Freitag, 9. August 2019

Scheinheiligkeit II


Genau diese Geisteshaltung war der Grund, weshalb vor vier Jahren und sieben Monaten aus diesem Blog, in dem es drei Jahre lang nur ums Nähen, um Blumen, Kinder und in gewisser Weise auch Lebensstil ging, ein gesellschaftskritischer, politischer Blog geworden ist. Wer sich nicht mehr erinnert:

Damals schritten Vertreter Saudi- Arabiens vorneweg bei einem Trauermarsch nach dem Anschlag auf die französische Satirezeitschrift "Charlie Hebdo", der auch ein Zeichen für das Menschenrecht der Meinungsfreiheit sein sollte. Zwei Tage zuvor war der saudische Blogger Raif Badawi öffentlich ausgepeitscht worden - eine Strafe, die über ihn verhängt worden ist, weil er in seinem Blog eben diese Meinungsfreiheit für die Menschen in seinem Land gefordert hatte. 

Damals habe ich auch geschrieben, warum mich dieser Charaktermangel so abstößt, schon seit Kindergartenzeiten, und es ist mir bis heute ein unverzeihliches Vergehen im Umgang miteinander.



Vor vier Jahren habe ich ja noch an eine gewisse Integrität bei Menschen mit Vorbildfunktion geglaubt, bei amerikanischen Präsidenten zum Beispiel. 

Ich habe lange nichts mehr zu dem Menschen geschrieben, der diesen Posten momentan innehat, einer, der bei nichts rot wird, der lügt und betrügt und hetzt und gegeneinander ausspielt und weder Freund noch Feind auseinander hält. Jetzt ist es aber mal wieder an der Zeit.

Nach den erneuten Anschlägen mit 33 Toten in den Vereinigten Staaten erkühnt dieser Mensch sich doch tatsächlich, am Montag zu verkünden, die USA müssten Rassismus, Fanatismus und die Ideologie weißer Vorherrschaft verurteilen. "Diese finsteren Ideologien müssen besiegt werden. Hass hat keinen Platz in Amerika", sagte er,  die "Glorifizierung von Gewalt" müsse ein Ende haben. 

Wie bitte?

Ausgerechnet der, der seit Jahr und Tag ätzt und verunglimpft und Menschen gegeneinander aufhetzt, als Ratten oder Vergewaltiger und Kriminelle bezeichnet und was sonst alles das Wörterbuch des Unmenschen hergibt, Vokabeln, die zuletzt die Nazis für Juden benutzt haben? Seit seinem ersten Wahlkampf hat er das Klima ständig angeheizt und nun als Präsident sieht er seine Aufgabe nach wie vor darin, das Land weiter zu spalten. Als verbaler Brandstifter hat er doch die Grundlagen für diese "Hassverbrechen" gelegt und immer wieder neu befeuert! Man denke doch nur daran, dass er im Wahlkampf damit geprahlt hat, er könnte jemanden auf der Fifth Avenue erschießen und würde trotzdem davonkommen?

Im streng juristischen Sinn kann man ihm die Verantwortung für die rassistischen Amokläufe nicht anhängen - geschenkt! Aber er "bläst mit dicken Backen in den Brandherd hinein" ( Stefan Kornelius in der Süddeutschen ) in einem Land, das von Hass, Niedertracht, Verrohung und Spaltung nur noch so strotzt. Und wie er es sein ganzes Leben lang gemacht hat, lässt er andere die schmutzige Arbeit für ihn erledigen und die explosive Stimmung in den Staaten entlädt sich in immer kürzeren Abständen und bringt für immer mehr Menschen Leid und Not.

Man scheint es nicht oft genug wiederholen zu können:







Das sei auch all denen ins Poesiealbum geschrieben, die hierzulande naiv den Blaunen anhängen.

( Da mag die kleine Episode dieser Woche ja noch relativ harmlos wirken, als im Sommerinterview diese Schafsnase mit Professorentitel die ausfällige Kommentierung seiner Parteikollegin zum Frankfurter Vorfall weichgespült hat: Er könne emotionale Überreaktionen allerdings verstehen angesichts der Ereignisse. Dass Menschen dann auch mal einen falschen Satz raushauen würden, dafür habe er Verständnis. ) 

Die Anhänger der Blaunäugigen haben im Geschichtsunterricht die Ohren auf Durchzug gestellt oder tatsächlich keinen anständigen gehabt, denn dann hätten sie mitbekommen, wie da vorgegangen wurde, damals vor 1933, nämlich systematisch, erst nur verbal, dann immer öfter & stärker mit Taten durch SA, SS und andere marodierende Schlägertruppen, mit gewalttätigen Aktionen gegen Minderheiten - damals eben Juden, aber auch jeden, der anderer Meinung war. So hat man Gefühle der Bedrohung stimuliert und angefeuert und die Mitbürger in eine Richtung beeinflusst, die dann eine Machtübernahme und schließlich die komplette Aussetzung von Recht und Moral und den Zusammenbruch jeglicher zivilisatorischer Standards in diesem Land möglich gemacht hat .

Das Getue von M*euthen und Co ist einfach nur scheinheilig und kehrt inzwischen routiniert alles unter den Teppich, auch die Tatsache, dass viele ihres Geistes schon aus den Worten haben Taten werden lassen. Noch haben wir nicht amerikanische Verhältnisse, aber 195 Tote sind mir schon mehr als zu viel.

Und wenn ich ganz ehrlich bin, nehme ich den Wählern der Blaunen inzwischen auch nicht mehr ab, dass sie nicht wissen, was sie da wählen und übe mich nicht in mehr Nachsicht, von wegen Protestwahl á la "denen zeigen, was 'ne Harke ist". Die würden am liebsten unser ganzes System wegharken und all die, die nicht mit ihnen übereinstimmen. ( Eventuelle Trolle, die meinen, das unter meinem Post kommentieren zu müssen, sollen einfach tief Luft holen und sich trollen: Man wird ja wohl noch mal seine Meinung sagen dürfen! )


Mit einer weiteren andere Variante von Scheinheiligkeit haben wir beim Unternehmer & Sportfunktionär T.*, in dieser Woche Gegenstand endloser Diskussionen zu tun. Bei aller berechtigten Kritik an seinen Aussagen wird mir der eine Aspekt nicht genug berücksichtigt: Da spricht nämlich einer der größten Fleischproduzenten Europas, der mit der dadurch bedingten Viehzucht für einen wesentlichen Anteil des Treibhausgas-Ausstoßes verantwortlich ist ( etwa 33% Anteil am Gesamtaufkommen )! Und ausgerechnet so einer verlangt von den Afrikanern, den Klimawandel zu stoppen, indem sie weniger Kinder bekommen und Bäume fällen! Andere für Fehler in Haftung nehmen, die von seiner Profitsucht und unserem Lebensstil herrühren - wenn das nicht Bigotterie ist!

Hätte diese Woche viele Kotzbüggel gebrauchen können...





Zu diesem Herrn empfehle ich die Lektüre dieser Seite!

Kommentare:

  1. Scheinheiligkeit gepaart mit Macht ist eine schreckliche Mischung.
    Beispiele gibts leider genug in Gegenwart und Vergangenheit.
    Umso erfrischender und aufrichtiger die Friday-for-Future Jugendbewegung, die heute in der Schweiz so manche Scheinheiligkeit entarnt hat und nicht für sich gelten lässt. Ich bin beeindruckt.
    GlG Sieglinde

    AntwortenLöschen
  2. Da sprichst du ein interessantes Thema an, den Geschichtsunterricht. Es ist nämlich tatsächlich so, dass zumindest meine Generation (ich werde bald fünfzig) in der (Haupt-)Schule nichts zu dem Thema gelernt hat. Schon gar nichts darüber wie es soweit kommen konnte. Mein Mann (Städter und Abiturient) hat genausoviel darüber gelernt. Die alten Griechen, Römer und Ägypter schienen offensichtlich wichtiger für die Bildung junger Menschen.
    Lieben Gruß,
    Doro

    AntwortenLöschen
  3. von Helga:

    Liebe Astrid,

    sage nur, ich kotz mit Dir mit. Zu zweit kotzt es sich besser. Hinzufügen brauche ich nichts, Du hast alles gesagt. Ganz wunderbar niedergeschrieben, so gut kann ich das garnicht. Danke dafür, aber es hört eben keiner, ich kotze die Leute immer dann an, wenn sie mir vor die Füße laufen, gleich an Ort und Stelle. Bringt mir böses Geschimpfe ein, ist mir aber wurscht, ich sag was ich denke.

    Abendgrüße von der Helga

    AntwortenLöschen
  4. Ich kann das Weltgeschehen nur noch aus grösztmöglicher Distanz heraus still beobachten. Wenn ich's kann...
    Zu den USA lese ich oft in Toms Blog die John-Pavlovitz-Zitat-Beiträge
    https://backroadstraveller.blogspot.com/2019/08/time-for-john-pavlovitz_4.html
    um die Leute und die Situation dort besser zu verstehn. Aber verstehn kann ich auch die Leute im eigenen Land immer weniger... nur sehe ich nicht (mehr), an der Entwicklung irgendwas mitgestalten zu können. Oder dagensetzen -
    Bloggen, hier in einem Land, wo ich dafür nicht ausgepeitscht werde... bringts leider auch nicht - - -
    Resignierte Grüsze
    und trotz allem ein erfreuliches WE
    wünscht Dir
    Mascha

    AntwortenLöschen
  5. Liebe Astrid,
    du schreibst mir aus der Seele.Mit Fassungslosigkeit schaue ich immer häufiger auf das unerträgliche Verhalten viel zu vieler Amtsträger. So lange lese ich noch nicht bei dir und fand es interessant wie der Wandel zustande kam.Du bringst komplexe Themen gekonnt auf den Punkt, recherchierst sorgfältig und nimmst kein Blatt vor den Mund. Das schätze ich sehr und schaue immer wieder gern vorbei. Danke für den großartigen Blog.
    Liebe Grüße aus dem hohen Norden
    Lydia

    AntwortenLöschen
  6. Hallo Astrid,

    auch ich stimme dir aus vollem Herzen zu. Ich kann einfach nicht verstehen, warum in Zeiten der Informationsfreiheit wie bei uns, intelligente Menschen den Hetzereien der AfD folgen können.

    Zu Trump, und aktuell auch zu seinem kleinen Ableger Johnson, gibt es nichts mehr zu sagen, ich empfinde tiefe Verachtung für Beide.

    Ich denke, resignieren ist falsch, ruhig sein; schon mal haben sich die stillen Deutschen von den Schreihälsen überstimmen lassen.
    Ich jedenfalls halte meine Klappe nicht, wenn sich auch nur irgendwo in meiner Gegenwart etwas in der Art auftut.

    Ich hoffe auf die Jugend, und unterstütze, wo und wie es geht. Bei der nächsten Demo in Münster bin ich als Oma dabei.

    Beste Grüße - Brigitte


    AntwortenLöschen
  7. Mir wird übel wenn ich das Gesicht sehe oder den Namen höre.
    Liebe Grüße
    Sigi

    AntwortenLöschen
  8. Danke, liebe Astrid, du sprichst mir ebenfalls aus der Seele. Das Schlimmste ist für mich, dass solche bigotten Machthaber, ohne von der Justitia (lateinisch iustitia für "Gerechtigkeit") zur Rechenschaft gezogen zu werden, unangefochten weiterhin ihre Macht ausüben können.
    Wünsche dir & deinen Lieben ein schönes Wochenende!
    Liebe Grüße - Gerda

    AntwortenLöschen
  9. Wenn ich mir so den Geschichtsunterricht meiner Jugend im Rückblick anschaue, haben die Lehrer die entscheidenden Zeiten kunstvoll umschifft. Beendeten wir das Schuljahr mit dem Jahr 1933 begannen wir das neue mit - 1945...
    Ich persönlich habe da als Kind und Jugendliche von Vater und Großonkel viel erfahren und gelernt.
    Mein Großonkel hatte Stalingrad als junger Mann überlebt und wirklich seine Lehren daraus gezogen. Als pubertierende Jugendliche hat er mich in langen, geduldigen Gesprächen sehr beeindruckt und geprägt. Ich glaube, er wollte mich gegen solche politischen Heuchler "imprägnieren".
    Solche Menschen wie er fehlen...
    Liebe Grüße
    Andrea

    AntwortenLöschen
  10. ja
    dieser Mensch bringt es auch immer wieder fertig mich aufzuregen
    und das schaffen nicht viele ;)
    schon sein widerliches Getue stößt mich ab
    ein zutiefst selbstverliebter Mensch .. grrrr..
    aber da muss das amerikanische Volk sich wehren
    sie haben es in der Hand ..vielleicht passiert es ..vielleicht auch nicht .. ich kann mir nicht den Kopf darum schwer machen ..
    mein Mann war gar nicht so begeistert dass ich das I Net für mich entdeckt hatte
    auch wenn es in den Foren in denen ich war Probleme gab
    meinter er nur.. du ärgerst dich mit Menschen herum die eigentlich gar nicht "real" sind ..denn du würdest sie nicht kennen und hättest die Probleme nicht wenn du nicht im Net unterwegs wärst..
    und eigentlich hat er Recht
    wir lassen viel zu viel zu nah an uns heran was wir doch nicht beeinflussen können und was uns nur herunter zieht
    darum ist es wichtig auch mal wegzuschalten
    die Berichte nicht zu lesen
    das Wichtigste erfährt man ja doch irgendwie ..mein Fernseher ist zwar defekt.. Radio höre ich nur im Auto und eine Tageszeitung habe ich auch nicht .. und was ich hier am PC aufrufe kann ich selber bestimmen
    das bleibt dann auch mal ungelesen
    lieber erfreue ich mich an schönen Bildern oder an meinen Ausflügen solange es noch geht

    ich wünsche dir Herzenssonnenschein ;)

    liebe Grüße
    Rosi

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ich bin nie in irgendwelchen Foren gewesen, deshalb kenne ich das Problem nicht. Ich habe mein ganzes Leben ein großes Interesse für Politik gehabt und bin seit meinem 16. Lebensjahr aktiv, da ist meine Nonnenschule dran schuld, denn die haben einem ja sämtliche Menschenrechte genommen. Ich lese auch immer mehrere Zeitungen, Fernsehen habe ich nicht, Radio höre ich gerne ( WDR 5 finde ich gut ). Mir ging es nicht besser, wenn ich das nicht machen würde. Jeder ist halt ein anderer Typ, denke ich. Die vielen schönen Bilder deprimieren mich immer mehr, denn die Welt ist für den Großteil der Menschen nicht so, das kann ich einfach nicht ausklammern, und das stört mich auch.
      GLG

      Löschen
    2. nun..
      ich war auch auf einer Nonnenschule ;)
      allerdings habe ich dort keine negativen Erfahrungen gemacht ..
      ich denke so.. ich lebe hier und jetzt und heute ..was morgen ist weiß ich nicht und es kann sich alles so schnell ändern .. wenn ich mir zu viele Gedanken um Zustände mache die ich nicht ändern kann und um Dinge die vielleicht oder aber auch nicht .einmal zutreffen werden..dann raubt es mir die Kraft die ich für heute brauche ..
      und oft kommt es doch ganz anders ..wer weiß das schon
      auch wenn man mit leidet sollte man sich doch den Blick für das Schöne bewahren ..sonst kann man sehr schnell in eine Depression rutschen..
      ich weiß wovon ich schreibe..
      es ändert sich nichts.. wenn ich mit wundem Herzen an der Welt verzweifele

      alles Liebe
      Rosi

      Löschen
  11. Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.

    AntwortenLöschen

Der Kommentar beim Bloggen ist wie der Applaus im Theater: Immer willkommen!
Beachte diesen Hinweis:
Mit dem Abschicken deines Kommentars akzeptierst du, dass der von dir geschriebene Kommentar und die personenbezogenen Daten, die damit verbunden sind (z.B. User- oder Klarname, verknüpftes Profil auf Google/ Wordpress) an Google-Server übermittelt werden. Mehr Informationen dazu erhältst du in meiner Datenschutzerklärung und in der Datenschutzerklärung von Google.

Aus gegebenem Anlass betone ich nochmals ausdrücklich: Nur Kommentare mit Namensnennung werden von mir veröffentlicht. Verlinkungen im Kommentarfeld, ohne dass erkennbar ist, wer sie gesetzt hat, werde ich nicht veröffentlichen, ebenso Kommentare, in denen andere Personen beleidigt und herabgewürdigt werden (14.7.2019).