Freitag, 6. Februar 2015

... und wie steht es um Raif Badawi? II



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Es ist wieder Freitag. Der Tag, an dem in Dschiddah nach dem Freitagsgebet die Auspeitschung ansteht, zu der der in Saudi Arabien inhaftierten Blogger Raif Badawi u.a. verurteilt worden ist.

Und wie hier schon angekündigt, veröffentliche ich wieder die Informationen, die ich in dieser Woche gesammelt habe:


  • Die Auspeitschung heute ist nach Angaben von Amnesty International zum vierten Mal in Folge ausgesetzt worden. Die Gründe hierfür sind nicht bekannt.
  • Das höchste saudische Gericht hat seinen Fall zurück an eine Strafkammer verwiesen. Badawis Ehefrau Ensaf Haidar sagte DPA gestern, sie habe entsprechende Informationen erhalten. Sie wisse aber nicht, was dieser Schritt zu bedeuten habe. 
  • Die saudische Internetseite Ajil hatte zuvor unter Berufung auf nicht näher genannte Quellen berichtet, das Strafgericht in der Hafenstadt Dschiddah solle das Urteil gegen Badawi überprüfen. Der Blogger war im Mai vergangenen Jahres zu zehn Jahren Haft, 1000 Stockschlägen und einer Geldstrafe verurteilt worden, weil er in einem Internetforum den Islam beleidigt haben soll.



Die jüngste Rückweisung des Falles durch das höchste Gericht der Monarchie an eine Strafkammer interpretiere ich dahingehend, dass Saudi-Arabien in dieser Affäre eine gesichtswahrende Exit-Strategie sucht. Einen aufschlussreichen Artikel zu den Machtverhältnissen in Saudi Arabien zwischen dem neuen König, dem Königshaus und den konservativen Islamgelehrten und zur besonderen Stellung der Familie Badawi habe ich auf der Seite der Süddeutschen Zeitung gelesen.


  • Die Nominierung Raif Badawis für den Friedensnobelpreis ist wohl amtlich. Zwei norwegische Abgeordnete hatten ihn dem Komitee vorgeschlagen. Die Frist für die Nominierung von Kandidaten für den Friedensnobelpreis lief am Sonntagabend aus. Nach Angaben norwegischer Medien sind in diesem Jahr auch Edward Snowden und Papst Franziskus auf der Liste der Nominierten. Eine offizielle Stellungnahme des Nobelkomitees in Oslo gibt es aber nicht. 

Eine schöne Geste, wie auch viele andere in aller Welt zugunsten von Raif Badawi, finde ich. Wir sollten nicht nachlassen...

Kommentare:

  1. ... gut, dass du erinnerst - obwohl - ich habe schon so viele greusliche junge Bilder im Kopf, dass ich nach einem Weg suchen muss damit fertig zu werden - die Welt spielt jeden Tag verrückter und leider zu viel mit Munition, Stöcken und Feuer und ...und trotzdem darf ich nicht vergessen, oder dichtmachen - aber dankbar sein, das ich in Deutschland lebe - und Öffentlichkeit herstellen ist für uns ein gutes Mittel.
    Herzlichst - Monika

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  2. Ich sehe das genauso. Solche Regime scheuen die Öffentlichkeit. Der Artikel in der SZ ist Klasse. Die recherchieren im allgemeinen wirklich gut.Mal sehen, wie es weitergeht. Manche müssen echt was aushalten.
    LG
    Magdalena

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  3. liebe astrid, ein wenig hoffnung für raif badawi habe ich inzwischen und den friedensnobelpreis hätte er mehr als verdient. der preis würde es ihm vielleicht sogar ermöglichen, noch mehr für die menschenrechte zu tun. aber ich mag gar nicht daran denken, was so vielen anderen frauen und männern, die leider keine öffentlichkeit haben, im namen einer religion angetan wird... im moment habe ich leider wenig hoffnung, dass bald ein umdenken stattfindet... geld wird wohl weiterhin die welt regieren...
    danke für dein dranbleiben und informieren!
    ♥ monika

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  4. Noch vor 20 Jahren hätte man wahrscheinlich nichts mehr für ihn tun können. Jetzt kann man wirklich nur hoffen, dass ihn die weltweite Öffentlichkeit durch das Internet und die vielen internationalen Aktionen zumindest ein bisschen schützt.
    Auch der Friedensnobelpreis oder zumindest die Nominierung könnten da hilfreich sein - so ähnlich vielleicht wie in China, wo solche internationalen Ehrungen zumindest manchmal das allerschlimmste verhindern.
    Bei der Lektüre des Artikels wird einem jedenfalls richtig schlecht. Für was für Banalitäten man wie barbarisch bestraft werden kann..... Fraglich, ob man ein Land mit so einem Menschenbild (und vor allem Frauenbild) irgendwie zwangsweise ins 21. Jahrhundert kapitulieren kann.
    Neulich stand irgendwo, Saudi Arabien habe genau die selben Gesetze wie der IS sie fordert - der eine wird als Terrorismus-Organisation eingeschätzt, mit dem anderen macht man Geschäfte (das Öl!) und schüttelt die Hände.
    Das ist wirklich alles schwer auszuhalten.

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  5. danke für deine informationen!!

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  6. Sehr schön finde ich die Nominierung für den Friedensnobelpreis. Einerseits dürfte der Nobelpreis eine erneute Aufwertung erhalten (dieses Jahr war ja schon sehr bedeutend) und noch dazu zu einem erweiterten Instrumentarium der internationalen Politik werden. Es ist schön zu sehen, wie sehr du dich weitergehend informierst und uns teilhaben lässt.
    Hab ein schönes Wochenende!

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  7. Das macht doch wirklich Hoffnung, schln, dass du uns weiter auf dem Laufenden hältst. Internationale Aufmerksamkeit ist für ihn sicher die einzige Chance, dort wieder lebend raus zu kommen.
    liebe Grüße, Dani

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