Dienstag, 7. Juli 2026

Bauhaus - Chromophobia? Nein danke!

Anlass für diesen Post hat mir gegeben einmal ein Artikel in der "Süddeutschen Zeitung" ( "Ein Land ergraut" ), zum anderen mein Besuch im Kolumba Museum und ein Text im aktuellen Museumsführer desselben...


Im Zeitungsartikel wie im Museumsführer wird auf ein großes Missverständnis der Bauhaus - Kultur aufmerksam gemacht:

"Das typische „Bauhaus-Weiß“ der Moderne, auf das viel zu oft rekurriert wird, ist übrigens ein ideologischer Irrtum: Gropius, Taut und Le Corbusier waren in Wahrheit Farbfantasten – wie heute nur noch Louisa Hutton und Matthias Sauerbruch als Heroen einer endlich wieder farbigeren Architektur", heißt es da. 



Und im Museumsführer zum Raum 11:

"Es widerlegt das Klischee des 'White Cube', da es ausgerechnet Bauhaus - Künstler waren, die dazu beitrugen, dass Farbe das beherrschende Thema der Malerei des 20. Jahrhunderts wurde. Laszlo Moholy - Nagy schrieb 1925 "dass das 'Thema ' farbiger Gestaltung die Farbe selbst ist, dass man damit, ohne gegenständliche Beziehung zu einem reinen, primären, einem gestalteten Ausdruck gelangen kann'."

Im Museum geht dieser Raum von einem Bild des Bauhaus - Meisters Josef Albers aus und fokussiert sich bei den ausgestellten Bildern & Objekten auf Gelb und Orange, die sich im Fundus des Museums finden ließen. Die Kuratoren empfinden den Raum als eine ästhetische Werkstatt und zeigen, dass Fragen der Gestaltung jeglicher Dinge auch immer mit Farbe verbunden sind.


Besucher*innen der Bauhaus-Siedlungen in Dessau machen die Erfahrung, dass die Häuser der bekannten "Namen", also die sogenannten Meisterhäuser, ganz schön farbig sind: Von Weiß und Schwarz bis zu Rosa, Gelb oder auch Gold und Silber. Im Haus Feininger wurden sogar über 40 verschiedene Farbtöne eingesetzt! Haus Anton in der Bauhaussiedlung Dessau - Törten zeigt den Originalszustand und ist auch von den Farben her eine Überraschung. Ein weiteres Beispiel ist das Haus Auerbach ( auch W33 genannt ) in Jena, von Walter Gropius, dem Bauhausgründer, geplant. Dort wurden keine Primärfarben, sondern sog. verhüllte Farben und Pastelltöne eingesetzt, womit ein weicherer Farbklang entstand, dem kräftige Töne entgegengesetzt wurden.


Mein heutiges Plädoyer für die Farbe greift mal wieder thematisch ähnliche Posts hier im Blog auf, weil ich irgendwie einen Zusammenhang sehe zwischen dem gedanklichen Mehltau, der sich über unsere Gesellschaft zu legen droht, und dem äußeren Farbbild unserer Städte in Stahlgrau, Zementgrau, Asphaltgrau. Farblose Wände, versehen mit Schießscharten als Fensterformen, wie es die aktuelle Architektur bevorzugt. Ein bisschen Farbpsychologie tut not. Bleibt die Hoffnung, dass die Politiker im Neubau "Luisenblock West", geplant von Louisa Hutton und Matthias Sauerbruch, von der Farbe stimuliert werden und endlich den mentalen Grauschleier durchdringen.

Die Fotos sind bei meinem Besuch im Museum vor einer Woche entstanden.

                                                                   
Verlinkt mit dem Creativsalat

 

11 Kommentare:

  1. Deine Bilder aus dem Kolumba Museum machen richtig Lust, sich mit diesem Thema näher zu beschäftigen, liebe Astrid. Farbe tut nicht nur Gebäuden gut, sondern oft auch unserer Stimmung. Herzlichst, Nicole

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  2. Was für eine spannende und farblich wohltuende Ausstellung. Deinen Gedanken zur Farblosigkeit unserer Gesellschaft kann ich nur beipflichten. Man schaue sich nur mal die beliebtesten Autofarben an (weiß, grau, schwarz).
    Bei meinem Quilt arbeite ich gerade auch mit weißen und grauen Stoffen - damit die bunten Sterne besonders gut rausknallen...
    Danke für den erhellenden, farbenfrohen Beitrag!
    Liebe Grüße
    Andrea

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    1. 😆 Ja, die Autofarben! Wir haben ( hatten ) in der Familie immer rote Autos, weil die keiner haben will und sie günstiger zu bekommen waren. Ich hab mich immer schlapp gelacht, wenn die Leute ihre Fahrzeuge auf großen Parkplätzen & Tiefgaragen immer suchen mussten und schon mal ins falsche einzusteigen versuchten.
      GLG

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  3. "Gedanklicher Mehltau", das gefällt mir, liebe Astrid. Besser kann man die gegenwärtige Architektur in unseren Städten (meistens zumindest) nicht ausdrücken.
    Herzliche Grüße – Elke

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  4. Liebe Astrid, das ist ein faszinierender Aspekt, den ich so noch gar nicht kannte. Wie hartnäckig sich das Bild vom “weißen Bauhaus” hält.
    Danke, dass du dieses Missverständnis aufgreifst und mit deinem Museumsbesuch so anschaulich widerlegst. Jetzt habe ich große Lust, den Raum mit Gelb und Orange selbst zu erleben, hachz ich liebe Farbe,. Künftig werde ich genauer hinzusehen, wenn vom Bauhaus die Rede ist.🧡
    Liebe Grüße Tina

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  5. Ich glaube, da viele Zeichnungen und Fotos der Zeit ja iR noch Schwarz Weiß waren, erwartet man vielleicht alles Hergestellte und Gebaute in sw und grau.
    Gerade Gelb und Orange waren ja wirklich oft in Nutzung. Manchmal ist es einfach schön, sie zu nutzen, als Blickfang. Und um auf das Autothema zurück zu kommen: rote Autos! (Unser jetziges ist leider langweilig weiß)
    Liebe Grüße und habe eine gute bunte Woche
    Nina

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  6. Wie wahr, liebe Astrid. Die Meisterhäuser in Dessau strahlen - innen - um die Wette in Farben. Auch in der Siedlung Törten waren wir überrascht z.B. über die Farbigkeit der Bäder. Im Blog habe ich 2017 darüber berichtet.
    Mehltau trifft es wohl sehr... In unserem Kurs am Bildungszentrum, in dem es um Stadtentwicklung geht, besuchen wir öfters alte und neue Siedlungen hier in Nürnberg und es ist tatsächlich total langweilig oft in neuen.
    Wenn ich da an Deine Stadtspaziergänge hier im Blog denke...
    Das Bauhaus konnte bunt auf jeden Fall. Und wenn ich Deine Fotos aus Deinem Gehäuse sehe, Du auch!
    Herzlichst,
    Sieglinde


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  7. Guten Abend liebe Astrid,
    ich mag Farben sehr, vor allem meine roten, orangen, lila Sommerkleider. Weiss du was, bei uns ist das grau bei Autos angekommen. So viele neue Wagen haben einen ungefreuten Grauton. Wems gefällt, mir nicht.
    Hab morgen einen schönen Wochenteiler und liebe Grüessli
    Edith

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  8. Schon sehr unverständlich wie so ein Bauhausbild entstehen kann! Wenn man nur ein wenig eintaucht, ist schnell klar, wie farbig alles war. Sehr schöne Bilder zeigst du. Die s/w Fotos der Architektur haben sicher zu diesem Mythos beigetragen.
    Wir könnten viel mehr Farbe im Alltag vertragen. Selbst jetzt im Sommer sieht man viel zu wenig Farbe. Und der Zitronenfalterin gebe ich total recht, rote, grüne gelbe Autos muß man suchen, obwohl erwiesen ist, dass auffällige Farben viel weniger in Unfälle verwickelt werden.
    Ganz bunte Grüße schickt Karen

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  9. liebe astrid, da bin ich doch sehr begeistert über diese tolle ausstellung und dein plädoyer für farben in den köpfen und städten und überhaupt. wir haben immer rote oder grüne autos gehabt bisher. wir strichen unsere hauswand auf einer seite im satten dunkelrot, die seitenwand hellblau, die vorträge der dorfbewohner hörten lange nicht auf. nach jahren gaben einige zu, es sähe doch gut aus, wenn man sich dran gewöhnt hätte - so schön. die menschen sagen, es solle neutral sein, und verwechseln ihre häuser und kleider in rentnerbeige oder weiß mit neugestaltung. eine eigene sprache finden im ausdruck, wird es kindern zu früh abtrainiert? nur nicht auffallen, sich nicht hervortun, so verlangte es meine schule.
    wir lernen immer, in wellen kommt zum glück manches wieder, herzlich grüßt roswitha

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  10. Milá Astrid, děkuji za tvůj dnešní komentář ke Kroměříži, naopak já se nechávám vzdělávat Tebou, narozdíl ode mně věnuješ spoustu času i psanému textu. Já tak tak zvládám fotit. Ale každopádně naše propojení vnímám beze sporu jako obohacující. Dnes jsme byli také v muzeu, ale aut. Tento týden jsme měli být na dovolené v Kutné Hoře, ale museli jsme ubytování zrušit, zdravotně jsem se necítila na to absolvovat dovolenou dál od domova, tak teď vyrážíme jen na výlety blízko Ostravy. A přiznám se, že když fotím naše výlety, myslím přitom na Tebe, a snažím se ukázat to hezké, co u nás je. Moc ráda si prohlížím i já všechny Tvé příspěvky, které jsou velmi inspirativní a uklidňující. Srdečně zdravím z Ostravy do Kolína nad Rýnem! Katka

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