Samstag, 10. Oktober 2015

"Maria Sibylla Merians Reise zu den Schmetterlingen"***


Nein, heute ist nicht Donnerstag mit dem üblichen Great - Women- Post bei mir. Obwohl Maria Sibylla Merian eine absolute Kandidatin für diese meine Blog - Rubrik wäre und mir besonders am Herzen liegt als Hobbyentomologin und Liebhaberin aller schönen Blumen. Heute möchte ich ein feines, handliches Büchlein vorstellen, das ich mir gut als Geschenk für Liebhaber der Buchkunst vorstellen kann. Geschrieben hat es Boris Friedewald, mit dem ich durch das Fotografinnenbuch "Meisterinnen des Lichts" in Kontakt gekommen bin:


Maria Sibylla Merian - kurz vor dem Ende des Dreißigjährigen Krieges geboren - lebte in einer Zeit voller Gegensätze und Umbrüche aller Arten. Durch ihre Familie & Umwelt erfuhr sie außerdem vielfältigste Anregungen und Informationen: 

Der Vater ist Matthäus Merian der Ältere, ein angesehener Kupferstecher und Verleger, der Landkarten & Städteansichten schafft und in seinem Hauptwerk "Topographia Germaniae" veröffentlicht. 
Die Mutter, Maria Magdalena de Bry, wiederum ist die Tochter des Oppenheimer Verlegers & Kupferstechers Johann Theodor de Bry, der große Reisebücher zu fernöstlichen Ländern herausbringt und dem Kupferstich in Deutschland zum Durchbruch verholfen hat.
Der Stiefvater schließlich, Jacob Marrel, Schüler der flandrischen Malerschule, ein Stillleben- und Blumenmaler, und später sein Schüler Abraham Mignon, erkennen die Begabung des Mädchens und fördern sie zielgerichtet.

Aber auch in religiöser Hinsicht prägt die Umgebung das Kind Maria Sibylla, die später als Movens für ihr künstlerisches und naturwissenschaftliches Schaffen angeben wird, einen Lobgesang auf den Schöpfer anstimmen zu wollen.


Links vom Buchrücken sind zwei Exemplare des ( inzwischen reichlich verblassten ) Nachtpfauenauges,
von dem ich auch einstmals Raupen geschenkt bekommen, aufgezogen und überwintert habe,
bis die Falter schlüpften - meine Begeisterung für die Metamorphose der Falter hat damals angefangen,
ähnlich wie bei Maria Sibylla Merian.


Ein Erlebnis in frühester Jugend ist besonders prägend: 

Das dreizehnjährige Mädchen hat ein paar Raupen geschenkt bekommen, genauer gesagt: Seidenraupen aus China, kostbar & selten in Europa. In Ermangelung von Maulbeerbäumen, der natürlichen Nahrung dieser Raupen, füttert sie sie mit Lattich, beobachtet ihr Wachsen, das wiederholte Häuten, das Verändern der Färbung und schließlich ein Schrumpfen. Unruhig den Kopf bewegend, spinnen sich die Raupen selber ein in ein eiförmiges Gespinst, den Kokon. In diesem verborgen, wandelt sich die Raupe zur Puppe - "Dattelkern" nennt das Mädchen diese.

Und in diesem Kern geschieht wieder Wunderliches, Geheimnisvolles, da unserem Auge verborgen. Aus dem "Dattelkern" & Kokon kämpft sich nach gewisser Zeit ein weißer Falter ans Licht. "Diese Beobachtungen bildeten den Anfang. Den Anfang einer lebenslangen abenteuerlichen Reise auf der Spur der Insekten", schreibt Boris Friedewald zu Beginn seines Besuches.

Und diese Lebensreise schildert er nun in seinem Buch: 

Sie führt von der Ausbildung im Haus der Eltern in Frankfurt, über das Leben als Ehefrau eines Zeichners & Kupferstechers in Nürnberg, die Herausgabe der ersten Bücher, die Übersiedlung mit Mutter und Töchtern ins niederländische Friesland, um mit der frühpietistischen Sekte der Labadisten zu leben. 
Von dort aus zieht sie nach dem Tod der Mutter nach Amsterdam, wo sie 1699 mit ihrer jüngeren Tochter einen Kauffahrtei - Segler besteigt, um mit ihm nach Surinam aufzubrechen. Dem Leben in der Pietistengemeinde dort, vor allem aber der Erforschung der tropischen Insekten und Flora widmet der Autor reich bebilderte Kapitel, die einen guten Eindruck von der Kunst der Maria Sibylla Merian geben. Die erarbeitet sie mit großem naturwissenschaftlichem Anspruch nach ihrer Rückkehr nach Amsterdam für ihre großformatiges Werk "Metamorphosis insectorum Surinamensium".

Tafel 4 & 12 aus dem Surinam - Buch:
Merian gelingt es vorzüglich, die beeindruckende Größe des Bananenbüschels wiederzugeben












Friedewalds Buch enthält viele farbige Exemplare der bezaubernden Naturstudien der Maria Sibylla Merian, aber auch andere Abbildungen, die das Beschriebene zusätzlich illustrieren. Ein kostbares kleines Werk ist da entstanden, das ich und mein Mann immer wieder gerne zum Schmökern und Schauen in die Hand genommen haben. Etwas, über das ich mich sehr gefreut hätte, wenn ich es geschenkt bekommen hätte...

So hat mich Boris Friedewald mit seinem Buch überrascht. Und ich empfehle es von ganzem Herzen an euch weiter...










*** Dieser Post enthält Werbung, da mir das Buch vom Autor zur Verfügung gestellt worden ist. Wer mich kennt, weiß: Meine Begeisterung ist ganz unabhängig davon, bestimmt von meinen Interessen.

Kommentare:

  1. Wie schön dieses Buch und danke für den Tipp, liebe Astrid! Solche Freude, in diesen Kostbarkeiten zu lesen und blättern. Schönes Wochenende!
    LG. susanne

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  2. sehr schön illustriert ! auch ich wünsche dir ein sonniges wochenende!

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  3. Ich hatte so enen bezuaberende Rezension im Radio gehört, dass ich das Buch sofort auf eine Wunschliste gesetzt habe und dein schöner Beitrag bestätigt das jetzt aufs Feinste. Ein sonniges Wochenende wünscht Karen

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  4. Herzlichen Dank für den feinen Buchtipp. Wir haben schon ein Buch über sie im Schrank, aber freuen uns auch noch über ein weiteres, lohnendes.
    Liebe Grüße
    Andrea

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  5. Ich weiß nicht..., ich sortiere und sortiere und soviel aus, aber was soll man bei so einer besonderen Empfehlung durch eine, die es wissen muss, denn anderes machen, als wieder ein Buch auf die Wunschliste einzutragen... Herzlich Ghislana

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  6. Über Maria Sibylla Merian habe ich vor einiger Zeit einen Artikel gelesen und auch dort schon diese wunderbaren Bilder bestaunt. In meine Meerbibliothek passt das Buch zwar nicht, aber in die Abteilung Gartenliteratur um so mehr. Danke für den Tipp.
    Viele Grüße
    Anja

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    1. Hach, aus der Inselbuch-Reihe gibt es ja auch Bücher von Ihr, diese Reihe liebe ich ja noch mehr :)

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    2. Bei mir stehen die anderen Bücher von ihr in der Reihe "Künstlerinnen". Und eigentlich gehöret auch eines zur "Insektenkunde".
      An dem Buch von Boris Friedewald finde ich zusätzlich gelungen, dass er die Lebensgeschichte mit vielen Zeitbezügen erzählt. Da kannte ich bisher nur ein Buch für Jugendliche vom Beltz - Verlag....
      LG

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  7. wunderbar! und schon auf dem wunschzettel!
    liebe grüße und einen schönen sonntag,
    mano

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  8. Liebe Astrid, das Büchlein ist direkt bestellt ... Und die Meisterinnen des Lichts wandern auf meinen Wunschzettel für Weihnachten.

    Vielen Dank für den Tipp!
    Astrid rechtsrheinisch

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