariat beschafft.
Ziemlich genau hundert Jahre umspannen die vier miteinander verknüpften Erzählungen und lassen die Geschichte einer siebenbürgischen Familie aufleuchten, die - wie könnte es in diesem Landstrich anders sein - interkulturell ist ( woher wohl auch mein - siehe oben - andauerndes Interesse herrührt ).
Ein junger burgenländischer Soldat, im Krieg in die winterlichen Karpaten abkommandiert, eine Jugendliche vor Beginn des 2. Weltkrieges, die sich die Zeiten jedes Sonnenaufgangs notiert und nachts eine geheime Gesellschaft schlafloser Großväter aufsucht, ein junger Mann, Automechaniker, der sich frei fühlt, obwohl sein Land von Willkür & Gewalt unter Ceaușescu überzogen wird und eine Mitvierzigerin, die sich ein wenig im eigenen Leben verlaufen hat und auf La Gomera gestrandet ist - vier Generationen, vier Figuren, vier intensive Erzählmomente, die leise, sachlich genau und mitunter sehr poetisch daherkommen. Immer wieder gelingen den Menschen kleine Fluchten, immer wieder findet ihr Freiheitsdrang eine Gasse. Und immer wird - nicht gleich zu Beginn des Kapitels - deutlich, dass jede miteinander in Verbindung steht. Dabei geht es auch um Identität, Selbstfindung, um die Auseinandersetzung mit Krieg, Gewalt und dem Gefühl der Verlorenheit. "Siebenbürgisch träumen" heißt es mal in der letzten Episode, das kann frau dank der leisen Töne einer Iris Wolff in der lauten Welt der Bestsellerliteratur. Lesenswert!
Der Hass, der einen in diesen Tagen, besonders in den social media ständig um die Ohren fliegt, beschäftigt mich sehr. Ich erliege allerdings auch, wie es Sebastian Haffner in "Geschichte eines Deutschen" u.a. für die Menschen gegen Ende der Weimarer Republik beschrieben hat, immer wieder mal der "Faszination des Widerlichen". Wenn die Menschen sich dem Zauber des Ekelhaften jedoch ergeben, verlieren sie das Maß & die Moral. Deshalb versuche ich in meinem realen Alltagsleben, das schöne, das freundliche Miteinander zu finden und zu leben, um nicht mental & menschlich unterzugehen. Da kam mir so ein Buch wie das von Isabel Schayani - "Unwahrscheinliche Freundschaften" - gerade recht, denn darin schreibt sie, wie es gelingt, Nähe über politische Gräben hinweg zu schaffen.
"Herr Radler, die AfD und ich" heißt die erste von sechs Geschichten in ihrem Buch. Es geht aber auch um Palästina und Israel, um Trump-Fans und Demokraten, um Bosniaken und Serben sowie um die Ukraine und Russland. Mit ihren Geschichten will sie zeigen, wie Menschen es schaffen oder vielmehr versuchen, trotzdem eine Beziehung zu erhalten, obwohl nun schon seit einem Jahrzehnt Freundschaften in die Brüche gehen, sobald sich die politische Situation verändert.
Die erste Geschichte ist aus der Ich-Perspektive geschrieben, bevor es um Themen geht, die auch viel Schmerz mit sich bringen. "Herr Radler" ist ein Pseudonym für einen Mann, der gern Fahrrad fährt und Anhänger der AfD ist. Die Autorin hat ihn vor acht Jahren auf einer Demo in Chemnitz kennengelernt, wo sie für den WDR dort ist, also für das, was er "Lügenpresse" nennt.
Diese Episode hat mir nicht viel gebracht, die nächsten beiden dann schon, als Schayani von der Beziehung einer Israelin & eines Palästinensers berichtet, die beide einen geliebten Menschen durch die Fanatiker der Gegenseite verloren haben oder die zwischen Leva, einer iranischen Baha‘i- Gläubigen & einer deutschen Muslima, ihrer Sprachlehrerin. Erstere war drei Mal dem Gefängnis, der Folter, der Willkür des islamischen Regimes ausgesetzt gewesen, bevor sie nach Deutschland fliehen konnte. Auch die Freundschaftsbeziehung zwischen dem Bosnier Amir, dessen Onkel von den Serben umgebracht worden ist und der mit seiner Familie unter großen Gefahren dem Genozid entkommen konnte, und der Serbin Nataša aus Belgrad war mir sehr lehrreich. Allerdings eher in dem Sinne, dass ich Menschen aus anderen Kulturen und deren Zugang zur Welt generell höchst spannend finde, weil ich einfach neugierig auf fremde Leben bin. Für meinen Umgang mit dem überbordenden Hass im Netz habe ich keine Schlussfolgerungen ziehen können.
"Jetzt erzähle ich dir, was sie mir zugewürfelt haben, die Götter. Ich nehme deine Hand, ich nehme dich mit, wir reisen durch die Jahre in diesem Ort, wir reisen zurück in unser ungewolltes Zuhause."
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| Auch im Bestsellerregal war "Die Lücken" nicht zu finden... |













Liebe Astrid,
AntwortenLöschenich gebe dir vollkommen recht, wenn man "Der große Gatsby" mit Robert Redford und Sam Waterston gesehen hat, dann muss man den mit Leo nicht unbedingt sehen. ( Ich habe es doch getan.)
Wir hatten The Great Gatsby im Englischunterricht gelesen, und in der Mitte des Buches sind Hochglanzbilder mit Filmszenen, wo auch R. Redford zu sehen ist. Das Buch habe ich immer noch. :-)
Die Lücken, immer noch nicht gelesen.
Bei manchen Büchern, da freue ich mich so darauf, da muss die Vorfreude noch andauern. Denn einmal gelesen, ist es ja vorbei. Ich freu mich sehr darauf, es zu lesen.
Danke für die reiche Buchvorstellung.
Viele Grüße
von CLaudia