Sonntag, 31. Januar 2021

Mein Freund, der Baum - heute mal anders

"Ich hoffe, ich finde  auch für ein weiteres Jahr "Mein Freund, der Baum" noch genug Möglichkeiten, den Bäumen hinterherzuspüren. Lust habe ich weiterhin!", habe ich am Schluss meines letzten Baumposts im Jahr 2020 geschrieben und gedacht, es dürfte doch Gelegenheiten geben, draußen noch nicht von mir beschriebene Bäume zu entdecken und zu fotografieren. Mit einem so verregneten und immobilen Januar hatte ich da nicht gerechnet, wie er uns in diesem Jahr, dazu unter Coronabedingungen, beschert worden ist. Deshalb habe ich umgeswitcht und entschieden, diesmal Bücher vorzustellen, die ich zum Thema "Bäume" von Bloggerfreundinnen geschenkt bekommen habe ( was also kaum Werbung sein kann )... 

 

"Die Bäume, um die es in diesem Buch geht, sind in der Gegenwart abgebildet. Doch ihre Geschichten beginnen viel früher, manchmal vor mehreren Hundert Jahren", schreibt Caroline Ring im Vorwort zu ihrem Buch "Botschafter des Lebens. Was Bäume in Städten erzählen", das 2020 im Berlin Verlag herausgekommen ist. 

Caroline Ring meint, dass wir Menschen Bilder von Pflanzen viel weniger Aufmerksamkeit schenken als Bildern von Tieren, von kleinauf übrigens. Unsere Kenntnis von Pflanzen, insbesondere Bäumen, hat auch stetig durch die Jahrhunderte abgenommen. Höchstens der Spruch "Buchen sollst du suchen, Eichen sollst du weichen" wird heutzutage noch vermittelt & bei drohendem Unwetter aufgesagt - aber warum diese Unterscheidung? Wie weichen diese Bäume in Rinde, Blatt und vor allem Standort voneinander ab? Dass Eichen, da gerne auf freiem Felde stehend, eher als Blitzableiter dienen, als Buchen, die lieber vergesellschaftet mit anderen Bäume in Wäldern wachsen, mehr Schutz bieten können - vergessen!



Ihr Augenmerk richtet die Autorin, selber aufgewachsen in Prenzlauer Berg, in diesem Buch allerdings auf Stadtbäume und erzählt deren Geschichten. Die so Porträtierten stehen in allen Himmelsrichtungen unserer Republik, sind Laub- wie Nadelbäume, heimische Arten wie Importe aus anderen Erdteilen. Bei letzteren stellt sie auch die Ereignisse rund um das Anpflanzen der Bäume dar, so zum Beispiel bei den Mammutbäumen in der Stuttgarter Wilhelma. 

Auch die "7000 Eichen - Stadtverwaldung statt Stadtverwaltung" des Joseph Beuys, im Rahmen der documenta 7 in Kassel 1982 gepflanzt, sind dabei, und Caroline Ring schildert auch die Reaktionen der Menschen in einer Zeit damals, als die Lebensqualität nicht gerade am Baumbestand gemessen wurde, vom damaligen Kunstbegriff sowieso ganz schweigen.

Die Bosseschen Tulpenbäume im Schlossgarten Oldenburgs kommen im Buch vor, der Brentanosche Gingko in Frankfurt - Rödelheim, der letzte Überlebende preußischer Versuche der Seidenraupenzucht in der Berliner Friedrichstraße wie die vielen schattenspendenden Rosskastanien in Münchner Biergärten. ( Und als ob sie Mano kennen würde: Die Süntelbuche  im Berggarten von Hannover ist auch dabei! ) Jedes Kapitel - ein(e) Baum(-art)! 

Das Buch bietet sich an, es immer mal wieder zur Hand zu nehmen, ein Kapitel zu lesen und sich in grüne, schattige, raschelnde Welten entführen zu lassen.

Auch das zweite Buch ist so eines, in das man sich kurzzeitig vertiefen kann, um auf andere Gedanken zu kommen, besonders in Zeiten, in denen man mehr als sonst zwischen Häuserwänden eingesperrt ist:

"Unsterblich duften die Linden. Bäume - wie Dichter sie sehen" heißt das zweite Buch, herausgegeben vom Urachhaus und Olaf Daecke, dem es wichtig ist, "Bäume als Verbindung zwischen Himmel und Erde und als Lebensspender" zu betrachten.

Seine Auswahl umfasst Lyrik und Prosa aus der Zeit des Alten Testaments bis in unsere Zeit, insgesamt 93 kurze Texte, Gedichte und Sprüche, und dazu gibt es sieben gemalte Baumhuldigungen. 

Weil meine erste Baumliebe in meinen frühesten Jahren einem Nussbaum galt, habe ich aus dem Buch ein entsprechendes Gedicht von Max Dauthendey, einem namhaften Vertreter des literarischen lmpressionismus in Deutschland, ausgewählt:

Ein großer Nußbaum

Ein großer Nußbaum stand wie eine grüne Laube,
Ein Weg ging drunter hin im Staube,
Fern lag ein Dorf, ein Fluß mit Berggeländen.
Der große Baum hielt in den grünen Blätterhänden
Landschaften gleich wie farbige Gedanken,
Die bald voll Wolken standen, bald im Licht versanken.
Und Du und ich, wir lehnten in dem Schatten
Und teilten mit dem Baum was wir im Herzen hatten. 

Eine kleine Fundgrube, ein Schmöker, für die, die Poesie mögen und die eigene Fantasie gerne auf Reisen schicken.

Als Letztes Buch möchte ich noch einmal ein Buch vorstellen, das ich schon vor fast zweieinhalb Jahren  in einem Post gezeigt habe, ein Bilderbuch für groß und klein, dem ich nach wie vor viele Leser*innen & Betrachter*innen wünsche:



Es ist ein großformatiges Werk des preisgekrönten polnischen Illustrators Piotr Socha, der das Buch zusammen mit Wojciech Grajkowski und dem Übersetzer Thomas Weiler geschaffen hat. Es ist ein ausgesprochener Augenschmaus und ein tolles Schmökerbuch, besonders auch für Großeltern mit ihren Enkeln, und beschäftigt sich nicht nur mit Bäumen bei uns und anderen Kontinenten, sondern mit Bäumen als Lebensraum für große und kleine Tiere...





... es zeigt, auf welch vielfältige Weise wir Menschen das Holz der Bäume nutzen, wie wir sie kultivieren ( bis hin zum Bonsai oder Schnitthecken ). Und es erzählt Geschichten und Legenden, in den Bäume eine Rolle spielen. Der Mehrwert des Buches liegt für mich aber vor allem in seiner Gestaltung & der Originalität der  Bilder.

Nun seid wieder ihr dran, liebe Leser*innen, die ihr wahrscheinlich mehr in der freien Natur unterwegs sein könnt als ich. 

Fast einen ganzen Monat könnt ihr unter diesem Post eure Begegnungen mit Baumfreunden verlinken. Die einzigen Bedingungen: Die Posts sollten aktuell sein und einen Backlink haben. Ich freu mich schon auf eure Beiträge, sind sie mir doch mehr als ein Ersatz...





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Kommentare:

  1. Oh ist das schön! Baumbüchers! Ich hab zugegebenermaßen mehr Gartenbücher, mit Baumbüchern kann ich glaube ich garnicht dienen (ich geh mal suchen die Tage). Ich bin unter und auf einer Trauerweide aufgewachsen, die das Haus meiner Eltern überragte, von meinem Großvater zur Geburt seiner Tochter gepflanzt wurde und werde nie das Gefühl der Rinde unter den nackten Füßen vergessen, das eingehüllt sein in ein flüsterndes Blätterdach, das Wiegen des Baumes im Wind, wenn ich festgeklammert wie ein Äffchen oben in den Astgabeln,kauerte und das Haus unter mir war. Mit einem Buch zwischen den Zähnen hochklettern und in der Astgabel lesen war eine Sommerfreude. Liebe Baumgrüße den hochgeschwellten Rhein runter! Eva

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    1. Das ist ja eine tolle Geschichte! Besonders, da ihr dann auch noch unter dem Baum gelebt habt! Eine Trauerweide gab es auch vor dem Haus, in dem ich meine ersten sechs Lebensjahre verbracht habe. Aber bewusster erlebt habe ich den Walnussbaum im elterlichen Garten zwei Häuser weiter. Übrigens klettert meine Enkelin zum Lesen auch immer in die Magnolie 😄
      Dir ganz liebe Grüße!

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    2. Oh, eine Magnolie ist bestimmt ein toller Kletterbaum! Grüße!!

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  2. Liebe Astrid,
    das sind wirklich wunderbare Bücher, jedes auf seine Art und Weise. Wobei ich als Augenmensch natürlich gleich auf das letzte angesprungen bin. Aber auch mit Stradtbaum-Geschichten und Lindenduft kann ich einiges anfangen ;-)
    Ich würde dir gerne meine Eibe (und die anderen Bäume aus Laxenburg) verlinken, aber leider behauptet InLinkz, dass keine Bilder gefunden wurden. (Den Backlink hat das Programm aber sehrwohl finden können...) Weißt du, was da los sein könnte?
    Alles Liebe und schönen Sonntag, Traude
    https://rostrose.blogspot.com/2021/01/fruhlingshaftes-winter-picknick-in.html

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  3. Ha, beim vierten Versuch hat's geklappt!

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  4. ..das scheint mir sehr interessant, liebe Astrid,
    und gerade stelle ich mir vor, Kapitel für Kapitel zu lesen und die Bäume dann auch zu besuchen, wenn man denn wieder reisen kann...und das Buch für Großeltern und Enkelinnen schaue ich mir gleich mal noch genauer an...

    dir einen guten Sonntag,
    liebe Grüße Birgitt

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  5. Liebe Astrid,
    danke für diese Baumfreunde in Buchform.

    Ich bin froh, dass ich die Baumlinkparty bei dir entdeckt habe.
    Ich dachte, es gibt sie womöglich nicht mehr.

    Viele Grüße,
    Angelika

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  6. Eine schöne Idee mit den Baumbüchern! Von Piotr Socha habe ich schon das Bienenbuch verschenkt und mit den Kindern gemeinsam angeschaut.
    Ach ich hatte mir auf der Blumeninsel letztes Jahr einen Baum ausgewählt, den ich zu den vier Jahreszeiten beobachten wollte. Tja, jetzt müsste ich rüberschwimmen...
    Liebe Grüße
    Andrea

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  7. Was für ein hübsches Sammelsurium an "Baum-Büchern!, liebe Astrid. Wir haben im Moment wieder mal ein Baum-Problem. In unser Nachbarhaus ziehen im Frühling die Eigentümer ein (es war immer vermietet!) und sie haben jetzt schon angedroht (notfalls auch gerichtlich) dafür zu sorgen, dass unser Baumbestand erheblich schrumpfen muss. Zu nah am Zaun, zu viele Nadeln auf der Wiese.. und unserem Freigänger-Kater soll es auch an den Kragen gehen, sollte er es wagen rüber zu gehen.. ach, menno! "Es kann der Frömmste..!" Liebe Sonntagsgrüße, Nicole

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  8. Baumbücher liebe ich sehr - diese kannte ich aber alle noch nicht!
    Ich hab als Kind im schiefen krummen Apfelbaum gelesen, drauszen im Garten und in einer hohlen Eiche "gewohnt" im Wald...und heute komme ich wohl auch kaum noch mehr raus als Du und jetzt kann ich überlegen, wo ich nochmal Stadtbäume (siehe letztes Baumpost) auftreibe, während Alltagswege bewältigt werden müssen. Würde mich gern, wie als Kind, über den Schnee freuen, nur schaffe ich dann die Straszen nicht mehr bis zum Wald und unser schöner "Pionierpark" mit seinen alten Bäumen...wo wir rutschten und rodelten...ist jetzt privatisiert und abgesperrt. Abgeholzt zum gröszten Teil leider auch. "Erst wenn der letzte Baum gefällt ist... " -seufz!
    Werde nochmal drauf zurück kommen, Monat ist ja noch lang -
    Herzlichst
    Mascha

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  9. Liebe Astrid,
    wunderbare Bücher und auch die Idee dahinter, diese bei deiner Baum-Challenge in diesem Jahr vorzustellen. Alle drei lesen sich so interessant, doch würde ich mir als Erstes das dritte mit seiner wunderschönen Bebilderung anschauen wollen, da ich zunächst mal ein visueller Mensch bin. ;-)
    Lieben Gruß und einen gemütlichen Abend, Marita

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  10. Bücher...wenn wir die nicht hätten! Liebe grüße euch, Sunni

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  11. Das ist eine tolle Idee die Bücher vorzustellen. Ich hoffe der Februar wird wettermäßig besser, ich glaube tatsächlich hat der Januar in Mannheim nicht einen Tag mal etwas anderes gezeigt als grauen Himmel.
    Beim Thema Baum fallen mir zwei denkwürdige "Begegnungen" ein. Ein riesen großen dicken alten Baum in Canterbury, den ich vergeblich versucht habe zu umarmen. Da wären ich denke 4 Tinas nötig gewesen und ein Kanonenkugelbaum in Thailand.Sowas kannte ich nur vom Hören-Sagen und dachte nie dass es die tatsächlich gibt.
    Schönen Sonntag Abend für euch, liebe Grüße Tina

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  12. ohh
    schöne Baumbücher ..
    ich habe auch eines .. aber das ist "vergraben" hinter meinem Bücherturm
    da komme ich nicht dran ;)
    mein Mann bekam es von meiner Mutter geschenkt entweder zur oder kurz nach der Hochzeit
    da er ja gerne Förster georden wäre ich bin ja auch mit Bäumen(eine Ulme in der Nachbarschaft war bevorzugter Kletterbaum ).. Garten und Wald aufgewachsen

    liebe Grüße
    Rosi

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  13. Es hört sich gut an und sieht interessant aus, was du hier von den Bücher berichtest, auch das Gedicht ist wunderschön.
    LG Heidi

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  14. wie konnte ich diesen beitrag bloß übersehen?? eine sehr gute idee, hier bücher über bäume vorzustellen! ich habe mir die titel alle notiert und werde sie mir nach und nach besorgen. birgitts idee, diese bäume von caroline ring einmal alle zu besuchen fände ich toll. ob das bei mir wohl noch klappt?? immerhin kenne ich ja die süntelbuche schon ;))! den dichterband werde ich mir auf jeden fall auch zulegen, denn schon der nussbaum gefällt mir so sehr.
    ich habe dir heute ein paar alte sommerlinden in winterlicher umgebung mitgebracht.
    liebe grüße
    mano
    ps: die diskussion um die beuys'chen eichen konnte ich damals hautnah in kassel verfolgen. heute finden erfreulicherweise alle bewohner sie gut.

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Ich freue mich eigentlich über Kommentare. Doch es gilt auch die uralte Spruchweisheit: "Wie man in den Wald hinein ruft, so schallt es heraus." Da wird dann schon mal der Freischaltknopf nicht gedrückt, wenn der Ton daneben ist...

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