Freitag, 3. Februar 2017

Menschenrechte adé!?!


Amerika hetzt die Hunde auf uns, 
und wir suchen Zuflucht bei ihnen. 
Daraufhin eröffnet Amerika das Feuer auf uns, 
um uns vor den Hunden zu schützen. 
Am Ende überleben die Hunde, 
und wir sterben. 
Ahmad Matar, irakischer Dichter



Das gibt die momentane Stimmung der Menschen im Nahen Osten wieder. Es ist mehr als empörend, wie der neue amerikanische Präsident mit den Menschen umgeht, deren Elend sein eigenes Land ohne Not verursacht hat ( hier z.B. ein Interview mit dem Ex-CIA Agenten, der Saddam Hussein seinerzeit verhört hat ). Und die schont, aus deren Land 15 der 19 Attentäter des 11. September gekommen sind, dem Terrorangriff, der als Anlass genommen wurde, um diese Weltregion völlig zu destabilisieren.

Von wegen, eine andere Politik als die bisherigen politischen Eliten Washingtons!

Schon George W. Bush hielt seine schützende Hand über die Saudis, die in das Massaker damals verwickelt waren. Die saudische Frage wurde in Bericht der 9/11-Kommission heruntergespielt, allerdings sprach er die Saudis nicht kategorisch von der Involvierung in die Anschläge frei. Rücktritte lagen in der Luft, bis schließlich ein Kompromiss gefunden wurde, dank dessen viele der Saudi-Arabien betreffenden Informationen erhalten blieben, aber versteckt im Kleingedruckten der Anmerkungen des Anhangs, die nur wenige lesen würden. Letztendlich blieben 28 Seiten des Berichts leer. An der Verfassung des Berichtes Beteiligte ließen hindurchsickern, dass es „direkte, sehr spezifische Verbindungen“ mit saudischen Offiziellen gehe sowie um „offensichtliche Beziehungen zwischen hochrangigen saudischen Prinzen und Mithelfern der Entführer“.

Und jetzt wird das Land, aus dem die Terroristen kamen, die das größte Massaker auf amerikanischem Boden angerichtet haben, und das diese unterstützte, von den neuen Einreisemaßnahmen ausgenommen.

Noch schlimmer:  In einen gemeinsamen Telefongespräch am Sonntag zwischen dem Präsidenten und König Salman wurden die gemeinsamen politischen Ziele betont und vereinbart, gegen "destabilisierenden Aktivitäten Irans" vorzugehen & die Ausbreitung des islamistischen Terrors zu bekämpfen.

Wie oft soll man noch betonen, dass Saudi - Arabien massiv fundamentalistische bzw. salafastische Gruppierungen unterstützt und finanziert, die in die Terrorakte in Europa  - ich erinnere nur an Brüssel - verwickelt waren? Mit Terrorunterstützern gegen den Terror?

Aber es passt schon: Menschenrechtsverächter zu Menschenrechtsverächtern. Und wer mit der Folter flirtet, dürfte auch kein Problem mit Auspeitschungen haben.


Ach, ich wäre gerne hoffnungsfroher, was Raif Badawi anbelangt. Ich bewundere die Energie Ensaf Haidars, die am 9. Februar vor dem schottischen Parlament auftreten wird.


Vom Schicksal des wegen Apostasie zum Tode verurteilten mauretanischen Bloggers Mohamed Cheikh Ould M’Kheitir weiß ich zu berichten, dass der Oberste Gerichtshof Mauretaniens am Dienstag entschieden hat, den Fall zur erneuten Prüfung an ein Berufungsgericht zurückzugeben. Ein neuer Verhandlungstermin wurde nicht bekannt gegeben. Welch ein Hickhack! Welch ein Psychoterror!





Kommentare:

  1. Ich, liebe Astrid, habe mich nie aktiv - außer dass ich zur Wahl gegangen bin - in die Politik eingemischt. Aber was zur Zeit in Amerika (und auch anderswo auf der Welt) abgeht, verursacht mir Bauchweh und so manch eine schlaflose Nacht. Nie hätte ich gedacht, dass die Menschen nichts dazugelernt haben und solche Dinge im 21. Jahrhundert geschehen.
    Liebe Grüße
    Edith

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    1. Und ich habe es immer getan und muss mir auch eine gewisse Naivität bescheinigen, weil ich geglaubt habe, je mehr der Mensch am Wissen durch Bildung teilhaben kann, umso mehr wird Vernunft & Mitmenschlichkeit sich auswirken. Es scheint aber alles wellenförmig abzulaufen: Im Moment geht es ganz schön in Richtung Talsohle. Könnte mir ja egal sein, ich bin alt. Aber ich habe so wunderbare Enkelkinder.
      Danke für deinen Kommentar!

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  2. liebe Astrid,
    da geht es mir wie der Edith, alles was jetzt in dieser Welt passiert, wäre vor einigen Jahren nicht vorstellbar gewesen.
    Es macht Angst!
    Ich lese Deine Post immer mit großem Interesse!
    liebe Grüße
    Gerti

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    1. Ach, so würde ich das nicht sagen: In den Achtziger Jahren, bevor ich Mutter wurde, gab es eine Riesenbedrohung im Kalten Krieg durch die Stationierung von Atomraketen bei uns in Mitteleuropa. Das war auch eine echt gefährliche Situation. Ich habe auch die Kubakrise und den Mauerbau mitgekriegt. Und da mein Vater im Verteidigungsministerium war, habe ich die Bedrohungslage immer hautnah miterleben müssen. Jetzt empfinde ich die Bedrohung eher im Innern unseres Landes.
      LG

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  3. Marie von Ebner-Eschebach sagt es:

    "Geistlose kann man nicht begeistern,
    aber fanatisieren kann man sie."

    Wünsche dir ein schönes Wochenende! LG Gerda

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  4. Auch ich halte Saudi-Arabien für brandgefährlich - und vor allem, die Tatsache, wie die dortigen Machthaber hofiert und von aller ernstzunehmenden Kritik verschont werden.
    Liebe Grüße
    Andrea

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  5. Liebe Astrid, ach gäbe es doch mehr von ihrer Sorte...
    Grüße aus Österreich

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  6. Liebe Astrid,
    letztendlich geht es immer nur um eins: Geld. Die maßlose Gier nach Macht und Reichtum ist der Anfang vom Ende.
    herzlichst,
    Duni

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  7. ich hätte diesen beitrag lesen sollen, bevor ich deine wundervoll fröhlichen tulpen betrachtete...
    aber das ist die realität und da hilft manchmal noch so viel bunt auch nicht weiter. ich las deine antwort auf gertis beitrag und muss dir rechtgeben. die lage in den 80ern waren auch kein zuckerschlecken. wir hatten wirklich sehr, sehr viel angst damals. die ist heute wiedergekehrt. aber gegen die stationierung der atomraketen gab es eine sehr große gegenbewegung. die vermisse ich heute, hoffe aber, dass sie sich noch bilden wird!
    liebe grüße, ich schau mir nochmal deine tulpen an...
    mano

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  8. Rat- und etwas hilflos schaut man auf dieses Land Amerika.
    Was geht ab?
    Natürlich haben wir in unserem Leben schon einige brenzliche Situationen erlebt, Du schreibst es in einer Antwort oben. Natürlich haben wir geglaubt, dass der Mensch lernfähig ist und in unserer Demokratie ja auch lange in dieser Art einiges erlebt.
    Aber momentan ist es schon besonders verkehrte Welt:
    Lügen, die welche sind, werden zu Wahrheiten und Wahrheiten, die welche sind, werden zu Lügen.
    Da muss man sich schon richtig immer wieder bewusst machen, was Sache ist.

    Ein Gutes daran: Auch die bunten Tulpen haben ihre Wahrheit!

    Herzlichst, Sieglinde


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  9. Daumen hoch, liebe Astrid! GlG Sunni

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  10. Menschenrechte adé!?! Es scheint so. Die Zeit der Populisten ist wiedereinmal angebrochen. Das ist gruselig.
    Lieben Gruß
    Katala

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  11. Ohne Worte..... das Schlimmeste ist, dass man tatenlos zuschauen muss, wie alles mit Füßen getreten wird und nur Geschäfte zählen. Klar, wer will es mit den Ländern verscherzen, wo man Hotels hat und deren Öl man bekommt.... Fucking Idiot!
    Liebste Grüße ins Weekend
    Christel

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  12. Verkehrte Welt an allen Ecken und Enden, manchmal überlege ich schon, ob ich mir die Nachrichten oder Morgens die Zeitung antun soll. Aber Augen und Ohren zu und Sprachlosigkeit helfen nicht...was kann man tun??? Ich suche mehr Gespräche mit Freunden, im Bekanntenkreis, unseren Kindern und unseren Gästen ...drüber reden...bewusst machen ...sonst fühle ich mich zu hilflos.
    Deine Post lese ich immer mit großem Interesse.
    Lieber Gruß
    Katja

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  13. Die komplette Akte wird hier sicher auch erst nach sechzig Jahren freigegeben - wie die über den "Putsch" im Iran! Operation TPAJAX! Der Sündenfall, oder wie alles begann. Aber ich vermute, wir halten hier eh das gleiche Buch in den Händen! Erst nach Versiegen des Erdöls wird sich auch das Problem der extremen Fundamentalisierung des Islam erledigen, der seine Wurzeln endeutig immWahhabismus hat. Wer beisst schon die Hand, die das schwarze Gold liefert? Vor allem, wenn man dort noch ein Hotel hat!
    Gros bisou liebe Astrid
    Sandra

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